Ruinerwold-Sekte: Die irre Welt des „Urvaters“

Neue Erkenntisse zur isolierten Familie

Neue Erkenntisse zur isolierten Familie

Neue Erkenntnisse im Fall „Sekten-Josef“: Offenbar war die Mutter der im niederländischen Ruinerwold eingesperrten Kinder eine Österreicherin – und stand wie mehrere andere Landsleute im Bann eines bizarren Privatkults.

Die Geschichte des Österreichers Josef B., der im Verdacht steht, eine Familie in den Niederlanden auf einem abgelegenen Bauernhof eingesperrt zu haben, hat sich möglicherweise anders abgespielt, als ursprünglich berichtet.

Anfangs schien es, als habe B. – ein aus Österreich ausgewanderter Tischler – als Oberhaupt einer Art Sekte sechs Kinder und ihren Vater Gerrit-Jan van D. manipuliert und jahrelang von der Außenwelt isoliert. Inzwischen deutet vieles darauf hin, dass es in Wahrheit der mittlerweile ans Bett gefesselte Vater gewesen war, der über die Gruppe herrschte.

Die Vorstellungswelt, in der die Familie lebte, war bizarr: Gerrit-Jan van D. habe sich zum „Urvater“ erklärt behauptet, er könne menschliche Seelen von einem Körper auf einen anderen übertragen, berichtet nunmehr die niederländische Zeitung „De Telegraaf“ unter Berufung auf Polizeiakten.

Schwere Misshandlungen

Zudem hatte Gerrit-Jan van D. laut „De Telegraaf“ nicht nur seine eigene Kinder und Josef B. unter der Fuchtel, sondern auch weitere Österreicher: ein profil namentlich bekanntes österreichisches Ehepaar und ihren Sohn. profil-Kontaktversuche an der Wohnadresse der Familie blieben vorerst unbeantwortet.

Laut „De Telegraaf“ ließ sich der Österreicher in den 1980er-Jahren überzeugen, dass die Seele seiner Ehefrau plötzlich „in das geistige Reich abgereist“ sei und stellte ihren nunmehr „leeren“ Körper dem „Urvater“ zur Verfügung. Dieser zeugte in der Folge zehn Kinder mit der Österreicherin, von denen neun überlebten.

Der Mann habe sich dennoch nicht aus dem Bannkreis des „Urvaters“ lösen können und sei immer wieder schwer misshandelt worden. Wenn er aufmuckte, sei er beispielsweise tagelang an den Händen aufgehängt worden.

An den Kindern vergangen

Gegen Gerrit-Jan van. D. besteht zudem der Verdacht des schweren sexuellen Missbrauchs. Nachdem die österreichische Frau 2004 an Krebs gestorben war, habe er sich an den Kindern vergangen – mit dem abstrusen Vorwand, der Geist der Mutter sei in deren Körper zurückgekehrt.

Das Martyrium endete erst, als am 13. Oktober einer der Söhne von Gerrit-Jan van D. in einem Gasthaus der niederländischen Gemeinde Ruinerwold auftauchte und um Hilfe bat.

Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung.