Angela Merkel
Angela Merkel

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Ausland
12/13/2017

Menschen des Jahres: Was wurde aus … Angela Merkel?

Die deutsche Kanzlerin hat Europa in der Flüchtlingskrise davor bewahrt, seine Seele zu verlieren.

von Philip Dulle

Angela Merkel hat schon einfachere Zeiten erlebt. Die deutsche Kanzlerin kann nach dem Jamaika-Aus, also dem Scheitern der Koalitionsverhandlungen mit FDP und Grünen, nur noch auf den großen Wahlverlierer SPD hoffen. Also wieder GroKo? Für Merkel wäre ein erneute Partnerschaft mit der SPD wohl mehr als in Ordnung, um doch noch Neuwahlen abzuwenden.

Ihr Problem: Auch Merkel, seit 2005 als Kanzlerin in Amt und Würden, hat bei der letzten Bundestagswahl am 24. September ein sattes Minus eingefahren (-8,6 Prozent im Vergleich zu 2017). Nur noch 32,9 Prozent wählten die Union aus CDU und CSU, während die rechte AfD als drittstärkste Partei erstmals den Einzug in den Bundestag geschafft hat. Dass gerade der Begriff "Jamaika-Aus" in Deutschland zum Wort des Jahres 2017 gewählt wurde, im Gegensatz zum österreichischen "Vollholler", dürfte für Merkel nur ein schwacher Trost sein.

Dennoch war wohl 2015 das schwierigste Jahr der Ära Merkel. In der Flüchtlingskrise, dem Krieg in der Ukraine und der Griechenlandkrise hat Merkel, über die politischen Interessen ihres Landes hinaus, die ganze Europäische Union vertreten, konstatierte profil zum Jahresabschluss: "Ohne die spezielle Rolle Deutschlands und seiner Kanzlerin würde Europa nach diesem Jahr anders aussehen", schrieb profil 2015 über die Entscheidungen der Kanzlerin, schnell und entschlossen zu handeln. Vor allem in der Flüchtlingskrise habe Merkel Europa davor bewahrt, seine Seele zu verlieren. Deshalb kürte profil sie zum "Menschen des Jahres 2015".

Angela Merkel

"Merkel muss vorausgesehen haben, wie sehr sie mit manchen ihrer Entscheidungen polarisieren würde", schrieb profil in der Ausgabe vom 14. Dezember 2015. "Dennoch hat sie nicht davor zurückgeschreckt, sie zu treffen." Merkel habe aus pragmatischen Überlegungen gehandelt, aber vor allem aus "Überzeugung und Verantwortungsbewusstsein" für die Werte Europas.

Ob Merkels Entscheidungen, vor allem in Sachen der Flüchtlingskrise, richtig waren, wird sich erst langfristig erweisen. Eines schien aber bereits 2015 klar zu sein: Merkels Politik der offenen Grenzen wirkt nicht nur geografisch über Deutschland, sondern auch "zeitlich über Generationen hinaus" und wird ihren Platz in den Geschichtsbüchern definieren.