Kunstsammler Cornelius Gurlitt und seine Verbindungen zu Österreich

Kunstsammler Cornelius Gurlitt und seine Verbindungen zu Österreich

Der umstrittene Kunstsammler Cornelius Gurlitt ist tot. Er starb am Dienstag im Alter von 81 Jahren, wie sein Sprecher Stephan Holzinger der dpa bestätigte. Gurlitt, der Sohn des NS-nahen Kunsthändlers Hildebrand Gurlitt, war seit Monaten schwer krank. Bekannt wurde er durch den umfangreichen Fund einer Kunstsammlung in seiner Münchner Wohnung im Februar 2012. Doch auch Hildebrand Gurlitts Cousin, Wolfgang Gurlitt (Foto), hatte mit Raubkunst gehandelt, war nach dem Krieg in Österreich eingebürgert und vor der Enteignung bewahrt worden. Eine Spurensuche.

Als am 28. Februar 2012 deutsche Zollfahnder eine Wohnungstür in der fünften Etage eines Apartmenthauses im Münchner Nobelviertel Schwabing aufbrachen, fanden sie einen kleinen, alten Mann mit schlohweißem Haar – und mehr als 1200 Kunstwerke der klassischen Moderne, gestapelt bis an die Zimmerdecke, von denen einige als verschollen gegolten hatten. Cornelius Gurlitt, Nachkomme des Nazi-Kunsthändlers Hildebrand Gurlitt, hatte bis dahin eingesponnen in einer Welt aus Farben, Formen und Linien gelebt, wohl wissend, dass ein Teil seines Erbes einst in Salons jüdischer Familien gehangen oder als „entartete Kunst“ gehandelt worden war.

Die rechtlich strittige Beschlagnahme seiner Bilder wurde vergangene Woche aufgehoben, nachdem sich Cornelius Gurlitt verpflichtet hatte, die Herkunft verdächtiger Bilder klären zu lassen und Werke notfalls zurückzugeben. Der alte Mann müsste das nicht tun. Es gibt kein Gesetz, weder in Deutschland noch in Österreich, das einen privaten Sammler dazu zwingt, den NS-Beutezug seiner Vorfahren zu sühnen.

Es ist davon auszugehen, dass auch hierzulande in zahlreichen Wohnzimmern Bilder hängen, die einst auf sogenannten „Judenauktionen“ zum Schleuderpreis ersteigert wurden. In ihnen ist die versunkene jüdische Welt noch erhalten, das Porträt der Hausherrin, einst gemalt vom angesagten Künstler ihrer Zeit. Die Bilder sind unter uns. Aber nicht in den Familien, denen sie einst gehörten.

Der „österreichische“ Gurlitt
Das zeigt auch der „österreichische“ Gurlitt, Wolfgang Gurlitt, Cousin von Hildebrand; auch er ein kunstsinniger und gewiefter Händler, der 1946 rasch die österreichische Staatsbürgerschaft erwarb, um einer allfälligen Beschlagnahme seiner Kunstwerke zu entgehen. Dessen Bildersammlung war einst die Grundlage der Linzer Galerie, und sie stellt das Lentos, wie das Museum heute heißt, immer wieder vor das peinliche Problem, dass es möglicherweise Raubkunst in seinen modernen Hallen hat.

Wolfgang Gurlitt, geboren am 15. Februar 1888 in Berlin, entstammte wie sein jüngerer Vetter Hildebrand Gurlitt einer Künstlerfamilie. Seit der Gründerzeit haben die Gurlitts Komponisten, Architekten, Dirigenten und Kunsthändler hervorgebracht. Ihr Großvater Luis war ein Landschaftsmaler der Spätromantik, in dritter Ehe mit einer Jüdin verheiratet, was den beiden Gurlitts in der NS-Zeit das Verdikt eines „Vierteljuden“ und besondere Beobachtung durch die Gestapo einbrachte.

Wolfgangs Vater war in Berlin kaiserlicher Hofkunsthändler und Verleger gewesen, doch früh gestorben. Selbst noch blutjung, übernahm Wolfgang Gurlitt 1918 die Geschäfte. Seine Galerie war bald ein Treffpunkt der jungen Wilden um Oskar Kokoschka und Alfred Kubin. Gurlitt und seine kunstbegeisterte Freundin, Lilly Agoston, eine moderne Frau, die gern Anzüge und Schirmmützen trug, wurden von Kokoschka gezeichnet. Auch Lovis Corinth porträtierte den eitlen Galeristen mit Hang zum orientalischen Prunk, der trotz feiner Nase für das Kommende immer wieder in Geldnot geriet, sich durchschwindelte und Gläubiger um ihr Geld prellte.

Die Machtübernahme Adolf Hitlers 1933 in Deutschland war auch für den Kunsthandel eine Zeitenwende. Die großen jüdischen Galeristen versuchten schnell zu verkaufen, um außer Landes und in Sicherheit zu kommen. Die Weitsichtigen emigrierten 1933, andere erst in letzter Sekunde, als Juden schon vollkommen entrechtet waren. Manche schafften es gar nicht mehr. Wie Ida Baer, deren Sohn noch 1939 nach England entkam. Sie selbst aber wurde nach Theresienstadt deportiert und 1942 ermordet. Die Familie Baer besaß unter anderem ein Gemälde von Lovis Corinth, „Othello“, ein kraftvolles Porträt eines schwarzen Hafenarbeiters. Irgendwann in dieser Zeit wanderte der wertvolle „Othello“ in Gurlitts Besitz, der ihn 1953 an die „Neue Galerie“, den Vorläufer des Linzer Lentos-Museums, verkaufte. Das Lentos ist jetzt mit einer Rückgabeforderung konfrontiert.

Gurlitt soll mit den Baers befreundet gewesen sein. Hatte er ihre Notlage ausgenützt?

In einem anderen Fall hatte sich Gurlitt jedenfalls schäbig verhalten. Im Jahr 1950 erreichte ihn ein Brief aus Israel. Fritz Loewenthal erinnerte Gurlitt daran, dass dieser einst für einen Pappenstiel die Kunstsammlung seines Schwiegervaters, der vor der Deportation stand, übernommen hatte. Mit dem Versprechen, die Werke nach dem Krieg wieder zurückzugeben oder nach ihrem Wert zu bezahlen. Davon wollte Gurlitt nun nichts mehr wissen. „Auch unser gesamter Besitz (…) ging restlos zu Grunde“, schrieb er zurück (siehe Faksimile). Als Loewenthal dann eines der Gemälde, die seinem Vater gehört hatten, im Katalog der Linzer Galerie entdeckte, behauptete Gurlitt, er habe es damals aus „Hilfsbereitschaft“ gekauft. Die Stadt Linz erwarb es 1956 von Gurlitt und gab es nach der öffentlichen Debatte um Raubkunst im Jahr 1999 endlich an die Erben zurück.
Unkonventionell und zum geschäftlichen Vorteil hatte Gurlitt auch sein Privatleben ausgerichtet. Mit seiner geschiedenen ersten Frau führte er die Galerie, mit der zweiten einen gemeinsamen Haushalt und mit seiner langjährigen Geliebten Agoston, einer ungarischen Jüdin, der er in der Nazi-Zeit einen dänischen Ehemann und so einen halbwegs sicheren Status als Ausländerin verschafft hatte, den Kunsthandel. Als Gurlitt 1941 wegen Steuerschulden in Konkurs ging und nicht einmal die Fürsprache von NS-Beamten ihm die Steuerlast hatte erleichtern können, ließ er alle Einkünfte an seine erste Frau überweisen. Den Handel mit sogenannter „entarteter Kunst“ ins Ausland, ließ er oft über Agoston, verheiratete Christiansen, abwickeln, die unter der Hand gelegentlich Bilder für sich selbst oder für Gurlitt erwarb.

Handel mit „entarteter Kunst“
Im Oktober 1943 durfte sich Wolfgang Gurlitt mit höchster Genehmigung im besetzten Elsass nach Beutekunst umsehen. Da hatte es sein um sieben Jahre jüngerer Vetter, Hildebrand Gurlitt, dessen Kunstschätze jetzt im Schwabinger Apartment und im Salzburger Haus seines verschrobenen Sohnes gefunden wurden, schon zum NS-Einkäufer für Beutekunst in Frankreich gebracht.

Auch Hildebrand Gurlitt hatte sich vor dem Krieg als Museumsdirektor in Zwickau einen Ruf als Experte der klassischen Moderne erworben, war deshalb von Nazi-Banden angepöbelt und entlassen worden. Er machte einen Kunsthandel auf und avancierte im NS-Regime zu einem der konzessionierten Haupthändler, die „entartete Kunst“ ins Ausland verkaufen durften und dem NS-Regime Devisen einbrachten. 1937 waren auf persönlichen Befehl von Adolf Hitler rund 20.000 Werke aus deutschen Museen als „entartet“ beschlagnahmt worden, darunter auch deutsche Expressionisten wie Emil Nolde, der eine Zeitlang sogar glühender Parteigänger der Nazis gewesen war.

Beide Gurlitts handelten in diesen Jahren mit „entarteter Kunst“, Raubkunst und Beutekunst, streiften bei jeder Transaktion bis zu 25 Prozent an Provision ein und steigerten bei sogenannten „Judenauktionen“ mit. Sie suchten auch konventionelle Kunst für das geplante „Führermuseum“ in Linz. Hildebrand mit weitaus größeren Aufträgen als Wolfgang. Ob sich die Cousins bei ihren Geschäften absprachen, den Markt aufteilten, Tipps gaben, ob sie einander nach dem Krieg bei der Verschleierung der Herkunft mancher Bilder behilflich waren, ist Anlass für Spekulationen.
Die mit dem Fund in München vertraute Provenienzforscherin Meike Hoffmann stellte im vergangenen November eine „eingehendere Untersuchung zu Hildebrand Gurlitt und dessen Cousin Wolfgang Gurlitt (…) und die kompliziert miteinander verknüpften Netzwerke“ in Aussicht. Bei Cornelius Gurlitt wurden immerhin auch Geschäftsbücher beschlagnahmt, die darüber Aufschluss geben könnten. Die zurückgezogen in München lebende Tochter des „österreichischen“ Gurlitt, Maria, stellte in einem Leserbrief Ende des Vorjahrs eine Zusammenarbeit der beiden allerdings energisch in Abrede: „Mein Vater empfand Hildebrand Gurlitt als unerfreulichen Nazi-Sympathisanten, er mochte ihn nicht.“

Im Frühjahr 1945 waren die Gurlitts, Hildebrand Gurlitt mit Frau, Tochter und dem damals zwölfjährigen Cornelius, sowie Wolfgang Gurlitt im oberfränkischen Aschbach wieder aufgetaucht. Hildebrand Gurlitt hatte dort im Schloss eines Nazi-Barons große Teile seiner Kunstsammlung in Sicherheit gebracht. Der Cousin möglicherweise auch. Eine amerikanische Sondereinheit des OSS, die auf gestohlenes Kunstgut spezialisiert war, beschlagnahmte das Depot und stellte beide Gurlitts unter Hausarrest. Verhöre über die Herkunft der Bilder brachten kaum Licht ins Dunkel. Alle Unterlagen waren angeblich verschütt gegangen. Auch Agoston wurde befragt. Nach Akten des OSS war sie in Paris gemeldet.

„Sonderauftrag Linz“
In Wirklichkeit lebte Agoston seit 1940 in Bad Aussee. Wolfgang Gurlitt hatte eine Villa gekauft und war mit all seinen Frauen, seinen beiden Töchtern und seiner Kunstsammlung dorthin gezogen. 1943 hatte er sich von Hitlers Mann für den „Sonderauftrag Linz“, Hermann Voss, bestätigen lassen, seine Villa auf dem Lenauhügel in Bad Aussee sei zwecks „Sicherstellung von wertvollen Kunstwerken eine Angelegenheit des öffentlichen kulturellen Interesses“. Ein Besucher beschrieb das Leben auf dem Lenauhügel später als beeindruckende großbürgerliche Welt: „Die Villa war bestückt mit feinem Mobiliar und es war dort immer eine Reihe von Leuten. Und dann die Frauen, das war ja verwirrend: Es lebte dort Gurlitts Ex-Frau, seine Frau und er hatte auch noch eine Geliebte, seine jüdische Lebensgefährtin, Lilly Agoston.“

Dem Ausseer Land kam im Nationalsozialismus eine besondere Rolle zu. NS-Funktionäre ritterten um enteignete jüdische Villen samt ihren Kunstschätzen, es war ein Rückzugsgebiet für Kunst- und Kulturexperten aus dem sogenannten Altreich, die auch vom geplanten Linzer „Führermuseum“ angezogen wurden, ab 1943 wurden im Salzstollen gigantische Bestände von Hitlers „Sonderauftrag“ eingelagert.
Auch in Bad Aussee sah sich Gurlitt nach Raubkunst um. 1942 hatte der NS-Kulturbeauftragte des Gaus Oberdonau, Justus Schmidt, ein Bekannter Gurlitts, von der Existenz eines Klimt-Frauengemäldes in Gurlitts Nachbarschaft gehört. „Wie Sie wissen, besaß Frau Munk unter anderem ein wertvolles Damenporträt von Gustav Klimt“, teilte er brieflich mit. Es handelte sich dabei um ein posthumes Porträt von Ria Munk, der Tochter der Industriellenfamilie Munk, die sich aus Liebeskummer das Leben genommen hatte. Die Mutter und die jüngere Schwester wurden 1941 nach Lodz deportiert. Nur das Gemälde überdauerte. Nach dem Krieg bot Gurlitt es als „Klimtgemälde“ der Stadt Linz als Leihgabe an.

Gurlitt hatte 1946 seine Kunstsammlung in die Waagschale geworfen, um für sich, seine geschiedenen Frauen und seine beiden Töchter die österreichische Staatsbürgerschaft zu erhalten, und er stieß auf offene Ohren. Schon im Oktober 1945 hatte sich eine hochrangige politische Runde aus allen Parteien und Lagern – NS-Beamte, die umstandslos in die neuen Zeiten gewechselt waren – damit befasst, wie man „aufgrund der Bodenzugehörigkeit“ die gesamte Kunst, die sich im Raum Linz und im Salzkammergut befand, erhalten könne. Die Werke seien ja eigentlich für das „Führermuseum“ vorgesehen gewesen, so die Begründung. Später hatte die Stadt Linz sogar die Chuzpe, auf der Grundlage von Hitlers Testament – darin schrieb Hitler, er habe seine Gemälde allein für das Museum in seiner Heimatstadt gesammelt – die geplünderten Kunstwerke aus dem sogenannten „Sonderauftrag“ zu beanspruchen. Man wollte „aus der Konkursmasse des Dritten Reiches den einen oder anderen Happen erhaschen“, wie der Direktor des oberösterreichischen Landesmuseums, Wilhelm Freh ganz offen sagte.

In Linz herrschte 1945 Aufbruchsstimmung. Die Stadt war durch die Industrialisierung in der NS-Zeit gewaltig aufgewertet worden, und die US-Marshallplanhilfe bescherte dem Raum das höchste Pro-Kopf-Einkommen in Österreich. Der Linzer Bürgermeister Ernst Koref, ein Sozialdemokrat, der unter den Nazis inhaftiert gewesen war, wollte mit einer eigenen Kunstgalerie aus Gurlitts Sammlung glänzen. Über heftige politische Interventionen waren die Gurlitts im Dezember 1946 tatsächlich österreichische Staatsbürger geworden (siehe Faksimile). Doch die Hintergründe seiner Sammlung hielt Gurlitt im Dunkeln. Laut Leihvertrag hatte er „verschiedene Gemälde, Zeichnungen, Grafiken aus dem Besitz seiner Familie und seines Freundeskreises der Stadt Linz überlassen“. Keiner wusste, wer die angeblichen Freunde waren.

Gurlitt trat anmaßend auf: „Sie könnten Furtwängler nach Linz bekommen: Würden Sie ihm da nicht alle leitenden Stellen auf dem Gebiete der Musik anbieten?“, schrieb er in krasser Selbstüberschätzung an das Bürgermeisteramt. Das war, nachdem er den Posten des Direktors der neuen Kunstschule nicht bekommen hatte.

Echte Gefahr dräute seiner Sammlung in Gestalt des Gesetzes zur Beschlagnahme deutschen Eigentums. Alle Gurlitts waren während des Krieges deutsche Staatsbürger gewesen. Nach dem Buchstaben des Gesetzes hätten die Bilder und die Villa in Bad Aussee beschlagnahmt werden müssen. Dieser Ansicht waren jedenfalls die Beamten des Finanzministeriums. Wieder setzte ein politischer Interventionszirkus ein. Auch vorsichtige Beamte gaben nun zu bedenken, eine Beschlagnahme sei „von besonders delikater Natur, da keineswegs feststeht, um wie viele Bilder es sich handelt und ob diese Bilder nicht alten Familienbesitz darstellen, der mit den politischen Ereignissen der letzten Jahre überhaupt nichts zu tun hat“. Am Ende sprach der oberösterreichische Landeshauptmann Heinrich Gleissner ein Machtwort: Eine Beschlagnahme wäre für Gurlitt, den eben erst bestellten Leiter der Neuen Galerie Linz, eine zu tiefe „Kränkung“.

1953 kaufte die Stadt Linz die Gurlitt-Sammlung, obwohl sich im Vorfeld der Verhandlungen erste NS-Schatten am Horizont zeigten. Überlebende Holocaust-Opfer fragten bei der Kultusgemeinde in Linz nach ihren früheren Besitztümern, die sie in einem Katalog der Linzer Galerie entdeckt hatten. Der Linzer Magistratsdirektor wusste offenbar Bescheid und warnte etwa: „Klimt jüdischer Besitz! Vorbehalt bis Klärung!“ Drei Mal lehnte die Stadt den Kauf des „Ria Munk-Porträts“ von Klimt ab, 1956 erwarb sie es. Wohl nicht zufällig zu jenem Zeitpunkt, als die Fristen des Rückstellungsgesetzes abgelaufen waren und keine Ansprüche mehr gestellt werden konnten. Erst 2009 wurde der Klimt an die Erben der ermordeten Aranka Munk zurückgegeben.

Im Jahr 1950, nach dem Tod seiner Lebensgefährtin, eröffnete Wolfgang Gurlitt in München wieder eine Kunsthandlung. 1956 wurde er als Leiter der Linzer Galerie abgesetzt. Nicht, weil er mit Raubkunst Geschäfte gemacht und darüber geschwiegen hatte, sondern wegen eines peinlichen Auftritts in einer kommerziellen Zigarettenwerbung. Der Nachruhm, dass „diese Stadt weitblickend einen Mann für sich gewinnen (konnte), dessen Name schon seit Generationen im Kunstleben Deutschlands eine Rolle spielte“ – so eine Laudatio zu Gurlitts 65. Geburtstag – blieb bestehen. Gurlitts Geschäfte wurden jahrzehntelang allein unter dem Aspekt gesehen, dass ein der modernen Kunst zugeneigter Kunsthändler die von den Nationalsozialisten als „entartet“ verhöhnte Kunst vor der Zerstörung gerettet habe.

Für die Provenienzforscher, die sich immer noch an der Gurlitt-Sammlung abarbeiten, ist die Herkunft mancher Bilder schwierig zu klären. Gurlitt hatte alle Unterlagen nach seinem erzwungenen Rücktritt nach München überführt. In den vergangenen Jahren musste das Lentos zehn Gemälde an ihre früheren Besitzer zurückgeben. Sechs der Gemälde hat es von den rechtmäßigen Erben als Leihgabe wieder bekommen.
Über den „Othello“ wird demnächst entschieden.

Literatur
Walter Schuster: Die „Sammlung Gurlitt“ der Neuen Galerie der Stadt Linz, unveröffentlichte Dokumentation des Archivs der Stadt Linz, 1999.
Michael John: „Die ,Connection‘ Bad Aussee–Berlin–Linz: Kunsthandel mit Folgen“ (in: Eva Blimlinger, Monika Mayer (Hg.): Kunst sammeln, Kunst handeln; Böhlau-Verlag, 2012).
Vanessa-Maria Voigt: Kunsthändler und Sammler der Moderne im Nationalsozialismus. Dietrich Reimer Verlag, 2007.
Elisabeth Nowak-Thaller, Nina Hirsch: Oskar Kokoschka. Ein Vagabund in Linz. Herausgegeben vom Linzer Kunstmuseum Lentos. Bibliothek der Provinz, 2008.

Erschienenen am 15. April in profil 15/2014