Orlando: Trump instrumentalisiert Massaker für seinen Wahlkampf

Ort des Grauens. 50 Tote im Schwulenklub "Pulse" in Orlando (Florida)

Ort des Grauens. 50 Tote im Schwulenklub "Pulse" in Orlando (Florida)

50 Menschen sterben, als ein Mann in einem Schwulen-Nachtclub in Florida um sich schießt. Laut FBI könnte der Täter mit dem IS sympathisiert haben. Der US-Bürger stand auf keiner Terrorliste. Der Republikaner Donald Trump instrumentalisiert die Bluttat für seinen Wahlkampf.

Das Massaker von Orlando mit 50 Toten ist binnen Stunden zum größten Thema im US-Wahlkampf geworden. Während die Ermittlungen zu den Motiven des Täters und einer möglichen Verbindung zur Terrormiliz IS noch laufen, holte Präsidentschaftskandidat Donald Trump zum Schlag gegen US-Präsident Barack Obama aus und forderte ihn zum Rücktritt auf. Trump kritisierte, dass Obama in seiner Stellungnahme nicht die Worte "radikaler Islamismus" benutzt habe.

„Wann hört das auf?”

Bereits in den frühen Morgenstunden hat Donald Trump im Kurznachrichtendienst Twitter auf das Massaker im Nachtklub "Pulse" aufmerksam gemacht und auf die Tatsache hingewiesen, dass die Polizei die Tat als Akt des Terrorismus behandle. Später legte er mit der Frage nach: „Wann hört das auf? Wann werden wir hart, smart und wachsam?” Nur kurze Zeit später nahm Trump für sich in Anspruch, in der Frage des „radikalen islamischen Terrorismus” von Anfang an recht gehabt zu haben.

Der mögliche Präsidentschaftskandidat der Republikaner bezog sich damit vermutlich auf seine Forderung vom Dezember nach dem Attentat von San Bernardino, dass die USA eine befristete, totale Einreisesperre gegen Muslime verhängen sollten. Trump ruderte später zwar etwas zurück und meinte, das sei bloß eine Anregung gewesen. Doch für viele Terrorismusexperten war der Schaden bereits angerichtet. Sie sehen in der Tatsache, dass Muslime unter Generalverdacht gestellt werden, einen moralischen Sieg für die Attentäter, weil es für die wirksame Bekämpfung der verblendeten Islamisten die aktive Mithilfe der Muslime brauche, nicht deren Ausgrenzung.

Zusammenhang mit den Waffengesetzen

Die Demokratin Hillary Clinton, Trumps wahrscheinliche Gegenspielerin bei der Präsidentschaftswahl im Herbst, sprach von einem Terrorakt und wandte sich in einer Erklärung direkt an die Gruppe der Homosexuellen, Bisexuellen und Transsexuellen (LGBT): Diese habe in ihr eine Verbündete. Ihr Rivale im Kampf um die demokratische Präsidentschaftsnomination, Bernie Sanders, nannte das Massaker horrend und undenkbar. Er stellte zugleich einen Zusammenhang mit den Waffengesetzen her, die psychisch Kranke und Kriminelle nicht daran hinderten, Waffen oder gar Kriegswaffen zu erwerben.

Große Trauer nach dem Massaker

Massaker von Orlando: Eine Nation trauert

Die schlimmsten Amokläufe und Bluttaten der USA

Dezember 2015: Im kalifornischen San Bernardino töten ein Mann und eine Frau 14 Menschen. Sie sterben später im Kugelhagel der Polizei. Es handelte sich um einen islamistischen Terrorakt.

Dezember 2012: Beim bis dahin schlimmsten Amoklauf an einer US-Schule kommen in Newtown (Connecticut) 27 Menschen ums Leben, darunter 20 Kinder.

Juli 2012: Während der Preview eines "Batman"-Films tötet ein 24-Jähriger in einem Kino in Aurora (Colorado) zwölf Menschen. 70 werden verletzt.

November 2009: In der Militärbasis Fort Hood (Texas) tötet ein Armeepsychologe 13 Menschen und verletzt 42.

April 2009: In Binghamton (New York) erschießt ein Mann 13 Menschen in einem Verwaltungsgebäude.

April 2007: An der Technischen Universität von Virginia erschießt ein Student 32 Menschen und verletzt 15. Es ist das schlimmste Massaker an einer Schule in der Geschichte der USA.

20. April 1999: Zwei Schüler erschießen an der Columbine High School in Littleton (Colorado) zwölf Schüler und einen Lehrer und verletzen 24 Menschen. Die Täter nehmen sich das Leben.

16. Oktober 1991: Im Texanischen Killeen tötet ein Mann in einer Cafeteria 23 Menschen, anschließend sich selbst.

18. Juli 1984: In einem Schnellrestaurant in Kalifornien erschießt ein 41-Jähriger wahllos 21 Menschen. Er wird von einem Polizisten erschossen.

1. August 1966: Von einem Turm der der Universität von Texas schießt ein Amokläufer mehr als eine Stunde lang auf Passanten. Mindestens 14 Menschen werden getötet.