Humam Husari
Humam Husari

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Ausland
03/10/2020

profil-Morgenpost: Unser Mann in Syrien

Woher wir im Zeitalter von Fake News und Propaganda verlässliche Informationen bekommen.

von Martin Staudinger

Guten Morgen!

Unter den vielen bemerkenswerten Menschen, ohne die profil nicht das wäre, was es ist, gibt es einen, der noch nie die Redaktion betreten hat. Von ihm möchte ich heute erzählen – auch, um zu illustrieren, woher wir im Fake-News- und Propagandazeitalter unsere Informationen bekommen.

Sein Name ist Humam Husari (eigentlich heißt er anders, verwendet aus Sicherheitsgründen aber dieses Pseudonym), er ist gelernter Dokumentarfilmer und ich bin ihm vor mittlerweile acht Jahren im syrischen Bürgerkrieg begegnet. Seither hat er immer wieder für profil berichtet – auch, als er jahrelang in einem von den Truppen der Assad-Diktatur belagerten, von Rebellen kontrollierten Vorort von Damaskus eingeschlossen war. In dieser Zeit war er in akuter Gefahr – nicht nur durch das Regime, sondern auch durch die teilweise radikalislamistische Milizen in seiner unmittelbaren Umgebung. Wir haben mehr als einmal wirklich um ihn gezittert, bis er im August 2018 entkommen und in die Türkei flüchten konnte.

In all diesen Jahren hat sich Humam unter schwierigsten Umständen als äußerst verlässlicher, korrekter Berichterstatter erwiesen, der mit seinen Einschätzungen immer richtig lag. Deshalb sind wir auch mehr als froh, immer noch auf ihn zurückgreifen zu können: Diese Woche zum Beispiel.

Humam ist gerade in der nordsyrischen Provinz Idlib unterwegs, um eine Dokumentation über die hunderttausenden Kriegsvertriebenen zu drehen, die unter menschenunwürdigen Bedingungen an der Grenze zur Türkei vegetieren. Sein Bericht ist Teil der dieswöchigen Coverstrecke über die aktuelle Flüchtlingskrise, an der Europa erneut zu scheitern droht.

Umfassende Expertise zeichnet aber alle profil-Kolleginnen und Kollegen aus, die von den anderen Brennpunkten der Eskalation berichten: Franziska Grillmeier, die eine Reportage über die Lage auf Lesbos geschrieben hat, lebt seit einem Jahr auf der Ägäis-Insel, wo zehntausende Flüchtlinge und Migranten gestrandet sind; Gregor Mayer, der an der griechisch-türkischen Grenze unterwegs war, kennt Südosteuropa seit Jahrzehnten wie seine Westentasche; und Petra Ramsauer, die für uns den „syrischen Knoten“ – die vertrackte Lage im dortigen Krieg, ohne die das derzeitige Geschehen nicht zu verstehen ist – entwirrt, hat die Region in den vergangenen Jahren dutzende Male für Recherchen bereist.

Humam Husari hat inzwischen übrigens eine Aufenthaltsgenehmigung in der Türkei und möchte auch dort bleiben, bis er vielleicht doch einmal nach Syrien zurückkehren kann. Die profil-Redaktion wird er vermutlich noch länger nicht betreten: Nach Europa einzureisen, ist für ihn schwierig bis unmöglich. Als ihm im Oktober 2018 der renommierte britischen Rory Peck Award – ein Preis für die Arbeit von Kameraleuten unter Lebensgefahr – verliehen wurde, verweigerten ihm die Behörden zunächst das Visum; erst nach öffentlichen Protesten von Kollegen durfte er die Auszeichnung entgegennehmen.

Ihm schicke ich einen herzlichen Gruß nach Idlib; Ihnen wünsche ich einen schönen Tag!

Martin Staudinger

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