Exner Medaille 

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11/07/2021

100 Jahre Wilhelm-Exner-Medaille: Wissenschaft und Wirtschaft

Heuer findet die Verleihung der Wilhelm-Exner-Medaille zum 100. Mal statt.

Dieser Preis wird an hochkarätige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Erfinderinnen und Erfinder vergeben, die durch ihre herausragenden Leistungen die Wirtschaft direkt oder indirekt gefördert haben. Vergeben wird der Preis, der über die Grenzen Österreichs bekannt ist, von der Wilhelm-Exner-Stiftung des Österreichischen Gewerbevereins (ÖGV). Die Nominierungen erfolgen ausschließlich über die bisher Ausgezeichneten, die Entscheidung über die jeweiligen Ehrungen erfolgt dann in geheimer Jurysitzung unter Vorsitz des Altrektors der Technischen Universität Graz, Hans Sünkel. Die Verleihung wird von den Exner Lectures umrahmt.

Offensiv und konstruktiv die anstehenden Probleme bewältigen – das war das Credo von Wilhelm Exner (1840 – 1931). Er gilt als Begründer der modernen Form berufsbildender Schulen in Österreich, war in vielen Funktionen und Eigenschaften tätig und steht bis heute für den Brückenschlag zwischen Bildung, Wirtschaft und Wissenschaft. Der in Gänserndorf geborene Exner war zunächst als Mittelschullehrer in Böhmen tätig, später als Professor an der Forstakademie, die er ab 1875 leitete. Er wurde Professor an der Hochschule für Bodenkultur und mehrmals auch deren Rektor. Wilhelm Exner war Initiator und für ein Vierteljahrhundert auch erster Direktor des Technologisches Gewerbemuseums (TGM) in Wien. Zudem war er an der Gründung des Technischen Museums für Industrie und Gewerbe sowie des Österreichischen Forschungsinstituts für Geschichte der Technik beteiligt, ebenso an der Schaffung von Arbeiterkammern und des TÜV Österreich. Exner ruht in einem Ehrengrab auf dem Zentralfriedhof in Wien.

Preisträgerin 2021 / Katalin Karikó: Die mRNA-Pionierin

Bei der Coronapandemie gibt es Licht am Ende des Tunnels – und das liegt maßgeblich an Katalin Karikó: Die gebürtige Ungarin forscht seit den 1990ern in den USA an der mRNA-Technik (Boten-RNA), die heute zur Entwicklung von Impfstoffen und Medikamenten führt. Lange Zeit wurde das Potenzial von mRNA nicht erkannt, die Forscherin gab aber niemals auf.

Ihre Karriere begann Katalin Karikó an der Universität Szeged, 1985 übersiedelte sie in die USA, wo sie in Washington und Pennsylvania in Biochemie promovierte und danach eine Professur an der University of Pennsylvania antrat – dort lehrt sie bis heute. In unermüdlicher Forschungsarbeit wollte sie beweisen, dass künstlich hergestellte mRNA als Grundlage für ganze neue Behandlungsmethoden dienen könnte. Ein großer Durchbruch gelang 2005, als sie gemeinsam mit Drew Weissmann einen Baustein der mRNA modifizieren konnte. Doch trotz etlicher Publikationen wurde das Potenzial nur von wenigen erkannt. Der Forscherin gelang es gemeinsam mit Kollegen, die mRNA-Moleküle in Lipid-Moleküle zu verpacken, um diese Tieren und Mensch injizieren zu können – und zwar ohne gefährliche Immunreaktionen auszulösen. Das war davor eine Hürde gewesen.

Seit 2013 ist die Forscherin zudem Vizepräsidentin und Forschungsleiterin von BioNTech, das Impfstoffe gegen Covid-19 entwickelt hat. Heute besteht kein Zweifel, dass Karikós Forschung die Grundlage für viele neue Medikamente gelegt hat. Und es besteht kein Zweifel daran, was der Einsatz der hoch wirksamen mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna im Kampf gegen Covid-19 gebracht hat und noch immer bringt. Die Grundlagen dafür bilden vier Jahrzehnte Forschung auf höchstem Niveau. mRNA-Pionierin Katalin Karikó ist das beste Beispiel dafür, dass sich Einsatz und Beharrlichkeit auszahlen. Und das gilt bekanntlich für Wirtschaft und Wissenschaft gleichermaßen.

Preisträgerin 2021 / Luisa Torsi: Bioelektronik baut Brücken

Die organische Bioelektronik ist derzeit eine der spannendsten Forschungsrichtungen: Die Entwicklungen auf diesem Gebiet haben in vielen unterschiedlichen Bereichen Auswirkungen – vom Gesundheitswesen bis zur Unterhaltungselektronik. Die italienische Wissenschaftlerin Luisa Torsi ist federführend beteiligt an den wichtigsten Forschungserkenntnissen bei der organischen Elektronik. Sie verbindet in ihrer wissenschaftlichen Arbeit unter anderem elektronische und elektrochemische Sensoren, analytische Chemie, organische Halbleiter und Materialchemie sowie -physik.

Luisa Torsi wurde in Bari geboren, wo sie an der Universität auch ihren Bachelor in Physik machte. Danach wandte sie sich den chemischen Wissenschaften zu und zog 1994 in die USA, wo sie bei Bell Labs arbeitetet. Seit der Rückkehr nach Italien arbeitet sie am Institut für Chemie an der Universität Bari, 2005 wurde sie Professorin. 

Luisa Torsi wurde als erste Frau zur Präsidentin der European Materials Research Society (EMRS), einer internationalen Gesellschaft auf dem Gebiet der Materialforschung. Zu ihren Entwicklungen zählen etwa Einzelmolekültransistoren, die eine Erkennung von Krankheiten möglich machen, sowie dünne und zugleich energieeffiziente Elektroniken, wie sie bei flexiblen Displays bei Mobiltelefonen zum Einsatz kommen. Damit ist Luisa Torsi ein Beispiel, wie wissenschaftliche Erkenntnisse zum Nutzen der Menschen in Wirtschaft und Gesellschaft zum Einsatz kommen.

Preisträger 2020 / Edward Boyden: Revolution und Expansion

Die Mikroskopie hat eine 300jährige Geschichte – und Edward Boyden sorgt nun für eine Revolution. Der Neurowissenschafter hat eine Methode mitentwickelt, mit der Objekte besser untersucht werden können: Mit Hilfe der sogenannten Expansion Microscopy werden diese nämlich in ein Polymer eingebettet und durch Quellen der Matrix vergrößert. Es wird also das Objekt selbst vergrößert, statt wie üblich die optischen Parameter für eine verbesserte Auflösung zu verändern. Im Gegenzug kann auch ein anderer Weg beschritten werden: Im Zuge der 3D-Nanofabrikation können in dem Polymer Objekte aufgebaut und durch kontrolliertes Schrumpfen verkleinert werden – das ergibt neue Möglichkeiten für die Erzeugung feinster Strukturen.

Der in Texas geborene Wissenschafter interessierte sich von klein auf für Wissenschaft und war bereits mit 14 Jahren an der Universität eingeschrieben. Nach dem Bachelor in Physik studierte er am Massachusetts Institute of Technology (MIT), wo er seinen Master über Quantencomputer absolvierte, danach studierte er Neurowissenschaften an der Stanford Universität. Er ist heute Professor für Media Arts and Sciences sowie für Neurotechnologie am MIT. Er hat auch auf dem Gebiet der Optogenetik große Fortschritte erreicht, die unter anderem therapeutische Anwendungen ermöglichen.

Unternehmen, die von Boyden mitgegründet wurden, tragen die Forschung in die wirtschaftliche Umsetzung – dazu zählen Expansion Technologies und die derzeit in Gründung befindliche Implosion Fabrication. Boyden ist Laureat der Wilhelm-Exner-Medaille 2020, wird aber heuer geehrt.

Der Österreichische Gewerbeverein (ÖGV) ist ein überparteilicher Verein für Unternehmen mit freiwilliger Mitgliedschaft. Seit seiner Gründung im Jahre 1839 gestaltet der ÖGV die Rahmenbedingungen für freies Unternehmertum auf Basis der sozialen Marktwirtschaft maßgeblich mit. Grundsätze dafür sind eine funktionierende Ordnungspolitik im Umfeld eines fairen Wettbewerbs mit gesichertem Eigentum und in Freiheit. Der ÖGV sorgt sich um die politische Interessensvertretung der Mitglieder, bietet Erfahrungsaustausch und engagiert sich für ein gutes Unternehmertum.

www.gewerbeverein.at

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