Kubikov
Kubikov

© James Gritz

Gesellschaft
04/08/2017

Kubikov: "Bruschnitzka"

Eine Selbstgesprächstherapie.

von Sven Gächter

Kürzlich gönnte sich Kubikov einen TV-Abend. Das kommt sehr selten vor, weil er Fernsehen für ein zutiefst geist- und substanzloses Medium hält. Außerdem verabscheut er jede Form von Werbung - sie erinnert ihn an ein länger zurückliegendes, wenig ruhmreiches Intermezzo in einer PR-Agentur namens "Vater Morgana". An diesem Abend jedenfalls sah Kubikov eine "Tatort"-Folge, in der ein offensichtlich beziehungsgestörter Kommissar unentwegt mit einem sprachgesteuerten Smartphone kommunizierte. Kubikov war begeistert und besorgte sich auf dem Schwarzmarkt umgehend ein obskures ukrainisches Testmodell, unausgereift zwar, aber sagenhaft billig. Tatsächlich kann das Handy sprechen - in gewisser Weise zumindest: Es reagiert auf jede noch so sanfte Erschütterung, rattert und knarzt ein wenig, bis schließlich eine verstörend herbe, auf Dauer aber seltsam hypnotische Frauenstimme zu hören ist, die permanent ein einziges Wort wiederholt. Es klingt wie "Bruschnitzka". - Und was soll das heißen?, frage ich ratlos. - Kubikov zuckt mit den Schultern: Keine Ahnung. Ist mir auch vollkommen egal. Faszinierend finde ich vielmehr, wie viele Möglichkeiten es gibt, "Bruschnitzka" zu intonieren -mal fragend, mal schroff, mal geheimnisvoll und manchmal sogar ein wenig lasziv. - "Bruschnitzka", sagt das Handy durchaus trotzig. - Kubikov grinst: Ich habe eine Idee. Bruschnitzka, sagt er laut. Das Handy schweigt. Bruschnitzka!, wiederholt Kubikov, noch lauter. Das Handy rattert und knarzt. Funkstille. Wir schweigen. Nach einer halben Ewigkeit meldet sich eine herbe Frauenstimme: "Wermut?"

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