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Ausland
04/21/2021

Woran ist George Floyd gestorben?

Die Antwort auf diese Frage scheint offensichtlich - und war dennoch im Prozess gegen den Ex-Polizisten Derek Chauvin heftig umstritten.

von Siobhán Geets

Für Philonise Floyd war es zu viel. Als der Richter vergangene Woche ein altes Foto seines Bruders und der ebenfalls verstorbenen Mutter an die Leinwand projizieren lässt, verliert er die Fassung. "Ich vermisse sie beide", schluchzt er.

George Perry Floyd war am 25. Mai 2020 bei einer Festnahme in Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota ums Leben gekommen. Der weiße Polizist Derek Chauvin war neuneinhalb Minuten auf Floyds Genick gekniet, als dieser schon Handschellen trug. Die Videoaufnahmen der Tat gingen um die Welt. "Ich kann nicht atmen", sagte der 46-Jährige wieder und wieder und flehte den Polizisten an, von ihm herunterzusteigen. Doch Chauvin ließ nicht von ihm ab. George Floyd starb noch am Tatort.

Im März hatte der Prozess gegen Chauvin begonnen. Ermittelt wurde die juristische Wahrheit darüber, wie George Floyd gestorben ist. Die Anklage der Staatsanwaltschaft: Mord zweiten Grades. Die maximale Haftstrafe: 40 Jahre. Am Ende mussten zwölf Geschworene einstimmig darüber entscheiden, ob Chauvin des Mordes schuldig ist oder nicht.

Gehört wurden auch die Augenzeugen. Viele von ihnen hatten versucht, zu intervenieren, darunter eine Feuerwehrfrau außer Dienst, die darum gebeten hatte, Floyds Puls fühlen zu dürfen - vergeblich. Etliche der Augenzeugen sprachen von Schuldgefühlen, weil sie nicht mehr getan hatten.

Diese Augenzeugen versuchte die Verteidigung als wütenden Mob darzustellen, der Chauvin und seine drei Kollegen unter Stress gesetzt und damit ein maßvolles Vorgehen verhindert hätte.

Einer der wichtigsten Zeugen für die Verteidigung war der Pathologe Andrew Baker, der Floyds Leiche obduziert hat. Als Todesursache gab er nicht Ersticken an, sondern Herzstillstand im Zusammenhang mit der Nackenfixierung. Darauf stürzten sich Chauvins Verteidiger. Eric Nelson wollte Zweifel daran säen, dass die Brutalität seines Mandanten Floyd getötet hat. Stattdessen sei Floyd, der ein schwaches Herz hatte, an den Folgen der Drogen gestorben, die in seinem Blut nachgewiesen wurden. Unterstützt wird die These vom medizinischen Experten David Fowler. Er sagte aus, dass Floyds Herz wohl aufgrund mehrerer Faktoren aufgehört habe zu schlagen. Demnach brachten ihn sein Herzleiden in Kombination mit Drogenkonsum und den Auspuffgasen des Polizeiautos um.

Floyd litt unter Bluthochdruck, er hatte ein vergrößertes Herz und verengte Arterien. Doch das hat ihn nach Ansicht der meisten vor Gericht angehörten Spezialisten nicht getötet. Ein Lungenexperte hat bestätigt, dass selbst ein völlig gesunder Mensch unter dem Druck von Chauvins Knie erstickt wäre.

"Sein Tod war absolut vermeidbar", sagte auch der Kardiologe Jonathan Rich. Hätte sich Chauvin nicht auf Floyds Nacken gekniet, wäre dieser nicht gestorben. Chauvin saß noch auf Floyds Genick, als dieser keinen Puls mehr hatte.

Doch bei der Verhandlung ging es nicht um Wahrscheinlichkeiten. Jeglicher "vernünftige Zweifel" daran, dass Chauvins Brutalität die Hauptursache für Floyds Tod war, hätte für ein Urteil der Geschworenen im Sinne der Verteidigung ausreichen können. Am Dienstag (Ortszeit) haben die Geschworenen den weißen Ex-Polizisten Derek Chauvin aber in allen Anklagepunkten für schuldig befunden. Das genaue Strafmaß soll in acht Wochen festgelegt werden, erklärte Richter Peter Cahill in Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota.

Die Demonstrationen nach Floyds Tod waren die größten Proteste in den USA seit der Bürgerrechtsbewegung der 1960er-Jahre.

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