Hugo Portisch über die Mondlandung: „Wir warteten insgeheim auf die Russen“

ORF-Reporter Hugo Portisch und die Mondlandung

ORF-Reporter Hugo Portisch und die Mondlandung

Hugo Portisch kommentierte die Mondlandung live für den ORF. 50 Jahre später erinnert er sich.

„Es waren schlaflose 28 Stunden und 28 Minuten. Peter Nidetzky, Herbert Pichler, Othmar Urban und ich kommentierten ununterbrochen, nur für kleine Rauchpausen wechselten wir uns ab. Der Start von Apollo-11 war natürlich spannend – vor allem aber spekulierten wir insgeheim immer noch über die Russen. Waren sie heimlich schon früher gestartet? Erwarteten sie die Amerikaner hämisch grinsend auf dem Mond? Sie hatten bis dato noch jedes Rennen im All gewonnen: Sputnik-1 war der erste Satellit gewesen, Juri Gagarin der erste Mensch im Weltraum. Doch den Russen fehlte das Know-how, um einen Kosmonauten auf dem Mond abzusetzen. Ob es die Amerikaner schaffen würden, war bis dahin ebenfalls ungewiss. Würden Neil Armstrong und Buzz Aldrin in der Landekapsel Eagle auf dem Erdtrabanten aufschlagen? Die sanfte Landung hat uns alle überrascht.

Im zu engen „Affenkäfig"

Stunden später tat Armstrong den ersten Schritt auf dem Mond. Wir brauchten eine Weile, bis wir seinen heute weltberühmten Satz verstanden und übersetzt hatten. Wir amüsierten uns über Aldrin, der über Funk mit Richard Nixon verbunden war, seinem Präsidenten salutierte und die US-Fahne aufstellte. Das sah zumindest lustig aus. Während die Astronauten auf dem Mond herumhüpften, um dem Publikum auf der Erde die geringe Schwerkraft des Mondes zu demonstrieren, stolzierte Peter Nidetzky vor dem Studio in Schönbrunn in einem Raumanzug herum. Er hatte ihn von der NASA geliehen. Im ‚Affenkäfig‘, so nannten wir unsere winzigen ORF-Studios damals, war es ihm zu eng geworden.

Skizzen im Müll

Das größte Wunder aber war für uns, als die Eagle wieder starten konnte und vier Stunden später an die noch immer um den Mond kreisende Kommandokapsel andockte. Auch Professor Pichler, unser Weltraum-Experte, hatte sich das vorher nicht vorstellen können. Die Mond-Astronauten stiegen endlich um, Apollo nahm Kurs auf die Erde, und für uns endete ein sehr langer Mondtag. Zurück blieben Zigarettenqualm – und ein vollgestopfter Papierkorb: Christian Ludwig Attersee hatte die Mondlandung als Zeichner begleitet. Während die Rakete startete, malte er, wie sie explodierte. Das war sehr makaber, aber immerhin möglich. Einen Großteil seiner Skizzen warf er in den Müll. Wir gingen heim und ließen sie liegen. Wenn man daran denkt, was die heute wert wären! Zeitzeugen von einem der größten Abenteuer der Weltgeschichte.“

Aufgezeichnet von Franziska Dzugan