Rosetta-Mission: "Philae"-Landung auf Kometen "Tschuri" geglückt

Rosetta-Mission: "Philae"-Landung auf Kometen "Tschuri" geglückt

Jubel im Satelliten-Kontrollzentrum der Europäische Weltraumorganisation ESA in Darmstadt: Zum ersten Mal ist ein Mini-Labor auf einem Kometen gelandet. Die "Rosetta"-Mission ist geglückt.

Erstmals in der Geschichte der Raumfahrt ist die Landung eines Mini-Labors auf einem Kometen gelungen. Mehr als eine halbe Milliarde Kilometer von der Erde entfernt setzte das kühlschrankgroße Landegerät "Philae" auf dem Himmelskörper "67P/Tschurjumow-Gerassimenko" auf.

Im Satellitenkontrollzentrum der Europäischen Weltraumorganisation ESA in Darmstadt löste die Premiere im All großen Jubel aus. Manche Experten vergleichen das Ereignis mit der Mondlandung 1969. Der Komet ähnelt ein bisschen einer Plastikente.

Das Labor war an Bord der Raumsonde "Rosetta" zehn Jahre lang zu dem Kometen mit dem Spitznamen "Tschuri" gereist. Am 12. November war das Labor von seinem "Taxi" gelöst worden.

"Rosetta" und das Landegerät sollen den Kometen analysieren, um möglichst viel über ihn und den Beginn des Sonnensystems vor rund 4,6 Milliarden Jahren zu erfahren. Auch Hinweise auf die Entstehung des Lebens erhoffen sich die Forscher, etwa durch den Nachweis von organischen Molekülen wie Aminosäuren. Bis zum Tag der Landung legte "Rosetta" rund 6,5 Milliarden Kilometer im All zurück.

Die Sonde war 2004 mit einer Ariane-5-Rakete von der Weltraumstation Kourou in Französisch-Guayana gestartet.

Die komplizierte Reise zum Kometen
Weit über sechs Milliarden Kilometer in gut zehneinhalb Jahren - die europäische Kometensonde "Rosetta" hatte eine lange Strecke hinter sich, als ihre Mission am 12. November mit der Landung eines Mini-Labors auf dem Zielkometen 67P/Tschurjumov-Gerasimenko ihren Höhepunkt fand. Um Schwung auf ihrer Reise aufzunehmen, passierte "Rosetta" im vergangenen Jahrzehnt dreimal die Erde und einmal den Mars.

2. März 2004: "Rosetta" startet an Bord einer Ariane-5G-Trägerrakete vom europäischen Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana.

4. März 2005: Erster Vorbeiflug an der Erde in 1.955 Kilometern Entfernung.

25. Februar 2007: "Rosetta" passiert unseren Nachbarplaneten Mars in einer Distanz von nur 250 Kilometern.

13. November 2007:
Zweiter Vorbeiflug an der Erde, diesmal in 5.301 Kilometern Entfernung.

5. September 2008:
"Rosetta" begegnet im All dem Asteroiden Steins, der zwischen Mars und Jupiter seine Bahn um die Sonne zieht. Die Sonde nähert sich dem kleinen Himmelskörper bis auf 802,6 Kilometer.

13. November 2009:
Dritter Vorbeiflug an der Erde in 2.480 Kilometern Distanz.

10. Juli 2010:
"Rosetta" passiert den großen Asteroiden Lutetia und nähert sich ihm bis auf 3162 Kilometer.

8. Juni 2011:
Aus Energiespargründen werden die Instrumente von "Rosetta" in eine zweieinhalbjährige "Tiefschlafphase" versetzt.

20. Jänner 2014:
"Rosetta" erwacht planmäßig aus dem "Winterschlaf", ihre Instrumente werden nach und nach reaktiviert.

6. August 2014:
Ankunft am Kometen Tschurjumov-Gerasimenko, genannt Tschuri. "Rosetta" schwenkt in den folgenden Tagen in eine Umlaufbahn um den Brocken aus Eis, gefrorenen Gasen und Staub ein.

12. November 2014:
"Rosettas" Landeeinheit "Philae" löst sich von der Muttersonde und sinkt auf die Oberfläche des Kometen hinab. Nach stundenlanger Spannung verkünden die ESA-Wissenschaftler, dass der Forschungsroboter auf Tschuri gelandet ist.

"Rosetta", "Philae" und "Agilkia": Woher kommen die Namen?

Rosetta: Der Name für die Sonde "Rosetta" wurde in Anspielung auf den Stein von Rosetta (auch: Stein von Rosette) gewählt. Mit den Inschriften darauf - in Altgriechisch, Demotisch und in Hieroglyphen - konnten erstmals die ägyptischen Hieroglyphen entziffert werden. Der Stein befindet sich heute im Britischen Museum in London.

Philae: Der Name des Landers "Philae" bezieht sich auf die Nil-Insel Philae. Auf diesem Eiland war ein Obelisk gefunden worden, der in griechischer Schrift und in Hieroglyphen die Namen von Kleopatra und Ptolemäus trug und so bei der Entzifferung half. Analog dazu soll die Mission dazu beitragen, unsere kosmische Geschichte zu entschlüsseln.

Agilkia: Der für den Lander ausgesuchte Platz auf dem Kometen ist ebenfalls nach einer Insel im Nil benannt: Agilkia. Sie wurde 1980 der neue Standort für den Tempel von Philae. Der ursprüngliche Standort - die Insel Philae - war nach dem Bau eines Staudamms überflutet worden. Den Namen für den Landeplatz auf dem Kometen wählte eine Jury in einem Wettbewerb aus 8.300 Vorschlägen aus. Vorher hieß der Platz auf dem Himmelskörper schlicht und kurz "J".

(APA/Red.)