profil-Morgenpost: Asoziale Kompetenz

profil-Morgenpost: Asoziale Kompetenz

Guten Morgen!

Die Zehnerjahre des 21. Jahrhunderts neigen sich gefährlich ihrem Ende entgegen, in präzise vier Wochen werden wir (mit ein bisschen Glück) den letzten Tag der laufenden Dekade durchleben. Was die 2020er-Jahre bringen werden war, zumindest im Detail, vor Redaktionsschluss nicht mehr in Erfahrung zu bringen. Aber dieses Nachrichtenmagazin nimmt seine Aufgabe, über die unmittelbare Gegenwart hinaus in die Zukunft zu denken, naturgemäß ernst. Am 3. März 2020, also in exakt vier Monaten, wird beispielsweise der „Super Tuesday“ stattfinden, Vorwahlen zum Kampf um die US-Präsidentschaft also (die Wahl selbst wird erst in der Nacht vom 3. auf den 4. November unsere Nerven belasten). Die gewohnt gut informierte Außenpolitikredaktion des profil produziert, in Kooperation mit diversen sachkundigen Gästen, unter dem Serientitel „Super Tuesday“ ab sofort jeden Dienstag einen Podcastder aktuelle befasst sich mit der Situation der angeschlagenen Linken in den USA.

Anderes (und doch auch Ähnliches) über die Verfasstheit der Vereinigten Staaten erfährt man in amerikanischen Spielfilmen: Eine der bedeutendsten Bewegtbildproduktionen des Jahres ist seit wenigen Tagen auf Netflix abzurufen – Martin Scorseses prominent besetzte Mafia-Chronik „The Irishman“ reist in dreieinhalb Stunden mit den Best-Agern De Niro, Pesci und Pacino durch die US-Geschichte und die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts; eine ausführliche Besprechung dieser bemerkenswerten Reflexion über Verbrechen, Alter und Tod sowie Wissenswertes zur Karriere des Regiemeisters finden Sie hier.

Aber auch diesseits der Fiktion finden sich beklemmende Geschichten zu Intrigen, Selbstbereicherung und mutmaßlichen Gesetzesübertretungen: Der Prozess um den ehemaligen Judo-Superstar Peter Seisenbacher bewegt weiterhin die Gemüter, und ein internes Protokoll der verflossenen ÖVP/FPÖ-Regierung offenbart deren Versuche, sich die volle Kontrolle über die Glücksspielagenden in diesem Land zu sichern. Und als gäbe es nichts Wichtigeres zu bekämpfen, bemüht sich Wiens Sozialstadtrat Peter Hacker inzwischen um ein möglichst weitreichendes Bettelverbot in Wien. Gegen die Abschiebung von Bettlern aus Osteuropa hätte er übrigens auch nichts, lässt er noch durchblicken. Die asoziale Kompetenz des österreichischen Politpersonals wächst.

profil wünscht Ihnen trotzdem einen Super-Dienstag!

Stefan Grissemann

Die „Morgenpost“ erscheint inzwischen seit ziemlich genau einem halben Jahr. Gibt es etwas, das wir verbessern können? Das Sie sich von einem Newsletter in aller Herrgottsfrüh wünschen würden? Das Sie ärgert? Erfreut? Wenn ja, dann lassen Sie es uns unter der Adresse online@profil.at wissen.