Advertorial

„Die elitären Vielflieger machen mir Sorgen“

Stefan Gössling, Professor für Tourismus und Humanökologie der Lund-Universität in Schweden, beschäftigt sich intensiv mit den Auswirkungen von Reisen auf Umwelt und Klima.

Drucken

Schriftgröße

Portfolio: Kann ich heute noch mit gutem Gewissen in ein Flugzeug steigen?

Stefan Gössling: Eigentlich nicht. Jeder hat verstanden, wie ernst die Klimakrise ist und was der Klimawandel für die Menschen bedeutet. Wir müssen daher alles vermeiden, was zu großen Emissionen führt und Flugreisen haben eben große Emissionen. Das gilt aber auch für Kreuzfahrten.

Wie sieht es mit dem Image von Flugreisen aus?

Es gab historisch verschiedene Phasen, so haben die James-Bond-Filme in den 1970ern suggeriert, dass der Jetset mit dem Flugzeug auf Urlaub fliegt. In den Sozialen Medien ging es in den vergangenen Jahren vor allem darum, sich darzustellen und möglichst viele Destinationen abzuhaken. Jetzt gibt es zwei neue Trends: Die Pandemie hat gezeigt, dass man sich nicht nur über das Reisen präsentieren kann. Zudem zwingt uns die Fridays-for-Future-Generation zum Nachdenken – und das wird so bleiben. 

Aber weltweit wird das Fliegen immer begehrter. Was bewirkt das?

Je mehr Geld die Menschen haben, desto mehr reisen sie. Mir bereitet aber die Gruppe der elitären Vielflieger viel mehr Sorgen: Ein Prozent der Weltbevölkerung ist für 50 Prozent der Emissionen im Flugverkehr verantwortlich, etwa durch Reisen mit Privatjets. Und die Zahl der Millionäre und Multimillionäre steigt, genau die zeigen aber oft gar keine Verantwortung für den Klimaschutz.

Abgesehen vom Fliegen: Welche Rolle wird der Klimaschutz im Tourismus in Zukunft insgesamt spielen?

Ich wünsche mir eine positive Sicht auf den Klimaschutz, derzeit dominieren die Drohszenarien. Ich denke etwa an die Hotellerie, die durch Energiesparen ihre Kosten erheblich senken könnte. Und jeder Akteur im Tourismus kann etwas tun. Wenn etwas für die Umwelt getan wird, dann nehmen die Gäste das wahr. Wichtig ist, dass wir mal damit anfangen.

Flugziele

Die AUA und andere Fluggesellschaften des Lufthansa-Konzerns nutzen ein Tool namens Compensaid, über das die CO2-Emissionen von Flügen kompensiert werden können. Konkret können Passagiere bei der Buchung angeben, dass sie entweder in Klimaschutzprojekte oder in nachhaltige Treibstoffe investieren möchten ­– die damit gekaufte Menge soll auf anderen Flügen zum Einsatz kommen. Die genaue Kompensationsleistung wird für den jeweiligen Flug berechnet und richtet sich unter anderem nach Distanz, Flugzeit und Flugzeugtyp.