Reizthema Impfen: Der Hang zu abstrusen Heilslehren

Reizthema Impfen: Der Hang zu abstrusen Heilslehren
Reizthema Impfen: Der Hang zu abstrusen Heilslehren

Momentan zeigt es sich besonders deutlich am Reizthema Impfen. Doch auch andere Bereiche der Medizin durchweht ein höchst merkwürdiger Trend: der Hang zu haarsträubend abstrusen Heilslehren. Fast allen ist gemeinsam: Je krasser der Widerspruch zur etablierten Wissenschaft, desto attraktiver. Gibt es eine Erklärung für die grassierende Unvernunft? Fragt sich der Leiter des profil-Wissenschaftsressorts Alwin Schönberger.

Es begann ganz unspektakulär, vielleicht mit einem einzigen beiläufigen Niesen. Dadurch flog ein Schwall von Masernviren durch Disneyland in Kalifornien – irgendwann in der dritten Dezemberwoche des Vorjahres. Dann ging alles rapide, und der Erreger stellte eindrucksvoll seine höchst effiziente Ausbreitungsstrategie unter Beweis: Sieben weitere Opfer ereilten die Masern direkt in Disneyland. Eine Frau, um die 20 Jahre alt, fühlte sich nach dem Besuch im Vergnügungspark mies, stieg trotzdem in ein Flugzeug nach Seattle und kehrte Anfang Jänner nach Kalifornien zurück. Ein Mann, ebenfalls Gast in Disneyland, exportierte die Viren per Flugzeug nach Colorado.

Die Bilanz per Ende voriger Woche: Annähernd 100 Erkrankte in mehreren amerikanischen Bundesstaaten sowie Mexiko. Die Patienten waren zwischen sieben Monaten und 70 Jahren alt und nicht oder unzureichend geimpft – und das just in den USA, wo die Masern als nahezu eliminiert galten. In jüngerer Vergangenheit, so berichtete die „Los Angeles Times“, gedeihe besonders in Kalifornien eine Szene von Impfgegnern, meist Leute aus gebildeten, wohlhabenden Schichten, die Impfungen aus ideologischen Gründen für überflüssigen Unfug halten.

100.000 Euro für das Masernvirus

Geht es nach einem Herren namens Stefan Lanka, ist die Epidemie in Kalifornien reine Erfindung. Der Deutsche, immerhin studierter Biologe, vertritt den originellen Standpunkt, Viren, auch HIV und die Vogelgrippe, seien ein bloßes Hirngespinst. Lanka ist dermaßen überzeugt von seiner Ansicht, dass er demjenigen 100.000 Euro versprach, der ihm die Existenz des Masernvirus beweisen könne. Leicht verdientes Geld, dachte sich da der Mediziner David Bardens, der wusste, dass der Erreger unter jedem Elektronenmikroskop problemlos erkennbar ist. Bardens steckte einen Packen einschlägiger Studien in ein Kuvert, fügte seine Kontonummer bei und schickte das Ganze an Lanka.

Lanka zahlte nicht. Bardens klagte. Die Sache ging vor Gericht. Der Richter beauftragte einen Gutachter. Dieser konstatierte im vergangenen Dezember, dass Bardens Recht hat. Im März soll nun weiter verhandelt werden.

Wozu erzählen wir diese Geschichte? Man könnte doch meinen, die schräge Causa sei gar nicht der Rede wert. Schließlich gibt es immer wieder Zeitgenossen, die wirres Zeug absondern. Manche Menschen glauben, dass Wasser ein Gedächtnis besitzt. Andere vertrauen auf Quantenheilung oder auf Horoskope für die Hauskatze. Wieder andere hoffen, Krankheiten mit winzigen Kugeln aus Zucker kurieren zu können oder mit Tinkturen, die Wasser und ein bisschen Alkohol enthalten (sowie gelegentlich ein paar ekelige Schwermetalle). Manche lassen sich nicht von der Meinung abbringen, finstere Mächte würden Airlines kapern und aus Flugzeugen böse Chemie in die Atmosphäre pusten (was besonders wachsamen Vertretern speziell gepolter Parteien sogar parlamentarische Anfragen entlockt). Ein blässliches Schattendasein führt im Vergleich dazu eine Verschwörungstheorie, die besagt, sinistre Regierungen planten, die Menschheit mit viralen Impfstoffen zu traktieren, die das Gehirn infizieren und das Bewusstsein verändern (wäre interessant, zu wissen, was Herr Lanka davon hält). In freundlicher Konkurrenz dazu steht die Panik apokalypseaffiner Christen, welche die Sorge umtreibt, durch Impfungen Chips implantiert zu bekommen.

Manche dieser Gedankenkonstrukte klingen dermaßen abstrus, dass man sich fragt, ob es sich um Parodien handelt. Bald lässt sich allerdings erkennen, dass die Wirrköpfe ihre Ergüsse absolut ernst meinen. Ein Beispiel ist die bizarre Legende von den Microzymas, die angeblich alle Lebewesen besiedeln, gleichsam den Kern des Lebens bilden und in Form eines geheimnisvollen „Kreislaufs der Mikroben“ Krankheiten auslösen. Angesichts dieser bahnbrechenden Erkenntnisse, die bornierte Forscher offenkundig hartnäckig ignorieren, erschienen auch Schutzimpfungen in völlig neuem Licht: Sie hätten keinerlei Nutzen. Demnach ist es reiner Zufall, dass die Ausrottung der Pocken mit einer Durchimpfung der Menschheit einherging.


Je abseitiger die Idee, desto reizvoller finden das bestimmte Personenkreise

Ob nun diese seltsamen Lebenskörnchen oder Lankas Leugnung von Viren, der Unfug folgt stets einem ähnlichen Muster: Ein verkanntes Genie fördert geheimes oder in Vergessenheit geratenes Wissen zutage und stemmt sich wacker gegen eine internationale Übermacht böswilliger Widersacher (vulgo Mainstream-Wissenschaft und Schulmedizin), die der Menschheit schaden wollen.

Weiters gilt die Regel: Je abseitiger die Idee und je größer die Diskrepanz zur Realität, desto reizvoller finden das bestimmte Personenkreise. Und hier sind wir beim eigentlichen Problem angelangt: Wäre es bloß eine Horde verbohrter Halbirrer, die mit allerlei kruden Kopfgeburten weitgehend unter ihresgleichen bleiben, könnte man das Thema getrost abhaken. Tatsächlich aber gibt es eine nennenswerte Zahl von Leuten, die ein offenes Ohr dafür haben und bereit sind, jeder Vernunft krass zuwiderlaufenden Humbug gegen Erkenntnisse aus Jahrzehnten globaler Forschung abzuwägen, also entsetzlichen Quatsch und faktenbasierte Wissenschaft als gleichberechtigte Positionen zu betrachten.

Das ist gefährlich, bisweilen lebensgefährlich, besonders dann, wenn Menschen gravierenden Krankheiten mit einem Hang zum Irrationalen begegnen. So stoßen Heilslehren auf erstaunlichen Widerhall, die Antibiotika generell für Teufelszeug halten. Die Folgen sind manchmal erschütternd. Beispiel: Ein junger Mann leidet mehr als ein Jahr lang an einer chronischen Mandelentzündung. Die verschriebenen Antibiotika nimmt er nicht ein. In den nächsten Monaten kommen eine Stimmband-, eine Rachenentzündung sowie eine Infektion der Mundhöhle hinzu. Da handelt er dann doch: Er schildert seinen Fall in einem Internetforum und fragt nach Alternativen zu Antibiotika, vor denen er so „Schiss“ habe. Überhaupt lehne er „synthetische Medikamente“ ab. Ebenfalls denkwürdig ist der Fall einer Kindergärtnerin, die zwei Jahre lang eine eitrige Nebenhöhlenentzündung herumschleppt. Vor der allmählich drohenden Gehirnentzündung hat sie weniger Panik als vor Antibiotika, weil durch diese angeblich Psychosen und Realitätsverlust drohen.

Zumindest in Bezug auf den letzten Punkt kann man die Frau beruhigen: Schlimmer kann es eher nicht werden.
Besonders deutlich zeigte sich die eigentümliche Einstellung mancher Personenkreise zur medizinischen Realität zuletzt aber am Dauerreizthema Impfen gegen Infektionen, verniedlichend Kinderkrankheiten genannt (was sie nicht sind: Mumps kann Hirnhautentzündungen verursachen, Röteln während der Schwangerschaft können schwere Missbildungen des Kindes hervorrufen). Traditionell waren es häufig anthroposophische Einrichtungen, die den Nutzen von Impfungen anzweifelten und zu Brutstätten von Epidemien wurden, letztlich getreu dem verqueren Motto von Guru Rudolf Steiner, wonach Schmerzen zu ertragen seien und der Mensch an Krankheit wachse. Wenn man nur lange genug wächst, dozierte Steiner, „umschwebt die Seele den Körper“.

Diesen feinen Zustand erreichten drei Deutsche im Jahr 2006 bravourös: Sie starben im Zuge einer Masernwelle, die fast 2300 Menschen erfasste. In Österreich fingen sich vor exakt einem Jahr mehr als 30 Personen in Wien und Niederösterreich die Masern ein, ausgelöst samt und sonders durch nicht geimpfte Infizierte, darunter in einer Montessori-Schule. Zwölf Patienten mussten wegen schwerwiegender Verläufe ins Spital. 2008 registrierten die Behörden mehr als 400 Masernfälle, gut die Hälfte davon in Salzburg, wo die Epidemie von einer anthroposophischen Schule ausging, in der fast niemand geimpft war. 74 Österreicher mussten im gesamten Jahr in stationäre Behandlung.

Warum haben 57 Prozent der Österreicher Vorbehalte gegenüber dem Impfen?

Doch offenkundig reicht die Gruppe der Impfgegner inzwischen deutlich über Waldorf- und Steinerschulen hinaus. Und es sind nicht mehr bloß Steiner-Jünger, die – aus der egoistischen Luxusposition heraus, dass die Mehrzahl der Menschen geimpft ist – ihre Kinder zu Masern-Partys schleifen und sie dort vorsätzlich einer potenziell lebensbedrohlichen Krankheit aussetzen. Wie sonst lässt sich erklären, dass einer Umfrage zufolge 57 Prozent der Österreicher Vorbehalte gegenüber dem Impfen haben und vier Prozent Impfungen generell ablehnen?

Erst Mitte Jänner warnten Experten der Medizinischen Universität Wien vor einer zunehmenden Impfskepsis der Bevölkerung. Eine Folge dieser Haltung ist, dass nicht nur die Maserninfektionen zuletzt auf ein höheres Niveau geklettert sind, sondern auch die Keuchhusten-Fallzahlen seit knapp zehn Jahren eine fast kontinuierlich ansteigende Kurve beschreiben (siehe Grafik rechte Seite). Die Wiener Forscher stellen daher eine „Rückkehr vergessener Krankheiten“ in Aussicht. In anderen europäischen Ländern, darunter Deutschland, wo ebenfalls die Impfangst grassiert, sorgen sich Ärzte aufgrund eines regionalen Aufflackerns von Seuchen wie der Tuberkulose. In Russland geht die Diphtherie um.

Und wenn es wirre Geister noch so oft bestreiten: Impfungen dämmen die Ausbreitung von Krankheitserregern ein, wobei die Formel gilt: Sehr hohe Impfrate ergibt wenige Infektionen. In Skandinavien lässt sich dies hervorragend beobachten.
Was treibt Menschen, sich selbst und ihren Kindern bewährte Medizin zu verweigern, die erwiesenermaßen und über Jahrzehnte grässliches Leid eingedämmt oder verhindert hat? Was bewegt sie, Personen in Gefahr zu bringen, denen eine Immunisierung verwehrt bleibt (Leukämie oder Autoimmunleiden sind Gründe dafür)? Und was lässt sie, allgemeiner gefragt, im Grunde leicht überprüfbare Fakten ignorieren und irrationalen Thesen anhängen, die ein echtes Risiko für Leib und Leben zeitigen können?
Warum sich heute nicht nur ideologisch Verblendete vor Impfungen fürchten, könnte zum Teil dadurch erklärt werden, dass es nicht selten ausgerechnet Ärzte sind, die Therapien als unnütz oder sogar schädlich bezeichnen (warum solchen Quacksalbern nicht augenblicklich die Zulassung entzogen wird, wäre dringend zu diskutieren). Der Grazer Kinderarzt Werner Zenz beschreibt einen Vortrag, an dem er als stiller Zuhörer teilnahm. Zwei promovierte Mediziner hätten dort verkündet, Krankheiten seien „natürlich und etwas Positives“ und stünden in „Harmonie mit der Natur“. Und: „Schwere Erkrankungen treten nicht auf, wenn der Mensch mit der Natur im Einklang lebt.“

Vielleicht schwangen wir ja im 18. Jahrhundert noch mehr im Takt mit der Natur, damals, als die Kindersterblichkeit um die 50 Prozent betrug? Oder im 19. Jahrhundert, als ein Viertel aller Wiener Todesfälle auf Tuberkulose zurückging?
Der steirische Arzt Johann Loibner wiederum behauptet, dass „keine einzige Impfung schützt“ und Krankheiten niemals durch Impfungen verdrängt oder ausgerottet würden. Dringende Empfehlung: Bitte mal einen Tetanus-Infizierten beobachten, dem die Krämpfe Muskeln zerreißen und Knochen brechen. Ein Wiener Pädiater gab im „Kurier“ kürzlich sogar Folgendes zu Protokoll: „Das Ausrotten von Erkrankungen kann kein Gesundheitsziel sein.“


Man fragt sich, auf welchem Trip Mediziner eigentlich sind

Was haben wir demnach in der Vergangenheit für furchtbare Fehler begangen: Ewig schade um die Pocken, die wir in den 1970er-Jahren leichtfertig ausrotteten, bloß weil das Virus in Europa einst bis zu 400.000 Menschen pro Jahr tötete – und die Pest als schlimmste Seuche ablöste. Oder Polio, die Kinderlähmung: Schließlich profitierte ein ganzer Wirtschaftszweig von der serienmäßigen Herstellung eiserner Lungen und eleganter Gehhilfen für Kinder, denen das Virus die Nerven im Rückenmark zerfressen hatte. Und jetzt? Statt Hunderttausender Fälle auf dem Planeten wie in den 1950er-Jahren haben wir nur noch 1000 – und die in entlegenen Weltgegenden.

Wenigstens konnte dank des tapferen Einsatzes aufrechter Impfgegner verhindert werden, das Masernvirus – anders als von der WHO seit Langem beabsichtigt – einem künstlichen Artensterben zuzuführen. Zum Glück werden jährlich noch um die 150.000 Fälle weltweit gezählt. So können wir uns ungebrochen daran erfreuen, dass das Virus Bronchitis, Lungen- und Mittelohrentzündungen sowie – in einem von 1000 Fällen – eine Gehirnentzündung hinterlässt. Außerdem können Masern ein treuer Partner fürs Leben sein, und wenn man es richtig anstellt, hat man richtig lange was davon: SSPE nämlich, die subaktute sklerosierende Panenzephalitis. Masernviren nisten sich dabei im Gehirn ein, zerstören die Hirnzellen, hinterlassen irreversible Behinderungen und führen nach etwa zehn Jahren zum Tod. Vor ein paar Jahren starb ein ungeimpfter deutscher Bub, der sich gut ein Jahrzehnt zuvor in einer Arztpraxis angesteckt hatte.

Man fragt sich, auf welchem Trip Mediziner eigentlich sind, die brandgefährliche Krankheiten, die in früheren Epochen die Population der Spezies Homo sapiens empfindlich dezimierten, für eine sinnvolle Kur des Körpers halten, gar für ein Training des Immunsystems. Was hat der Mensch einst trainiert – oft buchstäblich bis zum Umfallen!

Aber es schürt natürlich Zweifel, wenn Ärzte – und seien es nur einzelne – von Impfungen oder sonstigen bewährten Therapien abraten. Oder wenn auf zunächst seriös wirkenden Websites vermeintlich harte Fakten präsentiert werden, die den Menschen endlich die Augen öffnen sollen. Ein Beispiel ist eine österreichische Impfgegner-Site, durchaus professionell gestaltet (abgesehen davon, dass sie nicht mal ein Impressum besitzt). Dort werden Impfungen in Bausch und Bogen mit einer „Epidemie an Allergien, Diabetes, Arthritis, Hauterkrankungen wie Neurodermitis und Persönlichkeitsstörungen“ in Verbindung gebracht. Was in dieser Aufzählung fehlt, sind die Standardargumente, wonach Impfungen Autismus und plötzlichen Kindstod verursachen.

Was selbstverständlich – wie auf allen vergleichbaren Plattformen – nicht dazugesagt wird: All die Behauptungen sind völliger Mumpitz. Das lässt sich ohne allzu großen Aufwand herausfinden, was für allem ein Tipp für jene ist, die nicht aus ideologischen Gründen gegen Impfstoffe sind, sondern einfach wissen wollen, was das Beste für die Familie ist. Von Impfgegnern werden mit Hingabe und bewundernswerter Ausdauer Studien zitiert, die längst wegen grober Mängel zurückgezogen oder eindrucksvoll widerlegt wurden. Das Thema Allergien wird besonders gern bemüht, allerdings ist das Gegenteil von dem wahr, was verkündet wird: In der ehemaligen DDR zum Beispiel gab es auffallend weniger Allergien als im vormaligen Westen, die Impfrate im Osten war jedoch eine der höchsten Europas. Andere Studien zeigen, dass Geimpfte um fast 70 Prozent weniger Allergien haben als nicht Geimpfte. Es verhält sich also genau andersrum: Eine hohe Impfrate korreliert mit wenigen Allergien.

Das Risiko für Impfnebenwirkungen ist in jedem Fall überschaubar

Klar kann sich jetzt jemand hinstellen und sagen, dass dies alles manipulierte Studien seien, um die Menschheit hinters Licht zu führen. Pharmakonzerne sind, wie weithin bekannt, ohnehin böse. Aber Sarkasmus beiseite: Gab es nicht tatsächlich Skandale um Wirkstoffe der Pharmakonzerne, sind nicht wirklich grobe Impfschäden dokumentiert? Ja, das stimmt. Vor wenigen Jahren kam es durch die Anwendung eines Grippe-Impfstoffs zu Fällen von Schlafkrankheit, und der Hersteller Novartis nahm ein Serum wegen vermuteter Verunreinigungen vom Markt. Und muss man sich blindlings alle am Markt verfügbaren Seren spritzen lassen? Nein, die Influenza-Impfung ist nur relativ abgegrenzten Personengruppen anzuraten, was viele seriöse Ärzte auch dazusagen. Heuer stehen wir außerdem vor der Situation, dass der Impfstoff nicht wunschgemäß wirkt.

Dennoch: Das Risiko für Impfnebenwirkungen ist in jedem Fall überschaubar. Die Wahrscheinlichkeit dafür liegt heute bei 0,007 Prozent.

Noch bedenklicher als Website-Betreiber, die gewagt mit der Wahrheit jonglieren, ist ein weiterer Trend: Fragwürdige Lehren pirschten sich zuletzt sogar an die Universitäten heran. In Deutschland wurden ein UFO-Forscher und ein astrologischer Lebensberater als akademische Mitarbeiter engagiert, an der Donau-Universität Krems wird „Natural Medi-cine“ unterrichtet, Phytotherapie und Homöopathie eingeschlossen, und an der Universität Wien forciert eine Initiative seit Langem die Homöopathie.
Man kann es nicht oft genug betonen: Homöopathie ist Pseudowissenschaft und durch nichts belegt. Da wundert es auch nicht weiter, dass Homöopathen dem Impfen kritisch gegenüberstehen, wobei eine Umfrage eine interessante Abweichung zwischen theoretischer Überzeugung und praktischem Handeln aufzeigte: In dieser Erhebung äußerte die Mehrzahl der Homöopathen ihre Impfskepsis – mehr als 85 Prozent von ihnen hatten allerdings die eigenen Kinder impfen lassen.

Bei aller Verunsicherung der Menschen angesichts des regen Treibens obskurer Heiler: So schwer ist es dann auch wieder nicht, Fiktion und Fakten zu trennen. Ist es nicht denkwürdig, dass es sehr oft nur einzelne verkrachte Existenzen sind, die behaupten, sie – und nur sie allein – hätten den Heiligen Gral der Medizin aufgespürt? Der entziehe sich zwar jedem Beweis, aber gerade das sei ja das Tolle dran – mystisches Geheimwissen, das nur wenigen Auserwählten zugänglich ist. Im Idealfall kämpft eine Person gegen den Rest der Welt, und zwar ähnlich selbstlos wie jene unserer Vorfahren, die erkannten, dass die Erde keine Scheibe sei. Ganz ernsthaft wird manchmal der Vergleich zu Albert Einstein gezogen. Stellte sich der nicht auch mannhaft gegen das gültige Wissen seiner Zeit? Nein, tat er nicht: Er griff bereits bestehende Erkenntnisse auf, dachte sie allerdings konsequent weiter. Er behauptete nicht etwa, der Mond bestehe aus Quargelkäse.

Ein anschauliches Beispiel für die angeblichen Genies unserer Ära sind die Schöpfer einer Strömung namens Neue Germanische Medizin, die mit sonderbaren „Naturgesetzen“ um sich werfen und postulieren: Krebs könne ganz ohne Chemo und Bestrahlung therapiert werden. Denn Krebs wie auch andere Krankheiten seien bloß Resultat innerer Konflikte.

Natürlich ist das vergleichsweise ein Minderheitenprogramm. Dennoch gibt es Menschen, die zumindest die Bereitschaft aufbringen, sich mit all den abwegigen Lehren zu befassen – ob mit jenen von Viren-Leugnern oder durchgeknallten Krebs-Gurus. Irgendeinen Nerv treffen diese Leute in gewissen Kreisen offenbar. Vielleicht spielt hier ein Aufbegehren gegen die moderne, angeblich nur profitorientierte Welt hinein, eine diffuse Sehnsucht nach früher, nach einer heilen Welt, in der wir eins waren mit der Natur: keine Chemie, kein Regiment der kühlen Statistiken, keine Spur vom Mantra eisigen, menschenverachtenden Fortschritts, keine Dominanz undurchsichtiger Großkonzerne (die ja manchmal tatsächlich nach Kräften dazu beitragen, das Klischee zu erfüllen, siehe HCB-Skandal in Kärnten).

Sobald nun jemand das Schlüsselwort „Natur“ fallen lässt, vorzugsweise in Kombination mit einer exklusiven Heilslehre, die einfach alles anders macht, ist die Aufmerksamkeit schon geweckt. Beispiel gefällig? Das Konzept der „Naturopathie“ etwa hat, so lässt sich nachlesen, ein „völlig neues System zur Behandlung und zur Heilung von Symptomen und Krankheitsbildern entwickelt“. Worin dieses besteht, erfahren wir zwar nicht, aber jedenfalls handelt es sich um „verschollenes Gesundheitswissen“, von dem „nur sehr wenige Menschen Kenntnis haben“. Weniger spektakulär, dafür viel häufiger ist die Ansicht, das Schlucken einer banalen Kopfschmerztablette sei ein gefährliches „Volldröhnen“. Da schon lieber eine Kräuter- oder Vitaminmixtur, deren Haupteffekt darin besteht, den Kontostand des Apothekers des Vertrauens zu boosten.

Die dahinterstehende Grundhaltung lautet: Chemie ist per se schlecht. Natur ist gut. Die Natur macht immer alles richtig.
Diese apodiktische Gleichsetzung ist unter einer einzigen Vor-aussetzung zulässig: wenn man akzeptiert, dass eine Ergebenheit in den Lauf der Natur von Zeit zu Zeit bewirkt, dass ganze Landstriche des Planeten entvölkert werden, und zwar meist durch Infektionskrankheiten, die einst Millionen von Menschen umgebracht haben.

1) Diphtherie

Erreger
Bakterien der Gattung Corynebacterium diphteriae scheiden ein Gift aus, das zu Geschwüren in den Schleimhäuten führt und lebensbedrohliche Komplikationen nach sich ziehen kann.

Übertragung
Diphtherie wird wie Erkältungen durch Tröpfcheninfektion beim Husten oder Niesen übertragen. Auch geimpfte Menschen können die Krankheit übertragen, denn der Impfstoff schützt vor dem Ausbruch von Diphterie, aber nicht vor dem Eindringen der Bakterien in den Körper.

Krankheitsverlauf
Diphterie kann in jedem Alter auftreten, betrifft aber vor allem Kinder. Die Beschwerden beginnen mit Halsschmerzen und Fieber. Innerhalb weniger Stunden bilden sich dicke weiß-gelbe Beläge auf Rachen und Mandeln. Nach etwa sieben Tagen werden die Beläge abgestoßen, das Fieber sinkt. In seltenen Fällen breitet sich das Bakterien-Gift auf die inneren Organe aus, was schwere Schäden an Herz und Nieren verursachen kann. Die Verengung der Atemwege kann zu Erstickungsanfällen führen. Bei so einem schweren Verlauf der Krankheit endet jeder vierte Fall tödlich.

Immunität
Hat man die Krankheit überstanden, ist man nicht automatisch immun. Hat man Antikörper (feststellbar durch einen Test), hält die Immunität höchstens zehn Jahre. Bei Impfung: Nach den drei ersten Teilimpfungen im ersten Lebensjahr (im Sechsfachimpfstoff enthalten) und der Auffrischung im Schulalter muss alle zehn Jahre aufgefrischt werden. Nach dem 60. Lebensjahr empfiehlt das Gesundheitsministerium eine Auffrischung alle fünf Jahre.

Verbreitung
In den Nachkriegsjahren gab es in Österreich jährlich bis zu 16.000 Erkrankungen und über 400 Todesfälle. Durch konsequente Impfprogramme kommt Diphterie in westlichen Industrieländern kaum noch vor. In Russland, dem Baltikum und anderen Staaten der ehemaligen Sowjet-union tritt die Krankheit aber immer noch häufig auf.

2) Tetanus (Wundstarrkrampf)

Erreger
Bakterien der Gattung Clostridium tetani scheiden eines der stärksten bekannten Gifte aus. Die Sporen der Bakterien befinden sich in Straßenstaub, in Blumen- und Gartenerde, sowie im Kot von Pferden, Kühen und Schafen.

Übertragung
Diese Krankheit ist nicht von Mensch zu Mensch übertragbar. Aber minimale Verletzungen wie Kratzer oder Schnitte reichen aus, und die Bakteriensporen dringen in den Körper ein. Ihr ausgeschiedenes Gift wandert entlang der Nervenbahnen in Gehirn und Rückenmark und blockiert die Nervenimpulse.

Krankheitsverlauf
Die Erkrankung beginnt schleichend, vorerst mit Müdigkeit, Frösteln und Kopfschmerzen. Es folgen Muskelversteifungen im Nacken und in der Kaumuskulatur. Schließlich kommt es zu langanhaltenden Krämpfen im ganzen Körper, jene in der Atemmuskulatur sind lebensgefährlich. Trotz verbesserter Behandlungsmöglichkeiten stellt sich meist erst nach vier bis acht Wochen eine Besserung der Symptome ein. Die Sterberate liegt zwischen 20 und 30 Prozent.

Immunität
Die Krankheit hinterlässt keine Immunität, Schutz bietet nur eine Impfung. Tetanus wird als Bestandteil des Sechsfachsimpfstoffs im ersten Lebensjahr in Form von drei Teilimpfungen verabreicht und im Volksschulalter aufgefrischt. Dann muss alle zehn Jahre nachgeimpft werden. Nach dem 60. Lebensjahr alle fünf Jahre.

Verbreitung
Tetanus ist weltweit verbreitet. In Österreich gab es in den vergangenen Jahren einzelne Fälle von Wundstarrkrampf bei nicht geimpften Personen.

3) Pertussis (Keuchhusten)

Erreger
Diese Infektionskrankheit wird durch das Stäbchenbakterium Bordetella pertussis ausgelöst.

Übertragung
Die Ansteckung erfolgt über Tröpfcheninfektion, also über Husten, Niesen oder Atemluft von infizierten Personen (häufig durch Erwachsene, welche die Nachimpfung vergessen). Kranke sind vom ersten Husten an fünf Wochen lang ansteckend.

Krankheitsverlauf
Es beginnt mit Husten, Schnupfen, Heiserkeit, meist ohne Fieber. In der zweiten Woche beginnen krampfartige Hustenanfälle, oft mit schleimigem Auswurf und anschließendem Erbrechen. Während Keuchhusten bei Erwachsenen meist ohne Komplikationen wieder ausheilt, kann es bei Babys während der Hustenanfälle zu Sauerstoffmangel oder gar Atemstillstand kommen – Schädigungen des Gehirns oder Tod können die Folge sein. Mögliche Komplikationen sind außerdem eitrige Bronchitis, Lungenentzündung oder Asthma.

Immunität
Geheilte können zehn bis 20 Jahre immun gegen die Bakterien sein. Nach den drei ersten Teilimpfungen im ersten Lebensjahr (im Sechsfachimpfstoff enthalten) und der Auffrischung im Schulalter muss alle zehn Jahre nachgeimpft werden. Nach dem 60. Lebensjahr wird eine Auffrischung alle fünf Jahre empfohlen.

Verbreitung
Keuchhusten ist weltweit verbreitet. In Österreich stiegen die Krankheitsfälle seit 2006 wieder auf mehrere hundert Infektionen pro Jahr an.

4) Poliomyelitis (Kinderlähmung)

Erreger
Es gibt drei Typen von Polio-Viren, sie gehören zur Gruppe der Entero-Viren.

Übertragung
Die Viren gelangen vom Darm oder über Fäkalien, meist über verunreinigtes Wasser, in den Mund. Gleich nach der Ansteckung vermehren sie sich auf der Rachenschleimhaut, wodurch die Krankheit einige Zeit lang über die Atemluft von Mensch zu Mensch übertragen werden kann.

Krankheitsverlauf
Meist verläuft die Kinderlähmung ähnlich wie ein grippaler Infekt mit Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen und Übelkeit. Befällt das Virus allerdings die motorischen Nervenzellen im Rückenmark, kommt es zu Muskelkrämpfen und in seltenen Fällen zu Lähmungen im Bereich der Beine und des Zwerchfells. Treten Lähmungen auf, führen sie in 20 Prozent der Fälle zum Tod.

Immunität
Einmal vom Virus befallen und gesundet, sind Menschen lebenslang immun. Aber Achtung: Der Schutz besteht nur für einen Virus-Typ, es gibt insgesamt drei. Die Impfung schützt gegen alle Virus-Typen. Nach den drei ersten Teilimpfungen im ersten Lebensjahr (im Sechsfachimpfstoff enthalten) und der Auffrischung im Schulalter muss alle zehn Jahre nachgeimpft werden. Nach dem 60. Lebensjahr alle fünf Jahre.

Verbreitung
Früher trat die Krankheit häufig auf. Durch die Einführung der Impfung in den 1960er-Jahren wurde sie in Europa, Amerika, China, Indonesien und Australien fast vollständig zurückgedrängt. In Afrika, Indien, Pakistan sowie im Nahen Osten ist die Kinderlähmung noch präsent.

5) Haemophilus Influenzae Typ B (HIB)

Erreger
Das Bakterium Haemophilus Influenzae Typ B ist ein Stäbchenbakterium, das sich in Nasen- und Rachenraum ansiedelt. Es hat mit dem Influenzavirus (Grippe) nichts zu tun.

Übertragung
HIB wird durch Tröpfcheninfektion (Husten, Niesen, Atemluft) von Mensch zu Mensch weitergegeben. Zwei bis fünf Prozent der Bevölkerung tragen den Erreger im Nasen- und Rachenraum, ohne zu erkranken. Sind sie ungeimpft, können sie ansteckend sein.

Krankheitsverlauf
Die Krankheit beginnt mit hohem Fieber und einer Infektion der Atemwege, die zu Atemnot führen kann. Dringt der Erreger in die Blutbahn vor, kommt es zur Gehirnhautentzündung. Selbst bei einer Behandlung mit Antibiotika liegt die Sterberate bei Gehirnhautentzündung bei fünf bis zehn Prozent, häufig bleiben Hörschäden oder Schädigungen des Nervensystems zurück.

Immunität
Babys sind die ersten drei Lebensmonate noch durch Abwehrstoffe der Mutter geschützt. Dann verliert sich der Schutz. Erst ab dem sechsten Lebensjahr besitzen die Kinder genügend Antikörper. Um diese Lücke zu schließen, werden Kinder im ersten Lebensjahr durch drei Teilimpfungen geschützt (im Sechsfachimpfstoff enthalten). Eine weitere Auffrischung ist nicht nötig, HIB ist für Erwachsene ungefährlich.

Verbreitung
HIB kommt weltweit vor. Vor der Einführung des Impfstoffs in Österreich 1990 war das HIB-Bakterium Auslöser für jede zweite bakterielle Hirnhautentzündung (Meningitis) bei Kindern unter fünf Jahren. Heute ist die Krankheit hierzulande nahezu verschwunden.

6) Hepatitis B

Erreger
Hepatitis-B-Virus.

Übertragung
Das Virus wird durch infiziertes Blut und andere Körperflüssigkeiten wie Sperma, Vaginalsekret oder Speichel übertragen. Dazu ist kein direkter Kontakt nötig: Auch kontaminierte Gegenstände wie Zahnbürsten, Rasierklingen, Kanülen oder Tätowiernadeln können das Virus weitergeben. Infizierte Mütter übertragen es mit hoher Wahrscheinlichkeit an das Neugeborene. Die Hälfte aller Hepatitis-B-Erkrankungen verläuft von den Betroffenen unbemerkt – sie können Menschen in ihrer Umgebung unwissentlich anstecken.

Krankheitsverlauf
Hepatitis B verläuft sehr unterschiedlich. Bei vielen Infizierten bleibt es bei Müdigkeit, Leberschwellung, Gelenks- und Gliederschmerzen, Fieber und Verdauungsstörungen. Bei einem Drittel der Patienten kommt es zu einer Leberentzündung mit Gelbsucht, wo sich Haut und Augen gelb färben und der Urin dunkel wird. Die Erkrankung dauert vier bis sechs Wochen. Bei fünf bis zehn Prozent aller Erkrankten heilt Hepatitis B nicht mehr aus. Drei Viertel der chronisch Kranken haben keine Beschwerden, bleiben aber hoch ansteckend. Ein Viertel leidet an bleibenden Leberschäden bis hin zu Leberzirrhose oder Leberkrebs. Bei Neugeborenen werden 90 Prozent der Hepatitis-B-Infektionen chronisch und führen in einem Viertel der Fälle zum Tod. Wird bei der Mutter Hepatitis B diagnostiziert, kann das Neugeborene aber rechtzeitig geimpft werden.

Immunität
Gesundete Hepatitis B-Patienten bleiben wahrscheinlich lebenslang immun gegen das Virus. In Österreich werden Babys im Zuge der Sechsfachimpfung im ersten Lebensjahr geimpft und im Schulalter aufgefrischt. Die Wirkung der Impfung ist bei Kindern besser als bei Erwachsenen, bei denen manchmal erst nach mehreren Impfdosen eine Grundimmunisierung erreicht werden kann.

Verbreitung
Hepatitis B ist eine der weltweit häufigsten Infektionskrankheiten, Schätzungen gehen von 300 bis 420 Millionen chronisch Kranken aus. In tropischen und subtropischen Ländern Asiens, Afrikas, Mittel- und Südamerikas sind bis zu 30 Prozent der Bevölkerung chronische Träger des Virus. In Österreich sind 0,1 bis 0,5 Prozent der Bevölkerung infiziert, jährlich gibt es bis zu 1000 Neuerkrankungen.

7) Masern

Erreger
Masern-Virus.

Übertragung
Das Masern-Virus wird durch Husten, Niesen und Atemluft übertragen. Bereits drei bis fünf Tage, bevor die ersten Anzeichen der Krankheit auftreten, können Infizierte ansteckend sein.

Krankheitsverlauf
Die Masern beginnen mit Fieber, Schnupfen, Husten und Bindehautentzündung, ein paar Tage später folgt der typische Hautausschlag. Masern sind entgegen der weitläufigen Meinung keine harmlose Kinderkrankheit. Sie schwächen das Immunsystem wochenlang sehr stark, sodass andere Erreger leicht in den Körper eindringen können und häufig Komplikationen auslösen. Mittelohr-, Lungen- und Kehlkopfentzündungen können die Folge sein. In einem von 1000 Fällen erleiden Erkrankte eine Gehirnentzündung (Enzephalitis). Eine gefürchtete Spätfolge ist die sub-akute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE). Sie endet immer tödlich.

Immunität
Wer die Krankheit einmal durchgemacht hat, bleibt sein Leben lang immun. Hierzulande werden Kinder ab dem sechsten Lebensmonat zwei Mal im Abstand von mindestens vier Wochen gegen Masern geimpft (im Dreifachimpfstoff mit Röteln und Mumps).

Verbreitung
Masern sind weltweit verbreitet, wurden jedoch in den USA, wo seit Jahren vehement geimpft wird, beinahe ausgerottet. In Österreich steigt die Zahl der Fälle in den vergangenen Jahren wieder an. In Entwicklungsländern zählt das Virus immer noch zu den häufigsten Infektionskrankheiten, weltweit sterben jährlich 400.000
Menschen an Masern.

8) Mumps

Erreger
Mumps-Virus

Übertragung
Im Winter und im Frühjahr tritt das Mumps-Virus häufig auf, es wird per Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch weitergegeben. Etwa die Hälfte der Infizierten kann das Virus abwehren, ohne krank zu werden.

Krankheitsverlauf
Mumps verursacht Halsschmerzen, Fieber und eine auffällige Schwellung der Speicheldrüsen. Die Krankheit klingt meist nach drei bis acht Tagen wieder ab. Jeder zehnte Patient erleidet allerdings eine Gehirnhautentzündung. Bei 20 bis 30 Prozent der männlichen Patienten entzünden sich die Hoden, was zu Unfruchtbarkeit führen kann.

Immunität
Eine Erkrankung hinterlässt eine lebenslange Immunität. In Österreich werden Kinder ab dem sechsten Lebensmonat zwei Mal im Abstand von mindestens vier Wochen gegen Mumps geimpft (im Dreifachimpfstoff mit Röteln und Masern).

Verbreitung
Das Mumps-Virus tritt weltweit auf, ist aber nicht so ansteckend wie Masern – weshalb nicht viele Kinder die Krankheit durchmachen. Die Erkrankung wird mit zunehmendem Lebensalter gefährlicher. In den letzten Jahren nehmen in Öster-
reich die Mumpsfälle wieder zu.

9) Röteln

Erreger
Röteln-Virus

Übertragung
Röteln-Viren verbreiten sich durch Husten, Niesen und Atemluft. Infizierte sind bereits eine Woche vor Ausbrechen des Hautausschlags ansteckend.

Krankheitsverlauf
Die Symptome von Röteln ähneln zunächst einer Verkühlung, es folgen eine Schwellung der Lymphknoten und der typische Hautausschlag. Gehirnhautentzündungen kommen vor, sind aber selten. Wirklich gefährlich sind Röteln für schwangere Frauen: Sie geben die Viren an die Ungeborenen weiter, die Folgen sind Fehlgeburten oder schwere Fehlbildungen.

Immunität
Wer die Röteln einmal hatte, ist sein Leben lang immun. Hierzulande werden Kinder ab dem sechsten Lebensmonat zwei Mal im Abstand von mindestens vier Wochen gegen Röteln geimpft (im Dreifachimpfstoff mit Masern
und Mumps).

Verbreitung
Röteln kommen weltweit vor, in Österreich stiegen die Erkrankungen in den vergangenen Jahren leicht an.

10) Meningokokken

Erreger
Meningokokken sind Bakterien, von denen 13 verschiedene Typen bekannt sind. Die Typen A, B, C, W und Y können Hirnhautentzündungen und Blutvergiftungen auslösen.

Übertragung
Meningokokken werden über Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch übertragen. Etwa ein Viertel der Jugendlichen zwischen 17 und 19 Jahren tragen Meningokokken-Bakterien im Mund, ohne zu erkranken. Sie sind eine Ansteckungsquelle für andere.

Krankheitsverlauf
Es beginnt mit grippeähnlichen Beschwerden, bei Kleinkindern kommen Teilnahmslosigkeit und Schmerzen bei Berührung hinzu. Bei Jugendlichen können Nackensteifheit, Lichtscheue und Gelenkschmerzen folgen. Meningokokken lösen mitunter eine Gehirnhautentzündung aus, in seltenen Fällen kann eine Blutvergiftung hinzukommen. In schweren Fällen kann die Krankheit innerhalb weniger Stunden zum Tod führen.


Immunität
Eine durchgemachte Infektion hinterlässt keine Immunität. In Österreich ist eine Impfung im Alter von zwölf Jahren vorgesehen.

Verbreitung
Meningokokken lösen in Afrika immer wieder Epidemien aus. In Österreich erkranken jährlich zwischen 60 und 100 Menschen.

11) Pneumokokken

Erreger
Die Bakterien der Gattung Streptokokkus pneumonaiae haben verschiedene Stämme, von denen die meisten gefährlich sind.

Übertragung
Pneumokokken werden durch Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch übertragen. 50 Prozent der Bevölkerung tragen den Keim im Rachenraum, ohne zu erkranken. Sie sind aber eine Ansteckungsgefahr für Kleinkinder und ältere Menschen.

Krankheitsverlauf
Die Erkrankung beginnt mit Schüttelfrost, hohem Fieber, Schmerzen in der Brust und Atemnot. Manchmal folgen Mittelohrentzündungen, aber auch Lungen- oder Gehirnhautentzündungen, in seltenen Fällen Blutvergiftungen. Für Kinder und Ältere können Pneumokokken lebensgefährlich sein. Bis zu 50 Prozent der erkrankten Kinder leiden an Langzeitschäden wie Taubheit, Gehirnschäden oder Lähmungen.

Immunität
Nach überstandener Krankheit sind Patienten nur gegen einen Pneumokokken-Erregerstamm immun. Seit 2012 werden österreichische Kinder im ersten Lebensjahr drei Mal geimpft, im Alter von zwölf wird die Impfung aufgefrischt. Erwachsenen ab 50 wird die Impfung ebenfalls empfohlen.

Verbreitung
Schätzungen zufolge stirbt weltweit pro Jahr eine Million Kinder an den Folgen einer Pneumokokken-Lungenentzündung. In Österreich erkranken jährlich mehrere hundert Menschen. 2013 waren es 252, 28 starben daran.

12) Humane Papilloma Viren (HPV)

Erreger
Einige Typen des Virus können infektiöse Hautveränderungen im Genitalbereich verursachen, andere begünstigen die Entwicklung von bösartigen Tumoren.

Übertragung
70 Prozent aller Männer und Frauen infizieren sich vor allem beim Sex im Laufe ihres Lebens mit Humanen Papilloma Viren.
Diese werden durch direkten Schleimhautkontakt übertragen. Ansteckungsgefahr besteht, solange die Viren im Körper aktiv sind.

Krankheitsverlauf
In den meisten Fällen heilt die Infektion mit HPV innerhalb von ein bis zwei Jahren von selbst ab. Tut sie es nicht, können sich Krebsvorstufen und Krebs entwickeln.

Immunität
Patienten sind nach überstandener Krankheit nicht immun. Seit 2014 werden in Österreich Schulkinder im Alter von zwölf Jahren zwei Mal im Abstand von sechs Monaten geimpft. Ältere Jugendliche und Erwachsene können die Impfung nachholen.

Verbreitung
Gebärmutterhalskrebs ist weltweit die zweithäufigste Krebsform. Die Impfung schützt gegen jene Virustypen, die ihn am häufigsten verursachen.

Mitarbeit: Franziska Dzugan