Googles Angriff auf Apple - das Pixel 2

Googles Angriff auf Apple - das Pixel 2

Mit den neuen hauseigenen Premiumgeräten steht Google jetzt in direkter Konkurrenz mit Apple, aber auch Android-Größen wie Samsung und LG werden mit dem Internetriesen um Kunden ringen.

Nachdem Apple die neue Generation der iPhones vorgestellt hat, zog Google nun nach. Im Rahmes der “Made By Google”-Präsentation stellte der Internetriese zwei neue Smartphones, Kopfhörer, die in Echtzeit Sprachen übersetzen und einen neuen Laptop vor.

Wie jedes Mal betrat Googles-CEO Sundar Pichai als erster die Bühne. Er eröffnete die Produktvorstellung mit einem Hinweis auf den schrecklichen Anschlag in Las Vegas und drückte sein Beileid aus. In der Keynote sprach er vor allem über die wichtige Rolle, die künstliche Intelligenz für Google eingenommen hat und dass die großen Innovationen nicht mehr im Hardware-, sondern im Softwarebereich zu machen sind. Nacheinander bat er dann Mitarbeiter von Google auf die Bühne, um die neuen Produkte vorzustellen.

Google stellt das Pixel 2 (XL) vor.

Das Google Pixel 2 (XL)

Android Oreo und druckempfindlicher Rahmen

Das wichtigste und am meisten erwartete Produkt von “Made By Google” war sicherlich die neue Generation des Google Smartphones, das Google Pixel 2 bzw. Pixel 2 XL. So gut wie alle Features waren schon vor dem Release des Android-Flagschiffs durch Leaks bekannt gewesen. So wird das in zwei größen erhältliche Gerät etwa mit der neuesten Android-Version “Oreo” verkauft werden. Die Displaygröße beläuft sich bei der kleineren Ausführung auf fünf Zoll, bei der größeren “XL” Version sind es sechs Zoll. Das Seiten des Bildschirms verhalten sich im Format 18:9 zueinander. Damit setzt Google mit seiner Pixel Serie auf ein höheres Format, wie etwa Samsung mit dem Galaxy S8 oder LG mit dem G6.

Beide Ausführungen des Google Pixel 2 besitzen die exakt gleiche Hardware, zumindest bis auf die Auflösung des Displays. Diese beträgt bei der kleineren Version 1080p, beim XL sind es satte 1440p.

Angetrieben wird die zweite Generation von Googles Android Smartphone vom aktuellen Snapdragon 835 (acht Kerne, 2.45 GHz ) Prozessor und ist ausgestattet mit 4 GB Arbeitsspeicher und 64 bzw. 128 GB Onboard-Speicherplatz. Klinkeneingang gibt es wie zu erwarten war zwar keinen, dafür ist Bluetooth 5.1 verbaut. Beide Geräte werden, wie es im Jahr 2017 für ein Android-Smartphone üblich ist, mit USB-C ausgestattet sein. Der Akku des kleineren Modells hat eine Kapazität von 2,700mAh, der vom Pixel 2 XL ist mit 3,520mAh deutlich größer.

Die großen Unterschiede findet man dieses Mal vor allem im Design. Das kleinere Google Pixel 2 ist äußerlich kaum vom Modell des letzten Jahres zu unterscheiden. Vergleichbar also mit dem Unterschied zwischen iPhone 7 und iPhone 8, das einen Monat zuvor von Apple vorgestellt wurde. Das Design des großen Bruders soll aber eine deutlich andere Sprache sprechen und aufgrund kleinerer Displayränder eher dem Samsung Galaxy S8 oder dem etwas kantigerem Note 8 ähneln. Ein druckempfindlicher Rahmen, der ähnlich funktioniert, wie der des HTC U11 war neben der Kamera wohl die größte Überraschung beim neuen Flagschiff von Google.

Eine Kamera, die auf künstliche Intelligenz setzt

Für Foto-Enthusiasten war schon die erste Generation des Google Pixels ein echter Geheimtipp. Mit einer Wertung von 89 Punkten von DxOMark war es die beste Smartphone-Kamera des Jahres 2016. Das Google Pixel 2 wird laut Google aber deutlich bessere Fotos liefern und besitzt mit 98 Punkten von DxOMark die nach dieser Wertung beste Kamera, die je in einem Smartphone verbaut war. Grund dafür ist vor allem die Softwareoptimierung, für die Google bekannt ist. Im Gegensatz zu den meisten anderen High-End Smartphones des Jahres 2017 besitzt das Pixel 2 nämlich keine Dual-Kamera. Features wie Portrait-Mode sollen aber durch “Machine Learning” und Künstliche Intelligenz funktionieren und sind so auch auf der Frontkamera für Selfies einsetzbar.

Wichtiger Bestandteil soll in Zukunft “Google Lens” sein, ein Programm, das automatisch Telefonnummern und Emailadressen, aber auch Kunstwerke und Gebäude auf Fotos erkennt.

Während der Präsentation wiesen die Redner außerdem auf den unlimitierten Foto-Speicherplatz mit “Google Photos” hin und machten sich über den begrenzten Platz auf Apples iCloud lustig. Das Pixel 2 wird in den USA ab 649 Dollar erhältlich sein, das XL gibt es ab 849 Dollar. Preise für Deutschland wurden nicht genannt, das Smartphone wird über Zwischenhändler aber wohl auch bald hierzulande erhältlich sein.

Offen blieb, was es mit dem "Pixel Ultra" auf sich hat, das als Kalendertermin auf dem Display des Google Pixel 2 XL eingetragen war, das für die Livedemo verwendet wurde. Der Wortlaut des Termineintrages lautete "Pixel Ultra Meeting im geheimen Konferenzraum X". Wie sich später herausstellte handelte es sich dabei aber bloß um eine im Internet aufgetauchte Falschmeldung, über die sich Google in der Präsentation auf diese Weise lustig machte.

Das Pixelbook und Google Home

Ein Google-Laptop und Konkurrenz für Amazons Alexa

Neben den neuen Smartphones stellte Google eine neues Premium-Chromebook vor. Es wird 10 mm dünn sein, nur 1 kg wiegen und von Intels Core i5 bzw. i7 angetrieben werden. Die Auflösung des 12,3 Zoll großen Displays beträgt 2560 x 1440. Als Betriebssystem kommt das hauseigene Chrome OS zum Einsatz und erstmals wird hier Google Assistant in einem Laptop integriert sein. Neben Chrome OS wird, wie schon bei anderen Chromebooks, der Playstore und damit auch Android Apps verfügbar sein.
Für weitere 99 Dollar ist optional ein ein Stylus, der Pixel Pen, erhältlich, der die Bedienung des Google Assistants durch Shortcuts erleichtert und durch schnelle Reaktionszeit und über 2000 einzelne Abstufungen bei der Druckempfindlichkeit ein besonders realistisches Handling bieten soll.

Das Line-Up des schon seit etwas längerem im Handel erhältliche Google Home Smartspeakers wurde um eine kleinere Version, den Google Home Mini und durch einen größeren, auf Musikgenuss ausgelegten Google Home Max erweitert. Preislich soll ersterer bei ungefähr 49 Dollar liegen, der große Premiumlautsprecher, der seine Einstellungen ähnlich wie Apples HomePod an die Umgebung anpasst, soll für 399 Dollar erhältlich sein. Preise für Europa wurden noch nicht genannt.


Durch Zusammenarbeit mit dem Smarthome Vorreiter NEST soll es künftig etwa möglich sein mit einem einzigen Sprachbefehl wie “Ok, Google, Gute Nacht” die Sicherheitsüberwachung zu aktivieren, den Wecker abhängig vom ersten Termin des nächsten Tages einzustellen und Beleuchtung und Thermostat zu regeln.

Google Pixel Buds und Google Clips

Kopfhörer, die in Echtzeit übersetzen und eine externe Kamera für das Pixel 2

Kopfhörer, die eine andere Sprache in Echtzeit in die eigene übersetzen und umgekehrt. Das klingt fast ein bisschen nach Science-Fiction, aber Google zeigt in einer Live-Demonstration, dass das mithilfe von “Machine Learning” schon heute möglich ist. Auf der Bühne wurden die Zuseher Zeugen eines Gespräches zwischen einer Schwedin und einem Amerikaner, das beide in ihrer Muttersprache führten und durch die Echtzeitübersetzung der Google Pixel Buds überraschend reibungslos funktionierte. Die Google Pixel Buds wird man ab November für 179 Euro in Deutschland kaufen können. Ein offizieller Marktstart für Österreich ist nicht bekannt.

Google Clips erinnert äußerlich ein wenig an eine verspielte Version der GoPro. Zweck der Kamera soll vor allem das Aufnehmen von “unvergesslichen Momenten” im Alltag mit Kindern oder Haustieren sein. Man positioniert die Kamera, und diese erkennt durch “Machine Learning” und Künstlicher Intelligenz wann etwas wichtiges passiert und nimmt eine Bilderserie auf, die dann entweder als Video oder einzelne Schnappschüsse gespeichert werden können. Hier legte Google bei der Präsentation vor allem Fokus auf Privatsphäre und versicherte, dass das alle Fotos erst nur offline gespeichert werden und das “Machine Learning” lokal stattfindet.

Weitere Neuerungen gab es für Googles Daydream VR Headset, bei Google Maps und für den Google Übersetzer. Außerdem wurde ein neu entworfenes Case in verschiedenen Designs für die Smartphones von Google vorgestellt.