profil-Morgenpost: „Alles nette Leute”

US-Präsident Trump

US-Präsident Trump

Guten Morgen!

Angelika Hager

Angelika Hager

Am 7. Oktober 1996, also vor exakt 23 Jahren, ging das erste Mal Rupert Murdochs „Fox News Channel” auf Sendung, mit heutigem Stand der Dinge, die Wiege von „fake news” und „message control”, und bis heute einer der meist gesehene Nachrichtensender der USA.

Das Premium-Produkt des zutiefst konservativen Senders Fox News und der manipulativen Kraft von dessen langjährigem Senderchef Roger Ailes war die Präsidentschaft Donald Trumps, der „mit der Angriffslust eines blutrünstigen Hais und der Attitüde eines polternden Clowns” die Politarena betrat. So beschreibt das Russell Crowe im Part von Ailes in der fantastischen Showtime-Serie „The Loudest Voice” (zur Zeit auf Sky), nach deren Konsum man mit heutigem Wissenstand überzeugt ist: Wahrscheinlich lief und läuft alles noch viel drastischer als dort gezeigt.

Dieser Tage werden sich James und Lachlan Murdoch vermehrt ihre 600-Dollar-Frisuren raufen, denn der medienmoralisch vertretbare Umgang mit der Fox News-Politerfindung Donald Trump und dessen drohendem Impeachment-Verfahren wird für Rupert Murdochs Erben eine heikle Gratwanderung - abgesehen davon, dass die mögliche Amtsenthebung Trumps diese Woche die Welt wie kein anderes Thema beschäftigen wird.

Martin Staudinger und Robert Treichler untersuchen in der aktuellen Ausgabe die möglichen Konsequenzen und politische Kosten eines solchen Verfahrens in ihrem „reality check” und ihrer alle Facetten abdeckende Geschichte „Er muss jetzt mal weg ...oder doch nicht?”

Dass nicht nur die Ukraine, China, Australien und Großbritannien in dem mafiösen Politthriller einen Part spielen, sondern in einer Nebenrolle auch Österreich, im Form von Alfred Gusenbauer, zum Zug kommt, legt Michael Nikbakhsh offen.

Dass Trump keine Berührungsängste mit mafiösen Verhalten hat, ließ er übrigens schon 2013 als Gast in der David-Letterman-Show wissen, wo er über die Mafia befragt, antwortete: „Das sind alles nette Leute....solange du ihnen kein Geld schuldest.”

Kommenden Donnerstag werden um exakt 13 Uhr MEZ die Träger des Literaturnobelpreises (diesmal im Doppelpack) bekannt gegeben. Dass es auch in hehren Literaturinstutionen wie dem Nobelpreis-Kommittee zugeht wie im Weißen Haus oder bei Fox News (Roger Ailes und Starmoderator Bill Reilly waren prominente #metoo-Täter), beschreibt Wolfgang Paterno ausführlich und mit nahezu literarischer Verve in seiner Geschichte: „Hier treffen sich geretteter Anachronismus und große Show mit überschaubarem Effekt, inszeniert von einer Institution, die in einer Schlammschlacht unterzugehen drohte – der Literaturnobelpreis als Pulp-Fiction-Erzählstoff.”

Erhebende Schlammschlacht-Lektüre wünscht
Angelika Hager