Österreich hinkt bei der Integration für Schüler mit Down-Syndrome nach.
Österreich hinkt bei der Integration für Schüler mit Down-Syndrome nach.

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Bildungslücken
04/03/2019

Österreichs fragwürdiger Umgang mit Menschen mit Behinderung

Österreich hat sich vor mehr als zehn Jahren verpflichtet, Menschen mit Behinderungen uneingeschränkten Zugang zum Bildungssystem zu ermöglichen. Es ist beim Vorsatz geblieben.

von Sebastian Hofer

Lesen Sie Sebastian Hofers Reportage über Emil, einen Teenager mit Down-Syndrom, in der aktuellen profil-Printausgabe.

Es war ein nationaler Feiertag vor zehneinhalb Jahren: Am 26. Oktober 2008 trat die UN-Konvention für die Rechte von Menschen mit Behinderung auch in Österreich verbindlich in Kraft. Im Bildungsbereich hinkt die Umsetzung den Vorgaben beträchtlich nach. Laut Artikel 24 der Konvention „gewährleisten die Vertragsstaaten ein inklusives Bildungssystem auf allen Ebenen und lebenslanges Lernen“. Weiters „stellen die Vertragsstaaten sicher, dass Menschen mit Behinderungen nicht aufgrund von Behinderung vom allgemeinen Bildungssystem ausgeschlossen werden und dass Kinder mit Behinderung nicht aufgrund von Behinderung (…) vom Besuch weiterführender Schulen ausgeschlossen werden“.

Ende der Pflichtschule als Ende der Integration

Dazu einige Zahlen: Im Schuljahr 2015/2016 besuchten laut einem Rechnungshofbericht 30.690 Kinder mit kognitiven, körperlichen oder Sinnesbehinderungen eine allgemeinbildende Pflichtschule. Rund zwei Drittel von ihnen nahmen am Unterricht im Rahmen einer Integrationsklasse teil, ein Drittel besuchte eine Sonderschule. Mit dem Ende der Pflichtschule ist Integration allerdings überhaupt kein Thema mehr. Gesetzlich ist sie nicht vorgesehen und findet, wenn überhaupt, im Rahmen von Schulversuchen statt. Im Berichtszeitraum besuchten genau 442 Schülerinnen und Schüler mit Behinderung eine AHS oder BMHS.

Inklusion bedeutet im Bildungsbereich, dass Menschen mit und ohne Behinderungen gemeinsam lernen und dabei nicht in je eigene Lerngruppen eingeteilt werden.

Der Rechnungshof versteht dies so, „dass sich Schülerinnen und Schüler nicht in ein starres System zu integrieren haben, sondern dass die Strukturen zugunsten der Förderung des Individuums aufzulösen sind.“ Zur aktuellen Lage in den heimischen Schulen erkannte der RH, vorsichtig formuliert, „ein Spannungsfeld“ und „kritisierte, dass sich das Ministerium in seiner Richtlinie zur Entwicklung von inklusiven Modellregionen lediglich auf die allgemein bildenden Pflichtschulen beschränkte.“