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Interview
09/17/2020

Ex-US-Botschafter Eacho: "Diese Wahl ist auch für Österreicher wichtig"

William C. Eacho, ehemaliger US-Botschafter in Österreich, über den autokratischen Regierungsstil von Donald Trump, die Gefahr für das politische System der Vereinigten Staaten und die Bedenken gegen den demokratischen Kandidaten Joe Biden.

von Martin Staudinger

INTERVIEW: MARTIN STAUDINGER

profil: Sie engagieren sich in einer Initiative ehemaliger Botschafter, die sich für Joe Biden einsetzen - auch hier in Europa. Warum das?
Eacho: Unserer Gruppe geht es in erster Linie darum, Amerikaner im Ausland davon zu überzeugen, zur Wahl zu gehen. 2016 haben nur rund 20 Prozent der amerikanischen Staatsbürger in Österreich gewählt. Das ist mehr als die sieben Prozent im internationalen Durchschnitt, aber diese Wahl ist wirklich entscheidend, daher zählt jede Stimme. Und diese Wahl ist auch für Österreicher wichtig.

profil: Ernsthaft?
Eacho: Ja. Die Österreicher brauchen eine US-Regierung, die Respekt für die Standards des internationalen Verhaltens hat, an internationale Institutionen glaubt und sich daran beteiligt; eine Regierung, die zum Klimaabkommen zurückkehrt; eine Regierung, die das Atomabkommen mit dem Iran wiederaufleben lässt, um zu verhindern, dass dort Nuklearwaffen gebaut werden. All das waren multilaterale Abkommen, aus denen sich Trump zurückgezogen hat, und das betrifft auch Österreich.

profil: Würden Sie sagen, dass die bevorstehenden Wahlen von historischer Bedeutung für die Vereinigten Staaten sind?
Eacho: Absolut. Ich bin sehr, sehr besorgt: Unsere Demokratie ist in Gefahr.

profil: Tatsächlich? Immerhin hat sich - zumindest von außen gesehen - das politische System als bemerkenswert widerstandsfähig gegen die Anmaßungen von Donald Trump erwiesen.

Eacho: Da wäre ich mir nicht so sicher. Diese Wahl stellt die Widerstandsfähigkeit der Demokratie wirklich auf die Probe. Die Republikaner haben offenbar ihren Rückhalt für unsere demokratischen Institutionen aufgegeben und kümmern sich nur noch darum, Trump zu unterstützen. Der Präsident hat den öffentlichen Dienst in vielen Bereichen demontiert und die Beamtenschaft durch eigene Loyalisten ersetzt. Und er bricht ganz ungeniert das Recht und weiß, dass er von den Institutionen nicht dafür zur Verantwortung gezogen wird. Er hat mithilfe der Macht seines Amtes jede denkbare ethische Norm verletzt, um für seine persönlichen Vorteile bei ausländischen Mächten zu intervenieren-etwa indem er die Ukraine ersucht hat, Schmutz über Joe Biden zu fabrizieren; er benutzt seinen Justizminister, um Verfahren gegen seine Spießgesellen zu behindern und stattdessen gegen loyale Beamte zu ermitteln; er unterzeichnet Begnadigungen und wandelt Urteile seiner Freunde um. De facto regiert er bereits so, wie typischerweise Autokraten regieren. Ich fürchte mich wirklich davor, was er alles noch tun wird, wenn er wiedergewählt werden sollte.

profil: Es gibt aber auch Bedenken gegen Joe Biden - zum Beispiel aufgrund seines Alters.
Eacho: Ist Biden älter, als der perfekte Kandidat möglicherweise wäre? Sicher. Aber das ist Trump auch. Und Biden hat wenigstens gezeigt, dass er bei weitaus besserer körperlicher Verfassung ist als Trump. Er kann beispielsweise ohne Probleme eine Rampe hinuntergehen -er läuft sogar hinunter.

profil: Trump sagt, es sei an seinen Schuhen gelegen, dass er Probleme auf der Rampe hatte ...
Eacho: Ja ja, es sind immer die Schuhe oder sonst irgendwas. Trump hat doch sogar Probleme damit, ein drei Silben langes Wort vom Teleprompter abzulesen. Dass er die Fehler macht, die er macht, ist tatsächlich ein Grund dafür, sich Sorgen um seine Gesundheit zu machen. Bekanntlich hat er ja überraschend das National Institute of Health besucht. Niemand weiß, warum er dort einen Test bezüglich seiner kognitiven Fähigkeiten absolviert und sich anschließend mit seinem guten Ergebnis gebrüstet hat. Aber dieser Test wird ja nur gemacht, wenn der Verdacht auf mentale Beeinträchtigung besteht-Demenz. Man wundert sich also schon. Biden ist jedenfalls gut beisammen, er trifft gute Entscheidungen, und er hat eine exzellente, enorm fähige und kompetente Kandidatin für das Amt des Vizepräsidenten gewählt. Er kann von Tag eins an als Präsident loslegen.

Zur Person
William C. Eacho, 66, Unternehmer und Förderer der US-Demokraten, war unter Präsident Barack Obama zwischen 2009 und 2013 Botschafter der Vereinigten Staaten in Wien und blieb Österreich auch danach verbunden. Eine Langfassung des Interviews finden Sie im wöchentlichen "Supertuesday"-Podcast von profil unter profil.at/podcasts
 

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