Die USA nach dem Hurrikan Harvey

Die USA nach dem Hurrikan Harvey

Innerhalb einer Woche machte Hurrikan Harvey aus dem Süden des US-Bundesstaates Texas ein Katastrophengebiet. Die Krise wird Donald Trumps erste Amtszeit verändern.

Am Ende waren es ein paar ungünstige Zufälle, die zur Katastrophe führten. Wie in vielen Sommern zuvor hatte sich im Golf von Mexiko das Wasser massiv aufgeheizt. Dann blieb der Südwind aus, der die Wirbelstürme von der Küste wegtreibt, während im Norden zwei Hochdruckgebiete den Weg versperrten. Der gewaltige Sturm, den Meteorologen Harvey genannt hatten, war über dem Himmel der US-amerikanischen Millionenstadt Houston eingeklemmt. Anstatt über das Festland weiterzuziehen und schnell an Kraft zu verlieren, blieb er tagelang an einer Stelle und saugte vom Meer weiter warmes Wasser auf. An einem der ersten Tage fiel in Houston so viel Regen wie in Wien in einem ganzen Jahr, 500 Liter pro Quadratmeter.

George W. Bush hatte Katrina im Jahr 2005, Barack Obama bekam es 2012 mit Sandy zu tun. Nun muss Donald Trump die Katastrophensituation rund um Harvey managen. Mindestens 35 Menschen sind gestorben; wenn das Wasser zurückgeht, rechnen die Helfer damit, noch mehr Leichen zu finden. Rund 35.000 Menschen sind in Notquartieren untergebracht, die Schäden sollen laut ersten Schätzungen jene von Katrina noch übertreffen – damals hatte Washington rund 125 Milliarden US-Dollar zur Verfügung gestellt. Mehr als 100.000 Häuser sind beschädigt, eine halbe Million Autos sollen schrottreif sein.

Harvey bringt die Pläne von Trump durcheinander

So bringt Harvey, der aus dem warmen Meer und ein paar ungünstigen Zufällen geborene Supersturm, die Pläne von Trump durcheinander: Er hatte Steuererleichterungen geplant und wollte Budgets zusammenkürzen – darunter auch jenes der Bundeskatastrophenhilfe-Agentur Fema. Ein Teil der von Fema abgezogenen Gelder hätte in die Errichtung einer Anti-Migrations-Mauer an der Südgrenze zu Mexiko fließen sollen. Demnächst tritt der US-Kongress zusammen, um darüber zu beraten, ob 876 Millionen US-Dollar aus dem Fema-Budget dem Heimatministerium für Grenzschutzmaßnahmen zugeteilt werden sollen. Der Plan wurde vor dem Hurrikan geschmiedet, Trump und der US-Kongress streiten seit Monaten über das Budget.

Wie sich die Katastrophe auf Trumps Regierungszeit auswirken wird, lässt sich schwer abschätzen. Bislang sind ihm noch keine gröberen Fauxpas unterlaufen. Was schlechtes Krisenmanagement ausmachen kann, durfte George W. Bush erleben: Dessen zögerliche Reaktion auf das unter Wasser stehende New Orleans verpasste seinem Image selbst unter treuen Republikanern einen tiefen Kratzer.