Regeneration nach einem Schädel-Hirn-Trauma

Michael Schumacher: Ex-Formel-1-Chefarzt vermutet Fehler bei Erstversorgung

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"Es gilt immer noch, was ich in meinem letzten Statement gesagt habe: Wir sind und bleiben zuversichtlich, dass Michael da durchgehen und aufwachen wird. Wir kämpfen um ihn gemeinsam mit dem Ärzteteam, dem wir vertrauen", sagte Kehm der "Bild".

Kritik von Ex-Formel-1-Chefarzt
Der ehemalige Formel-1-Chefarzt Gary Hartstein hatte zuvor in seinem Blog behauptet, aus "normalerweise einwandfreien Quellen" von Fehlern bei Schumachers Erstversorgung erfahren zu haben.

Am Abend relativierte Hartstein allerdings seine Behauptung. Unter der Überschrift "Ich hätte es wissen müssen", präzisierte der 58-Jährige seine Aussagen. Es sei ihm in seinem Beitrag nicht um Kollegenschelte gegangen, sondern um die generelle Erstversorgung bei schweren Kopfverletzungen. "Ein System, das den Transport von am Kopf verletzten Patienten in Krankenhäuser, die nicht auf neurochirurgische Eingriffe vorbereitet sind, vorsieht, verdient Kritik."

Schumacher war nach seinem Sturz im Skigebiet von Meribel zunächst in ein Krankenhaus ins nahe gelegene Moutiers gebracht worden. Von da aus erfolgte kurze Zeit später der Transport nach Grenoble. Die dortige Uniklinik gehört zu den besten Krankenhäusern in Frankreich und ist auf die Behandlung von Patienten mit Kopfverletzungen spezialisiert.

"Anzeichen, die uns Mut machen"
Schumacher hatte sich Ende Dezember bei einem Sturz beim Skifahren im französischem Meribel schwerste Kopfverletzungen zugezogen und liegt seither im Koma. "Es war von Anfang an klar, dass dies ein langer und schwerer Kampf sein wird", schrieb Schumachers Beraterin vergangene Woche in einem Statement. Die Dauer spiele keine Rolle.

Regeneration nach einem Schädel-Hirn-Trauma
Mehr als 20.000 Österreicher erleiden jedes Jahr Kopfverletzungen, viele davon auch gravierende Läsionen mit höchst ungewisser Prognose wie nun Michael Schumacher. Auffallend oft beweist das Gehirn jedoch eine verblüffende Fähigkeit zum Neustart.

„Schwer zu begreifen”
Die Folgen des Unfalls seien für Schumachers Vertraute immer noch schwer zu begreifen, "auch weil es eine so banale Situation war, in der Michael verunglückte, nachdem er zuvor so viele brenzlige Situationen überstanden hatte". Kehm dankte im Namen der Familie erneut für die große Anteilnahme am Schicksal des 45-Jährigen.

Staatsanwaltschaft: "Kein Fremdverschulden"
Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zum Skiunfall von Schumacher sind mittlerweile eingestellt worden. Es gebe keine Hinweise auf ein Fremdverschulden, teilte die zuständige französische Staatsanwaltschaft mit. Die Ausschilderung und Markierung der Piste seien "den französischen Vorschriften entsprechend" gewesen, erklärte Staatsanwalt Patrick Quincy. Der Felsen, über den Michael Schumacher zunächst stürzte, und der zweite Felsen, auf den er mit dem Kopf aufschlug, lagen laut der Staatsanwaltschaft in Albertville 10,40 Meter auseinander. Diese Felsen seien wiederum 4,50 Meter vom Pistenrand entfernt.

Bereits Anfang Jänner hatte die französischen Ermittler nach vorläufigen Erkenntnissen mitgeteilt, dass Schumacher selbst wohl nicht zu schnell gefahren sei und "absichtlich" die markierte Piste verlassen habe. Auch die geliehenen Skier von Schumacher seien "in perfektem Zustand" gewesen.

Die Staatsanwaltschaft erklärte in ihrem Statement weiters, dass Schumacher mit seinen Ski so unglücklich auf einen Felsen traf, dass er exakt 10,40 Meter durch die Luft und über den Tiefschnee geschleudert wurde. Denn erst nach dieser Entfernung schlug der 45-Jährige mit dem Kopf auf einem anderen Felsen auf, an dem sein Skihelm in mehrere Teile zerbrach.

Der Wintersportort Méribel in den französischen Alpen


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Der Deutsche Ex-Rennfahrer hatte sich am 29. Dezember beim Skifahren in Meribel schwere Kopfverletzungen zugezogen, wurde bisher zweimal operiert und liegt seitdem im Krankenhaus in Grenoble im künstlichen Koma.

Schumacher wird in einem Krankenhaus in Grenoble, Frankreich, behandelt


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Steckbrief:

Michael Schumacher
Geb.: 3. Jänner 1969, Deutschland
Geburtsort: Hürth-Hermühlheim; aufgewachsen in Kerpen
Wohnort: Gland (Schweiz)
Familienstand: verheiratet mit Corinna seit 1. August 1995
Kinder: Gina Maria (16), Mick (14)
Bruder: Ralf Schumacher (38/ebenfalls früherer Formel-1-Pilot)

Größte Erfolge:
* Siebenfacher Formel-1-Weltmeister (1994, 1995 und 2000 bis 2004)
* 91 Grand-Prix-Siege (zuletzt 2006)

Erster GP: 25. August 1991 GP von Belgien
Letzter GP: 25. November 2012 GP von Brasilien
Erster GP-Sieg: 30. August 1992 GP von Belgien
Letzter GP-Sieg: 1. Oktober 2006 GP von China
GP-Starts: 307
GP-Siege: 91
GP-Podestplätze: 155
Pole Positions: 68
Teams: 1991 Jordan, Benetton
1992 bis 1995 Benetton
1996 bis 2006 Ferrari
2010 bis 2012 Mercedes

Wichtigste Rekorde: Meiste WM-Titel (7), meiste GP-Siege (91),
meiste Pole Positions (68), meiste Podestplätze (155)

(Red)

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