Global Witness: 2015 war tödlichstes Jahr für Umweltaktivisten

Global Witness: 2015 war tödlichstes Jahr für Umweltaktivisten

2015 war das tödlichste Jahr bisher für Umweltaktivisten. 185 Morde wurden verzeichnet, die Dunkelziffer dürfte weit höher sein.

Schon Ende Juni schlug die NGO "Global Witness" Alarm, 2015 war das tödlichste Jahr bisher für Land- und Umweltaktivisten, ein großer Teil von ihnen Indigene. 185 Morde an Menschen, die ihren Grund und Boden gegen verschiedene Industriezweige verteidigten, wurden verzeichnet. Vor allem die hohe Nachfrage nach Holz, Mineralien und Palmöl befeuert die Gier nach Land.

Gemeinschaften, die sich gegen die oft illegale Landnahme wehren, sehen sich mit den privaten Sicherheitsfirmen der Unternehmen, staatlichen Truppen oder sogar Auftragskillern konfrontiert. Die meisten Morde gab es 2015 in Brasilien (50), gefolgt von den Philippinen (33) und Kolumbien (26). Die Dunkelziffern dürfte noch weit höher sein: "Für jeden Mord, den wir dokumentieren, bleiben viele andere unverfolgt", so Billy Kyte von Global Witness. Nur wenige der zahlreichen Fälle, schafften es in die (westlichen) Medien:

Berta Cáceres ...

... wurde im März dieses Jahres in ihrem Haus erschossen. Cáceres, eine indigene Anführerin der Lenca in Honduras, initiierte eine Kampagne gegen den Bau des hydroelektrischen Damms "Agua Zarca". Nach ihrem Mord zogen sich zahlreiche beteiligte Unternehmen aus dem Projekt zurück. Im Juni wurde bekannt, dass ihr Name auf einer "Hitlist" einer Einheit der Militärpolizei gestanden war. Fünf Männer wurden im Zusammenhang mit dem Mord an Cáceres verhaftet, darunter ein hochrangiger Militäroffizier. In den USA wurde mittlerweile ein Antrag im Kongress eingebracht, die militärischen Hilfeleistungen der USA an Honduras auf Eis zu legen, um sich nicht mitschuldig an den Morden durch das Militär zu machen.

Dionel Campos ...

... und sein Vater wurden vor den Augen ihrer (Enkel-)Tochter von Paramilitärs exekutiert. Sie setzten sich gegen den Abbau von Mineralien auf dem Land des Lumad-Volkes auf den Philippinen ein.

Rigoberto Lima Choc ...

... ein guatemaltekischer Lehrer wurde im September 2015 auf den Stufen des lokalen Gerichtsgebäudes in Sayaxché erschossen. Er beschuldigte die Palmölfirma "Reforestadora de Palmas del Petén, S.A." den Fluss La Pasión zu verschmutzen. Am selben Tag wurden drei weitere Umweltaktivisten von Mitarbeitern der Firma gefangen genommen, weil das Gericht deren Aktivitäten suspendiert hatte. Die Firma stritt jede Mitschuld ab.

Maria das Dores dos Santos Salvador ...

..., eine brasilianische Aktivistin aus einer ländlichen Gemeinde im Amazonasgebiet, wurde im August 2015 entführt und ermordet. Sie prangerte hartnäckig den illegalen Verkauf von Gemeindeland an und hatte schon seit Jahren von Morddrohungen berichtet.

Fred Thompson ...

... aus Liberia protestierte im Juni 2015 auf dem Gelände der Palmölfirma "Golden Veroleum", kurz danach wurden er und mehrere Mitstreiter für ihre Beteiligung an den Protesten verhaftet. Thompson stirbt kurze Zeit später in seiner Zelle. Die Todesursache ist bis heute ungeklärt, eine Autopsie wurde entgegen zahlreicher Forderungen nicht durchgeführt.