Elizabeth Holmes schaffte es, Milliarden an Investment zu sammeln. Heute sitzt sie auf die Dauer von elf Jahren in Haft
Gesellschaftssport

Die Kunst des Bluffens: Jan Marsalek, Sam Bankman-Fried und Elizabeth Holmes

Täuschen, tricksen, manipulieren und verführen: Überflieger wie Elizabeth Holmes, Adam Newman oder Jan Marsalek landeten mit diesen Talenten in der obersten Etage des Erfolgs. Was treibt solche Blendungs-Zauberer an? Und warum fliegen manche dann doch auf die Schnauze?

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Wäre das ein Schundroman, könnte er mit dem Satz beginnen: „Ihre großen blauen Augen blitzten wie Schwerter, und sie war voll der Überzeugung, mit deren Kraft jede Art von Krieg gewinnen zu können.”Doch das ist keine Dreigroschen-Schnulze, sondern beinharte Realität, mehr noch: ein Lehrstück über die moralische Verkommenheit im Turbosystem Kapitalismus.
Als die spätere Studienabbrecherin Elizabeth Holmes als kleines Mädchen von ihrer Tante gefragt wurde, was sie später einmal werden möchte, antwortete sie, ohne zu zögern: „Milliardärin."-„Nicht Präsidentin?” Elizabeth schüttelte entschieden den Kopf:
„Nein, der kann mich ja dann heiraten.” Ein unerschütterliches Selbstvertrauen zeichnete die mit 32 Jahren tatsächlich erste Selfmade-Milliardärin der Welt auch noch im freien Fall aus: Im vergangenen April trat die inzwischen 39-Jährige, die knapp davor zum zweiten Mal Mutter einer Tochter geworden war, in Kalifornien eine Haftstrafe an: elf Jahre und drei Monate wegen Anlagebetrugs. Eine Gerichtszeichnerin kommentierte die Prozessauftritte jener Frau, die mit der Erfindung eines Bluttests, der Krankheiten angeblich im Eiltempo nachweisen konnte, die Medizingeschichte revolutionieren wollte, mit angeekeltem Staunen: "Es war unglaublich, in ihrem Gesicht regte sich nichts, kein Funken von Reue. Sie grüßte die Reporter freundlich und posierte mit ihrem Kind auf dem Arm, als ob sie einen PR-Auftritt zu absolvieren hatte." Zu Fall war Holmes durch Whistleblower aus ihrem eigenen Unternehmen gekommen, die das "Wall Street Journal" informiert hatten: Die angeblichen Supertests hatten nie funktioniert. Nur die Milliarden der hoffnungsvollen Kapitaleinbringer waren real. Ein Mangel an Mitleid und Mitgefühl , in dem Fall für die geschädigten Kleinanleger und Großinvestoren (Holmes hatte Geldgeber wie Henry Kissinger, den Medienmogul Rupert Murdoch und die Walmart-Dynastie an Bord),zieht sich durch viele ganz ähnliche Biografien, die von märchenhaften Aufstiegen, raffinierten Blendungsmanövern und bombastischen Bruchlandungen erzählen.


 

Angelika   Hager

Angelika Hager

leitet das Gesellschafts-Ressort