Queen Elizabeth II: Was Sie schon immer über sie wissen wollten

Was Sie schon immer über Queen Elizabeth II wissen wollten – und noch ein bisschen mehr: Schwitzt die Königin? Was schleppt sie in ihrer Handtasche mit sich herum? Und woher kommen diese seltsamen Hunde?

Von Sebastian Hofer und Tessa Szyszkowitz / London

Wie heißt die Queen?
Taufname: Elizabeth Alexandra Mary Windsor
Voller Titel: Her Most Excellent Majesty Elizabeth the Second, by the Grace of God of the United Kingdom of Great Britain and Northern Ireland and of Her Other Realms and Territories Queen, Head of the Commonwealth, Defender of the Faith
Kosenamen (familienintern): Lillibet, Sausage (wird nur von Prinz Philip verwendet)

Wie groß ist sie?

Klein. In Metern: 1,60.

Ist sie die dienstälteste Monarchin der Welt?

Nein, diesen Rang hat immer noch Thailands König Bhumibol, 84, inne, der schon im Juni 1946 seinen Thron bestieg. In der britischen Königsgeschichte liegt Elizabeth aber nur noch knapp hinter der Rekordhalterin Queen Victoria, die von 1837 bis 1901, fast 64 Jahre lang, regierte.

Wie viele Briten können sich noch an die Zeit vor Elizabeth II. erinnern?

Gut zehn Millionen Briten sind über 65 Jahre alt, haben also zumindest potenziell eine Ahnung von der präelisabethanischen Ära. Die übrigen 50 Millionen kennen nur die Ära der Königin.

Stimmt es, dass die Queen auf einem Baum zur Queen wurde?

Stimmt. Genauer: auf einem Feigenbaum. Die Nacht vom 5. auf den 6. Februar 1952 verbrachte die 25-jährige Prinzessin Elizabeth mit ihrem Gatten Philip in einem Baumhaus. Die beiden waren unterwegs zu einer Commonwealth-Tour nach Australien und Neuseeland und übernachteten in der Treetops Lodge im Aberdare-Nationalpark, Kenia. Erst am nächsten Nachmittag erreichte sie über einen Redakteur des „East African Standard“ die Nachricht, dass Elizabeths Vater George VI. in der Nacht einem Herzversagen erlegen war. Mit dem Tod des Königs ging sein Amt automatisch auf die Tochter über: Elizabeth war als Prinzessin auf einen Baum und als Königin wieder heruntergestiegen.

Was hat sich seit ihrer Krönung am 2. Juni 1953 verändert?

Die ganze Welt natürlich. Ein paar Beispiele: In ganz Großbritannien gab es 1952 nur rund 36.000 Immigranten, die meisten von ihnen aus der Karibik. Ein Drittel der Bevölkerung gab bei Umfragen an, dass die Königin von Gott auserwählt sei. Der Lord Chamberlain (Vorstand des königlichen Haushalts) war unter vielem anderen auch für die Theaterzensur zuständig (seit 1968 ist er das nicht mehr). Geschiedene durften nicht auf die royale Tribüne bei den Pferderennen von Ascot. Es gab nur einen TV-Sender (wobei die Übertragung von Elizabeths Krönungszeremonie in Großbritannien als Beginn der Fernsehära angesehen wird).

Die wievielte britische Königin ist sie?

Genau genommen ist sie die 63. Monarchin der britischen Linie, die bei Egbert von Wessex beginnt, der England 827 unter seiner Herrschaft vereinte. Nach offizieller Rechnung wird sie aber als 40. Regentin seit William dem Eroberer (1066) geführt – und als sechste Frau auf dem Thron.

Aber ist sie wirklich die Königin von Großbritannien?

Nicht, wenn es nach den schottischen Jakobiten geht, die den Übergang der Krone von den Stuarts auf das Haus Hannover anno 1688 bis heute für illegitim halten. Für sie heißt der eigentliche Thronprätendent deshalb Franz von Bayern (beziehungsweise: King Frances II.). Der 78-jährige Münchner erhebt allerdings keine Ansprüche auf den britischen Thron. Dafür kann Elizabeth II. eine andere spektakuläre Verwandtschaftsbeziehung vorweisen: Sie soll die nächste noch lebende Verwandte von George Washington sein, genauer: eine Cousine des ersten US-Präsidenten in sechster Generation und zweiten Grades.

Warum hat die Queen zweimal Geburtstag?

Geboren wurde Elizabeth zweifellos am 21. April 1926 (per Kaiserschnitt). Gefeiert wird trotzdem jedes Jahr im Juni. Die erste Juniwoche in London ist, statistisch gesehen, die trockenste im Jahr. Und die Queen will schließlich nicht, dass die Park-Picknicks anlässlich ihres Geburtstags ins Wasser fallen. Aus demselben Grund feiert sie auch ihr diamantenes Thronjubiläum erst am langen Wochenende vom 2. bis 5. Juni 2012.

Ist die Queen nur ein Phantom?

Nach strikt orthodoxer Auslegung haben Monarchen zwei Körper, nämlich, laut dem Konzil von Toledo von 653, einen irdischen und einen übernatürlichen. Letzterer ist sozusagen der gottesgnadenhafte Amtskörper der Queen oder, moderner gesprochen, seine juristisch-verfassungsrechtliche Person.

Schwitzt sie aus diesem Grund so wenig?

Nein, es handelt sich um eine ganz normale körperliche Eigenart, die laut Pamela Mountbatten, einer Cousine Prinz Philips und ehemaligen Hofdame Elizabeths, leider nicht nur Vorteile hat: „Es gibt Leute, deren Haut Wasser absondert. Ihre nicht. Sie sagt, dass das die Hitze noch viel unerträglicher macht. Es sieht natürlich wunderbar aus, aber zu was für einem Preis!“

Wo wohnt die Queen?

Rund acht Monate im Jahr im Buckingham-Palast, Postadresse: London SW1A 1AA. (Übrigens: Wer ihr einen formvoll­endeten Brief schreiben will, beginnt ihn mit der Anrede „Madam“ und endet mit der Grußformel „I have the honour to be, Madam, Your Majesty’s humble and obedient servant“.) Die übrige Zeit des Jahres verbringt sie auswärts, den Jänner meistens auf Sandringham, August und September in Balmoral und den April (sowie die meisten Wochenenden) in Windsor. Prinz Philip fühlt sich im Buckingham-Palast übrigens gar nicht wohl, denn: „Das ist, als würde man über dem Geschäft wohnen.“ Eigentlich sind es ja sogar zwei Geschäfte: die offizielle royale Staatsoberhauptsbürokratie und der königliche Haushalt. Letzterer beschäftigt etwa 200 Mitarbeiter, darunter Pagen, Köche, Boten, medizinisches Personal sowie einige speziellere Fachleute wie den Queen’s Piper, den Warden of the Swans oder die zwei Vollzeituhrmacher, die dafür zuständig sind, die 350 Uhren zu warten und aufzuziehen, die in den insgesamt 775 Zimmern des Palasts hängen (darunter 52 Schlafzimmer, 188 Dienstbotenzimmer, 92 Büros und 78 Toiletten. Gesamte Nutzfläche: 77.000 Quadratmeter).

Was macht der Queen’s Piper genau?

Es handelt sich um einen Offizier der königlichen Streitkräfte, der jeden Morgen von 9 bis 9.15 Uhr unter dem Fenster der Königin Dudelsack spielt, um das königliche Frühstück zu untermalen. Eingeführt wurde der Posten unter Queen Victoria 1842, derzeit hält ihn Major Derek Potter.

Und wofür ist der Warden of the Swans zuständig?

Er zählt, gemeinsam mit seinem Kollegen, dem Marker of the Swans, jährlich die herrenlosen Schwäne an der Themse (in einer Zeremonie, die sich Swan Upping nennt). Denn alle unmarkierten Schwäne der Britischen Inseln gehören traditionell der Queen, die deshalb auch den Titel eines Seigneur of the Swans trägt. Übrigens ist sie auch Herrin der Fische, zumindest mancher Fische: Alle in britischen Gewässern und Küsten gefangenen Wale, Delfine und Störe gehen automatisch in den Besitz der Königin über. Rein theoretisch.

Und was gehört ihr ganz praktisch?

Das Privatvermögen der britischen Königin wurde vom Wirtschaftsmagazin „Forbes“ vor zwei Jahren auf 450 Millionen US-Dollar geschätzt, wobei diese Angabe darunter leidet, dass die Unterscheidung zwischen privat und öffentlich schwerfällt: Die königlichen Paläste, Kunstsammlungen und Juwelen stehen zwar offiziell im Besitz der Queen, aber nur in deren öffentlicher Funktion, und müssen daher auch unbeschadet und unverändert an ihre Amtsnachfolger weitergegeben werden. Tatsächlich in Privatbesitz sind die Anwesen in Sandringham in Norfolk und Balmoral in Aberdeenshire, Schottland. Für ihre öffentlichen und privaten Aufwendungen erhält die Queen aus der britischen Staatskasse eine Aufwandsentschädigung von gut 32 Millionen Pfund (im Fiskaljahr 2010/2011), dafür gehen die Einkünfte aus dem Crown Estate (Ländereien und Landwirtschaft, Immobilien, aber auch Energiewirtschaft und Tourismus) an das britische Finanzministerium. Das Portfolio des Estate ist mehr als sieben Milliarden Pfund wert und erwirtschaftete im abgelaufenen Geschäftsjahr 230 Millionen Pfund Gewinn. Die Einkünfte aus dem – der Queen privat zugerechneten – Duchy of Lancaster beliefen sich zuletzt auf 13 Millionen Pfund. Seit 1993 zahlt die Queen auch Einkommen- und Vermögenszuwachssteuer.

Was macht die Queen den ganzen Tag?

Der Arbeitstag der Königin beginnt um acht Uhr mit einem Frühstück aus Tee und Toast und dem Studium von „viel zu vielen verdammten Zeitungen“ (Prinz Philip), insbesondere aber der täglichen Pferderennsport-Gazette „Racing Post“. Ab zehn Uhr bearbeitet Eliza­beth die tägliche Korrespondenz (rund 200 bis 300 Briefe und E-Mails pro Tag, also – konservativ gerechnet – etwa 75.000 pro Jahr, macht 4,5 Millionen in 60 Regierungsjahren). Die Queen sucht sich stichprobenartig eine Handvoll Briefe aus (den Rest übergibt sie zur Beantwortung ihren Sekretären), unterschreibt Glückwunschpost an alle 100-Jährigen, Drillingseltern und Diamanthochzeitspaare ihres Reichs und ackert ihre berühmten scharlachroten Lederboxen durch, in denen ihr sämtliche Regierungsdokumente und diplomatischen Botschaften zur Ansicht und Unterschrift übermittelt werden. Nach ihrem Mittagessen (und allfälligen Audienzen oder ­Ritterschlägen, die traditionell um elf Uhr im Ballsaal des ­Buckingham-Palasts stattfinden) absolviert die Queen meistens eine Reihe öffentlicher Auftritte, besucht Schulen, Spitäler, Fabriken oder kulturelle Einrichtungen. (Erwünschter Nebeneffekt: Vor Queen-Besuchen werden oft ganze Ortschaften auf Hochglanz renoviert, dank ihrer regen Reisetätigkeit wird Großbritannien also laufend schöner.)

Um 19.30 Uhr erhält sie noch einmal einen mehrseitigen Bericht über die parlamentarischen Aktivitäten des Tages, anschließend besucht sie, wenn es sich nicht vermeiden lässt, feierliche Dinner, Premieren oder Vernissagen. Sehr viel lieber soll sie sich allerdings einfach vor den Fernseher setzen.

Hat sie eine politische Meinung?

Möglich. Aber sie behält sie für sich. Die Queen steht über dem politischen Alltag, der in ihrem Namen abläuft (die britische Regierung ist Her Majesty’s Government, die Opposition Her Majesty’s Opposition). Ihre wöchentlichen Treffen mit dem Regierungschef (aktuell: David Cameron, ihr insgesamt zwölfter Prime Minister) bleiben streng vertraulich, es gibt weder Zeugen noch Protokoll. Godfrey Agnew, ehemaliger Chef des königlichen Privy Council (und damit wichtigster politischer Berater der Queen), erklärte einmal: „Die Queen unterscheidet nicht zwischen den Politikern der verschiedenen Parteien. Aus ihrer Sicht gehören sie alle derselben sozialen Schicht an.“

Sind ihre Hunde eigentlich überall dabei?

Genauer gesagt handelt es sich um Pembroke Welsh Corgis, die ursprünglich in Wales gezüchtet wurden, um Ratten zu jagen. Ihren ersten Corgi bekam sie zum 18. Geburtstag geschenkt, eine Hündin namens Susan, die zur Stammmutter fast aller elisabethanischen Corgis der vergangenen 60 Jahre wurde. Derzeit hält die Queen vier Corgis – Linnet, Monty, Holly und Willow – sowie drei Dorgis (eine Corgi-Dackel-Kreuzung; schuld ist angeblich ein Dackel aus dem Besitz Prinzessin Margarets namens Pipkin): Cider, Candy und Vulcan. Die Hunde der Queen genießen größtmögliche Freiheit vom höfischen Protokoll sowie allen erdenklichen Luxus. Im vergangenen August berichtete die „Daily Mail“ von einem Eklat in Balmoral, als Elizabeth bei der (gewohnheitsmäßig von ihr selbst vorgenommenen) Corgi-Fütterung feststellen musste, dass das Hundefutter nicht wie immer frisch zubereitet, sondern eingefroren und wieder aufgetaut worden war. Laut „Daily Mail“ haben die Palastdiener sie „schon sehr lange nicht so wütend erlebt“. Im Buckingham-Palast bewohnen die Hunde übrigens einen eigenen Raum.

Was ist in ihrer Handtasche?

Über die Inhalte der Royal Handbag kursieren mehrere übereinstimmende Augenzeugenberichte. Der Journalist und Adelsexperte (und entfernte Verwandte Elizabeths) Alexander von Schönburg zählt auf: Glücksbringer, Fotos von Kindern und Enkeln, Minzbonbons, Hundekekse, ein Füllfederhalter, ein Terminkalender, Lesebrille, Schminkkästchen (silber), Digitalkamera. Die Queen-Biografin Sally Bedell Smith ergänzt um: Süßstoff und kein Bargeld (Ausnahme: zum sonntäglichen Kirchgang bringt sie für die Kollekte eine sauber gefaltete 5- oder 10-Pfund-Note mit).

Ein Reisepass ist nicht dabei?

Nein, denn da alle britischen Reisepässe in ihrem Namen ausgestellt werden, braucht sie selbst kein solches Dokument (im Gegensatz zu den anderen Familienmitgliedern, die sehr wohl mit Pass reisen).

Was hat sie ihrer Familie sonst noch voraus?

Sie ist das einzige Mitglied der Royal Family, das bis dato mit einer Goldenen Schallpatte ausgezeichnet wurde – für mehr als 100.000 verkaufte Exemplare von „Party at the Palace“, den Aufnahmen vom Konzert zu ihrem goldenen Thronjubiläum im Juni 2002.

Was muss man beachten, wenn man zufällig neben der Queen bei Tisch sitzt?

Dass sie, nach traditionell höfischem Verfahren, im Regelfall während der ersten Hälfte des Essens mit ihrem rechten Sitznachbarn spricht und während der zweiten mit dem linken.

Hasst die Queen Frauen?

Mit Margaret Thatcher vertrug Elizabeth II. sich nicht gut – obwohl Thatcher eine überzeugte Monarchistin war. Die Premierministerin aber setzte sich in den 1980er Jahren nur halbherzig für den Kampf der Schwarzen in Südafrika ein – der Queen dagegen lag das Ende der Apartheid am Herzen. Elizabeth II. meckerte auch gern über ihre reitende Tochter Anne („Ihre Kinder werden mit vier Beinen auf die Welt kommen“), von den gefallenen Schwiegertöchtern Diana und Fergie gar nicht zu reden. Nach Dianas Unfalltod blieb die Queen seelenruhig auf ihrem Sommerschloss im schottischen Balmoral und kehrte nicht sofort nach London zurück, um in die nationale Trauer einzustimmen. Eine wechselseitige Abneigung wird auch zwischen Cherie Blair, der Ehefrau des ehemaligen Labour-Premiers Tony, und der Queen kolportiert. Cherie verweigerte den Knicks vor der Königin aus Prinzip, die Queen soll ­gemurmelt haben: „Ich höre, wie sich ihre Knie versteifen, wenn ich den Raum betrete.“

Wo kann man noch mehr erfahren?

Zum Thronjubiläum wurden mehrere Biografien
Elizabeths II. (neu) aufgelegt, darunter auch das Standardwerk zum Thema:

• Ben Pimlotts „The Queen. Elizabeth II and the Monarchy“
(Harper Collins).

Außerdem empfehlenswert:
• Thomas Kielinger: Elisabeth II. Das Leben der Queen (C. H. Beck)
• Sarah Bradford: Queen Elizabeth II. Her Life in Our Times (Viking)
• Sally Bedell Smith: Elizabeth the Queen: The Life of a Modern
Monarch (Random House)

Details zum königlichen Haushalt und zu den Auftritten der Royal Family finden sich auf der offiziellen Web-Präsenz des Königshauses, die auch über die geplanten Feierlichkeiten zum „Diamond Jubilee“ informiert: www.royal.gov.uk

Erschienen in profil 5/2012 am 30.01.2012