Jakob Alts „Blick auf Wien" fällt auf die Triester Straße. Wie sehen wir Stadt und Landschaft heute?

Jakob Alts „Blick auf Wien" fällt auf die Triester Straße. Wie sehen wir Stadt und Landschaft heute?

© Jakob Alt

Advertorial
05/29/2021

Stadtlandschaften

Stadt und Landschaft waren früher stärker verbunden – das zeigt eine Ausstellung über Landschaftsmalerei in der Albertina in Wien.

Der Blick schweift über die Landschaft und über Wien; Stephansdom und Oberes Belvedere sind zu erkennen, im Hintergrund Kahlenberg und Leopoldsberg, im Vordergrund bewegen sich von Pferden gezogene Fuhrwerke in Richtung Stadt. Dieser „Blick auf Wien von der Spinnerin am Kreuz“ von Jakob Alt aus dem Jahr 1817 verbindet Stadtansicht und Landschaftsmalerei. Wo damals die erwähnten Pferde unterwegs waren, strömen heute Autos auf der viel befahrenen Triester Straße nach und aus Wien. Der Übergang zwischen Stadt und Land scheint noch fließender geworden zu sein: Straßen, Schienen, Wohnhäuser und Einkaufszentren verbinden urbane und rurale Räume. Wo die Stadt beginnt, wird von den meisten kaum wahrgenommen.

Und doch gilt die Stadt nicht länger als Teil der Landschaft: Die Gegensätze haben sich zumindest in unseren Köpfen verstärkt. Wer würde heute auf die Idee kommen, das Panoramabild einer Stadt als Landschaftsmalerei zu bezeichnen? Die Ausstellung „Stadt & Land“ in der Albertina in Wien hingegen zeigt, auf welche Weise Stadt und Landschaft von Künstlern früher miteinander verschränkt wurden. Das Gemeinsame war stärker – und vor allem stärker sichtbar – als heute. Das zumindest ist der Eindruck, wenn man durch fünf Jahrhunderte Landschaftsmalerei schlendert, beginnend bei den präzisen Stadtbildern von Albrecht Dürer, der Innsbruck menschenleer und mit Fokus auf die Architektur zeigt; nur im ersten Moment erscheint sein daneben ausgestelltes berühmtes „Großes Rasenstück“ als Konterpart: Es beweist vielmehr den neuen Naturalismus, der Natur, Stadt, Land und Landschaft mit einer nicht gekannten Präzision darstellt. 

Das aus dem Meer wachsende Venedig mag ein Sonderfall sein für die fließenden Grenzen zwischen Stadt und Landschaft, wie diese sich in dem gewaltigen Holzschnitt von Jacopo de’Barbari aus dem Jahr 1500 darstellen. Aber auch sonst rangieren Gebäude oder Städte eher als Teil der Landschaft, nicht als Gegensatz – etwa wenn Jan de Bisschop die holländische Weite inklusive eines Fernblicks auf Den Haag und Delft zeigt. Nicht die Differenzen zwischen Stadt und Land(schaft) treten im Laufe der Jahrhunderte verstärkt auf, sondern es ändert sich der Blick auf die Landschaft generell: Mal sind es Visionen oder romantische Idealisierungen, mal sind es realistische Darstellungen oder auch Abstraktionen. Nicht Stadt und Landschaft rücken enger zusammen oder weiter auseinander, es ändert sich die Interpretation einer Umgebung, die von Menschenhand gestaltet und geformt wird. 

Die Ausstellung „Stadt und Land. Zwischen Traum & Realität“ in der Albertina zeigt 170 Landschaftsbilder aus fünf Jahrhunderten. Die eindrucksvolle Schau beginnt bei Albrecht Dürer, der als Begründer der autonomen Landschaftsmalerei gilt, weitere Werke stammen unter anderem aus dem holländischen Goldenen Zeitalter im 17. Jahrhundert sowie von Künstlern wie Canaletto, Claude Lorrain und Caspar David Friedrich. Die Ausstellung
läuft noch bis 22. August. Öffnungszeiten: täglich 10 bis 18 Uhr. 

www.albertina.at
 

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