„Die Entführung des Michel Houellebecq”: Mit Lösegeld ist nicht zu rechnen

„Die Entführung des Michel Houellebecq”: Mit Lösegeld ist nicht zu rechnen

„Die Entführung des Michel Houellebecq” ist als Komödie auf der Höhe der Kunst seines Stars.

Eitelkeit wird man dem französischen Bestsellerautor Michel Houellebecq nach Ansicht dieses Films nicht mehr unterstellen können - oder allenfalls in einem sehr indirekten Sinn. Denn so heruntergekommen, wie sich der Schriftsteller in Guillaume Nicloux’ scheinbar dokumentarischer Inszenierung präsentiert, hat man nicht einmal den notorischen Provokateur und Menschenfeind in Erinnerung. Als Darsteller seiner selbst schlurft der Titelheld clochardhaft, schlecht gekleidet und frisiert, nikotinabhängig und mit drastisch reduziertem Zahnbestand durch "Die Entführung des Michel Houellebecq“.

Die Story malt aus, was hinter dem rätselhaften Verschwinden des Autors vor ein paar Jahren gesteckt haben könnte: Eine Gruppe von Amateurgangstern entführt Houellebecq aus Paris, bringt ihn in einem Bungalow am Land unter, wo er, bewacht von seinen erstaunlich freundlichen Kidnappern, unter Hausarrest gestellt wird. Als Dichterporträt besitzt diese Komödie, bei aller Absurdität, so etwas wie Tiefenschärfe. Das Drehbuch zerlegt, analog zu dem Houellebecq-Roman "Karte und Gebiet“ (2010), die öffentliche Figur Michel H. in ihre Elementarteilchen; Nicloux verzeichnet in improvisierten Debatten nicht nur auch die verqueren Ideen seines Helden, dessen Islam- und EU-Hassanfälle, sondern auch dessen Neigung zu Prostituierten. Der Protagonist macht seine Sache indes erstaunlich gut: Er gibt den desolaten Homme de lettres, der an eine Gang ratloser Bodybuilder und Kleinkrimineller gerät, betont lakonisch - ein asozialer Trinker mit Stockholm-Syndrom. Ende dieser Woche startet "Die Entführung des Michel Houellebecq“ in Österreichs Kinos, zur Premiere im Wiener Stadtkino am Freitagabend haben sich sowohl Hauptdarsteller als auch Regisseur angesagt. Es wird heiter.