© Martin Staudinger

Heimat, fremde Heimat
07/13/2020

Das Plateau des Toten Gebirges: Ein Ort zum Wegsein

Die Corona-Saison 2020 beschert vielen Österreicherinnen und Österreichern einen unverhofften Heimaturlaub. Was man da so alles erleben kann – und was man besser bleiben lässt: 20 Tipps zwischen Militärbad und Kreisverkehr.

von Martin Staudinger

Das Problem mit sogenannten Geheimtipps ist: Sobald man sie verrät, sind sie keine mehr, weil dann alle hinrennen. Diese Gefahr besteht beim Toten Gebirge nicht: Der gewaltige Kalkstock liegt zwar ziemlich zentral (und nahe am geografischen Mittelpunkt der Republik) im steirisch-oberösterreichischen Grenzgebiet; sein Plateau-von dem hier die Rede sein soll-ist trotzdem schwer zu erreichen.

Um dorthin zu kommen, muss man erst einmal mindestens zwei Stunden so richtig bergauf gehen und dann, je nach Route, nochmals ein oder zwei Stunden weiter. Straßen, Seilbahnen und Lifte, die dabei helfen könnten, gibt es nicht, nur Pfade, die immer steiler werden. Und oben ist es dann vor allem eines: karstig und kahl. Kein Pflänzchen, kein Schatten, kein Wasser. Keine (oder fast keine) anderen Menschen. Kein Handyempfang. Und kein Zivilisationsgeräusch. Das Einzige, was man hört, sind die eigenen Schritte und ein gelegentliches Fauchen, wenn der Wind die Felsen glatt zu schmirgeln versucht, was ihm seit ein paar Millionen Jahren nicht gelingt. Deshalb entdeckt man dort auch heute noch Artefakte aus der Zeit, in der das Tote Gebirge kein Gebirge war, sondern Meeresgrund: Versteinerungen riesenhafter Kuhtrittmuscheln säumen den Weg. Viel weiter weg von allem kann man mitten in Österreich eigentlich nicht sein. Und was will man denn mehr in einem Jahr wie diesem?

Lesen Sie in profil 29/2020: Mitte Juli, höchste Reisezeit. Coronabedingt liegt in diesem Jahr ein Urlaub im eigenen Land nahe. Aber wohin genau? Es ist ein weites Feld, das sich da zwischen Bodensee und Zurndorf auftut. Die profil-Redaktion hat das Land erkundet und legt 20 unverbindliche Reiseempfehlungen vor. Es geht zu egalitären Badeseen und ziellosen Orten, Raststationen und Umsteigebahnhöfen. Es geht unter Wasser und auf die Landstraße. Betonmauern, urbane Gstätten und historische Schädelsammlungen werden erkundet, Badeseen von oben und unten betrachtet, Selbst-,Fremd-und Nahtoderfahrungen gemacht. In diesem Sinne: Gute Reise!