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Ausland
07/13/2021

Kann dieser Mann New York retten?

Der Ex-Polizist Eric Adams dürfte nächster Bürgermeister werden. Er verspricht, die von der Krise gebrochene Metropole aufzurichten.

von Siobhán Geets

Eigentlich, so könnte man meinen, ist es ein Wunder, dass der Afroamerikaner Eric Adams Polizist geworden ist. Der demokratische Kandidat für das Amt des New Yorker Bürgermeisters erzählt die Geschichte immer wieder: Wie er einmal als 15-Jähriger in Queens von weißen Polizisten fast totgeprügelt wurde. Doch anstatt Polizisten zu hassen, wurde er selbst einer und kämpfte von innen gegen Polizeigewalt. Er arbeitete sich hoch, wurde Bezirkspräsident von Brooklyn - und wird nun wohl New Yorks nächster Bürgermeister.

Mit dieser Biografie können sich viele New Yorker identifizieren. Und sie vereint scheinbar zwei Seiten: die Black-Lives-Matter-Bewegung und jene, die sich in Zeiten steigender Gewalt auf den Straßen New Yorks mehr Polizeipräsenz wünscht.

Die Corona-Krise hat die Stadt hart getroffen. Die Arbeitslosenrate liegt bei 10,8 Prozent, zahlreiche Menschen verloren ihr Zuhause, mehr als 300.000 haben die Stadt verlassen. Morde und Schießereien nehmen zu.
 

Absage an die progressive Linke

Die Wahl Adams' ist eine weitere Absage an die progressive Linke innerhalb der Demokraten, die fordert, der Polizei die Mittel zu kürzen. Adams gilt als pragmatisch, er wird dem moderaten Flügel zugerechnet und betont gern, ein Mann der Arbeiterklasse zu sein und keine manikürten Nägel zu haben.

Am Dienstag wurde der 60-Jährige als Sieger der Vorwahl der Demokraten bekannt gegeben - wenn auch mit gerade einmal 8500 Stimmen Vorsprung zur Ex-Chefin der Müllabfuhr Kathryn Garcia. Bei konservativen Demokraten, zu denen auch viele ältere Schwarze zählen, kam Adams mit seinem Ruf nach mehr öffentlicher Sicherheit besser an als die Mitte-Kandidatin Kathryn Garcia und die Linke Maya Wiley.

Dass Adams mit seinen engen Kontakten zur Immobilienbranche und seinem freundlichen Zugang zur Wall Street beim linken Flügel der Demokraten umstritten ist, wird bei den Wahlen kaum eine Rolle spielen. Das gilt auch für seine politischen Fehltritte. In den 1990ern war er kurz als Republikaner registriert, auch in seiner Karriere als Polizist gibt es einige Ungereimtheiten. Als Warnung vor Ungeziefer nahm er einmal ertränkte Ratten zu einer Pressekonferenz mit, ein anderes Mal richtete er nach New York Zuziehenden aus, "heim nach Iowa" zu gehen.

Die Bürgermeisterwahl findet zwar erst im November statt, doch Adams gilt schon jetzt als zweiter schwarzer Bürgermeister der Stadt nach David Dinkins (1990-1993) - in der liberalen Hochburg New York kommen auf einen republikanischen Wähler sieben demokratische.

Sein erstes Wahlversprechen, das er einer Gruppe junger New Yorker gegeben hatte, hat Adams jedenfalls schon erfüllt. Nach seinem Sieg bei den Vorwahlen ließ er sich ein Ohrloch stechen.

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