Abkommen mit Iran: "Nicht mehr Feind Nummer eins"

EU- Außenbeauftragte Federica Mogherini, der Iranische Außenminister Mohammad Javad Zarif im Rahmen einer Pressekonferenz am Samstag, 16. Jänner, in Wien.

EU- Außenbeauftragte Federica Mogherini, der Iranische Außenminister Mohammad Javad Zarif im Rahmen einer Pressekonferenz am Samstag, 16. Jänner, in Wien.

Am Samstag, 16. Jänner, wurden die Wirtschafts- und Finanzsanktionen gegen den Iran von der internationalen Gemeinschaft aufgehoben. Der Ölpreis ist bereits auf den tiefsten Stand seit 2003 gesunken. profil hat mit Paul Ingram, dem Geschäftsführer des British American Security Information Council über die iranische Wirtschaft, westliche Interessen und die Beziehung zu Israel gesprochen.

profil: Was war ausschlaggebend dafür, dass der Iran das Atomabkommen unterzeichnete?
Paul Ingram: Neben dem Streit um das Atomwaffenprogramm des Iran spielten sicherlich auch andere politische Gründe eine Rolle. Der Iran fühlte sich immer mehr unter Druck gesetzt vom Westen. Die Sanktionen gegen den Iran wurden nun aufgehoben, das bringt dem Iran Vorteile.

profil: Welche Vorteile sind das?
Ingram: Der Iran kann nun sein Erdöl verkaufen, wodurch zwar der Erdölpreis sinkt, längerfristig gesehen wird die iranische Wirtschaft jedoch davon profitieren. Durch die Annäherung an die westlichen Länder eröffnet sich dem Iran ein neuer Markt, Unternehmen können expandieren. Die iranische Wirtschaft wird langfristig von dieser Entwicklung profitieren.


Es wird einen weitaus größeren Trend zur Annäherung an westliche Interessen geben.

profil: Welche weiteren Konsequenzen sind zu erwarten?
Ingram: Die iranische Kultur ist der westlichen relativ nahe. Es wird sicherlich Migration nach Europa geben. Aus meiner Sicht wird der Iran weiterhin Assad unterstützen. Die Konflikte in Syrien und im Jemen werden nach wie vor ein wichtiges Thema bleiben.
Außerdem ist der Iran ab sofort nicht mehr Feind Nummer eins der internationalen Gemeinschaft. Das setzt Saudi-Arabien und Israel beispielsweise sehr unter Druck.

profil: Welche innerstaatlichen Konsequenzen kann es für den Iran geben?
Ingram: Es gibt auch in der iranischen Bevölkerung eine starke Opposition gegen die Annäherung an den Westen. Die iranische Regierung wird weiterhin Raketentests durchführen, um die konservative Opposition im Iran zu beschwichtigen. Dennoch wird es einen weitaus größeren Trend zur Annäherung an westliche Interessen geben.

Paul Ingram: "Durch die Annäherung an die westlichen Länder eröffnet sich dem Iran ein neuer Markt."

Paul Ingram: "Durch die Annäherung an die westlichen Länder eröffnet sich dem Iran ein neuer Markt."

profil: Inwiefern wird sich die Situation im Nahen Osten nun ändern?
Ingram: Die Beziehung zwischen dem Iran und Israel war nie sonderlich gut, das wird sich auch in Zukunft nicht ändern. Der Iran hat Israels Position durch seine Annäherung an den Westen geschwächt. Israel, wie auch Saudi-Arabien, fürchten die iranische Macht und eine mögliche militärische Intervention von Seiten des Iran jetzt umso mehr.

profil: Was bedeuten die jüngsten Ereignisse für die Beziehung zwischen dem Westen und dem Iran?
Ingram: Die Beziehung zwischen dem Iran und den westlichen Ländern ist sehr vorsichtig. Ein gutes Beispiel ist die Freilassung von amerikanischen Häftlingen im Iran. Der Iran hat mitgespielt und die jüngst gefangen genommenen Navy-Soldaten nach wenigen Stunden wieder freigelassen. Das ist ungewöhnlich, aber strategisch sinnvoll. Man sieht ja, was zwischen der Türkei und Russland passiert, nachdem das russische Flugzeug in türkischen Luftraum geflogen ist und abgeschossen wurde. Ich gehe auch davon aus, dass die US-Regierung unter Obama das unterzeichnete Atomabkommen nun nutzen wird um die Friedensverhandlungen weiter voranzutreiben.

INFOBOX
Paul Ingram ist Geschäftsführer des British American Security Information Council, kurz BASIC, einer Organisation mit Sitz in London, die sich für den Atomwaffenstopp einsetzt. Ingram spezialisierte sich auf das iranische Atomprogramm und die diplomatischen Versuche dieses unter Kontrolle zu bringen.