Nobelpreis: Das Nobelkomitee liegt mitunter schwer daneben

Nicht nur Preisträger begehen Fehler. Auch das Nobelkomitee liegt mitunter schwer daneben.

Der Däne Johannes Fibiger wurde 1926 mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet, weil seine Forschung zeigte, dass Krebs angeblich durch eine Infektion mit Fadenwürmern ausgelöst wird. In den 1930er-Jahren konnte aber dargelegt werden, dass Fibiger bei seinen Studien Fehler beging und Krebs keine Infektionskrankheit ist. Das Komitee hatte falsche Forschungsergebnisse mit dem höchsten Preis der Wissenschaft ausgezeichnet.

Fehlinterpretation
Auch die Verleihung des Physik-Nobelpreises 1938 beruhte auf einer Fehlentscheidung des Komitees. Damals wurde der Physiker Enrico Fermi für die Entdeckung "transuranischer Elemente“ prämiert. Fermi war der Meinung, er hätte in seinem Labor bisher unbekannte radioaktive Elemente erzeugt. In Wahrheit hatte er etwas ganz anderes und ebenso Wichtiges geschafft, ohne es zu bemerken: Er hatte die erste Kernspaltung durchgeführt, die Ergebnisse seiner Messungen aber falsch interpretiert. Auch dem Komitee fiel die Fehlinterpretation nicht auf.

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Andererseits wurden viele große Wissenschafter vom Nobelpreiskomitee komplett übergangen. Der russische Chemiker Dmitri Iwanowitsch Mendelejew schuf das Periodensystem der Elemente, das heute immer noch die Grundlage der chemischen Forschung bildet, und starb 1907, ohne für diese fundamentale Leistung je mit einem Nobelpreis bedacht worden zu sein. Der Brite Fred Hoyle wiederum, der zu den wichtigsten Astronomen des 20. Jahrhunderts zählt, beschrieb als Erster korrekt, wie chemische Elemente im Inneren von Sternen erzeugt werden. Für diese Erkenntnis wurde 1983 zwar sein Kollege William Fowler ausgezeichnet, Hoyle selbst jedoch ging leer aus. Als "größte Fehlentscheidung in der 106-jährigen Geschichte“ aber bezeichnete der Sekretär des Komitees im Jahr 2006 die Tatsache, dass Mahatma Ghandi trotz sechsmaliger Nominierung nie den Friedensnobelpreis erhalten hat.

Florian Freistetter