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Wissenschaft
03/04/2020

Was Wildbienen können

Ein neues Buch trägt Studien über den Alltag wilder Honigbienen zusammen.

Es gibt sie noch, die wild lebenden Bienenschwärme, die in verlassenen Spechthöhlen in Europas Wäldern ihrer ursprünglichen Lebensweise nachgehen. Diese zeigt sich unter anderem in der Bauweise der Waben, die völlig anders funktioniert als in den von Imkern vorgegebenen Behausungen. Tierfotograf Ingo Arndt und Verhaltensbiologe Jürgen Tautz sezieren in einem neuen Buch den Alltag wilder Honigbienen und tragen die wenigen Studien zusammen, die es über sie gibt. Die bisher wichtigste Erkenntnis: Sie werden ebenso wie Imkerbienen von der Varroamilbe befallen, überstehen die Attacken der vor rund 60 Jahren aus Asien eingeschleppten Parasiten jedoch besser. Der Grund ist noch nicht endgültig geklärt, jedoch deuten genetische Analysen auf eine bessere Anpassung der Wildbienen an ein Leben mit der Milbe hin. Zudem fehlen in der künstlichen Haltung die Mini-Ökosysteme, die das Leben im Wald mit sich bringt. Wenige Millimeter große Bücherskorpione sind etwa beliebte Mitbewohner, weil sie Ungeziefer wie die Tracheen- und möglicherweise auch die Varroamilbe vertilgen.

Altes Handwerk der Zeidlerei

Dadurch rückt ein altes Handwerk wieder in den Fokus, wie die Autoren berichten: Bei der sogenannten Zeidlerei, die in Osteuropa bis heute erfolgreich praktiziert wird, legt der Mensch künstliche Höhlen in Bäumen an, die wilde Schwärme besiedeln. Er überlässt die Bienen ganz sich selbst, gegen Krankheiten oder Parasiten unternimmt er nichts. Bleibt als einziger Eingriff die Honigernte, die allerdings deutlich geringer ausfällt als bei der Imkerei – ein großer Teil bleibt als Winternahrung in der Insektenkolonie. Eine weniger lukrative, dafür nachhaltigere Methode der Honiggewinnung. Vom weit verbreiteten Bienensterben blieben die Zeidler bislang verschont. Woran auch die Sammelweise der Waldinsekten einen Anteil haben dürfte: Sie gewinnen ihren Honig nicht aus Blütennektar, sondern aus Honigtau, jenen zuckerhaltigen Ausscheidungen von Blatt- und Schildläusen, die Blätter und Nadeln der Bäume überziehen.

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