Der Corona-Virus unter dem Mikroskop
Der Corona-Virus unter dem Mikroskop

© Gemeinfrei/CDC/Dr. Fred Murphy

Wissenschaft
01/27/2020

Wie gefährlich ist das neue Corona-Virus?

Warum Forscher die Ausbreitung des neuen Virus aus China zu Recht aufmerksam verfolgen – auch wenn die unmittelbare Gefahr begrenzt ist.

Die Forscher arbeiteten flott: Am Silvestertag meldeten Behörden eine neue Lungenerkrankung aus der chinesischen Stadt Wuhan, wenige Tage später war das Genom des Erregers schon sequenziert: Das Virus heißt vorläufig 2019-nCov, zählt zu den Corona-Viren und ist genetisch zu gut 70 Prozent ident mit dem SARS-Virus, das 2002 und 2003 rund 800 Tote gefordert hatte. Rasch wurde auch ein möglicher Ursprungsort genannt: der Huanan Market der Stadt (Foto oben), in dem Fisch, Geflügel und Fleisch von Wildtieren verkauft werden. Von Tieren sprang das Virus auf den Menschen über, was man „Spillover“ nennt und als typischer Übertragungsweg für Zoonosen gilt – für Krankheiten, die zunächst auf tierische Spezies beschränkt sind und plötzlich den Menschen infizieren. SARS stammte von Fledermäusen, das eng verwandte Virus MERS, das seit 2012 rund 850 Personen tötete, von Kamelen und Dromedaren. Die spanische Grippe war ebenso eine Zoonose wie Ebola und HIV. Im tierischen Wirt, dem „Reservoir“, lösen die Erreger häufig keine Symptome aus, erst nach dem Übersprung entfalten sie ihr Gefahrenpotenzial im Menschen.

Kein Grund zu besonderer Besorgnis

Wie bedrohlich ist nun 2019-nCov? Unmittelbar besteht wohl eher kein Grund zu besonderer Besorgnis. Zwar erkrankten bis Ende voriger Woche rund 800 vorwiegend ältere Menschen, neben China auch in Thailand, Japan, Südkorea sowie in den USA. Freitag Abend wurden zwei weiter Fälle in Europa gemeldet. 25 Personen verstarben, die alle an chronischen Vorerkrankungen gelitten hatten. Zugleich aber verläuft die Symptomatik tendenziell milder als bei SARS, und nach derzeitigem Wissen geht die Ansteckung von Mensch zu Mensch relativ schwierig vonstatten – im Gegensatz etwa zur Grippe.

Dass die Wissenschafter trotzdem äußerst hellhörig sind, hat gute Gründe: Denn gerade in China nehmen immer wieder Infektionskrankheiten ihren Ausgang, die theoretisch auch das Zeug zur Pandemie haben – zur globalen Seuche. Chinesische Metropolen wie Wuhan mit elf Millionen Einwohnern sind nicht nur dicht besiedelt, auf vielen Märkten kommt es auch ständig zu engem Kontakt mit zahlreichen Wildtieren. Allein dieser Umstand erhöht die Wahrscheinlichkeit eines Spillover. Außerdem sind Corona-Viren berüchtigt für ihre Mutationsfreude: Üblicherweise lösen sie banale grippale Infekte aus, doch ein paar genetische Veränderungen machen SARS oder 2019-nCov daraus. Ebenso leicht könnte aus einem schwer übertragbaren Erreger ein hoch ansteckender werden – oder aus einem bloß lästigen ein tödlicher. Die nun ergriffenen Präventionsmaßnahmen und medizinischen Kontrollen an den Flughäfen sind also durchaus sinnvoll, um etwaige virale Bedrohungen schon frühzeitig zu erkennen und zu unterbinden.

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