Viennale 2013: Film-Highlights von Götz Spielmann, Woody Allen, Will Ferrell

Tonnerre

Prince Avalanche

Jahr eins nach dem Jubiläum: Das Wiener Filmfestival Viennale (24.10 – 6.11.) setzt im 51. Festivaljahr auf Kontinuität, US-amerikanischen Brachialhumor der Marke Will Ferrell, Publikumslieblinge (Woody Allen) und österreichisches Autorenkino („Oktober November“). profil online präsentiert zehn Film-Highlights und einen Wegweiser durch den Viennale-Festivalparcours:

Redaktion: Philip Dulle

Blue Jasmine (Regie: Woody Allen; mit Cate Blanchett, Sally Hawkins, Alec Baldwin)

Das Alterswerk des US-Regiestars Woody Allen ist durchwachsen und konsequent zugleich: nach filmischen Ausflügen in den europäischen Städtetourismus (London, Barcelona, Paris, Rom) und einigen lieben, aber verschenkten Ideen, beweist Allen dann doch alle paar Jahre wieder, dass er gute Geschichten auch bis zum Ende erzählen kann. In „Blue Jasmine“ kehrt er zurück zu seinen Familiendramen (u.a. „Hannah And Her Sisters“, 1986) und neuer Form und lässt das ungleiche Schwesternpaar Blanchett und Hawkins von der Tragik des sozialen Abstiegs erzählen.

2.11., 21:00 Uhr, Gartenbaukino
2.11., 11: 00 Uhr, Gartenbaukino

Nebraska (Regie: Alexander Payne; mit Bruce Dern, Will Forte)

Von einem der auszog, das Glück zu suchen. Ein vertrackt großartiger Spinner und Säufer (Bruce Dern) macht sich mit seinem Sohn auf eine Reise durch Amerika. Im Gepäck: ein vermeintlicher Losgewinn und die ewige Illusion des Pursuit of Happiness. Zur Einstimmung empfiehlt sich Bruce Springsteens gleichnamiges, wunderbar reduziertes Meisterstück von 1982. Für Kopfweltenbummler.

25.10., 20:30 Uhr, Gartenbaukino
5.11., 11:00 Uhr, Gartenbaukino

Prince Avalanche (Regie: David Gordon Green; mit Paul Rudd, Emile Hirsch)

Eine Welt gelber Mittelstreifen, Reflektoren und Markierungspfosten: David Gordon Green folgt zwei unschuldigen Straßenarbeitern, die im texanischen Nirgendwo die von einem verheerenden Flächenbrand beschädigte Straße reparieren müssen und dabei über das Leben, die Frauen und die unerträgliche Leichtigkeit des Seins sinnieren. Ein lakonisches Roadmovie im besten Sinne.

25.10. 23:30 Uhr, Stadtkino im Künstlerhaus
26.10. 11:00 Uhr, Gartenbaukino
29.10. 6:30 Uhr, Stadtkino im Künstlerhaus

Pardé/Closed Curtain (Regie: Jafar Panahi; mit Kamboziya Partivi, Maryam Moghadam, Jafar Panahi)

Der Vorhang bleibt geschlossen: Der iranische Regisseur Jafar Panahi , seit 2010 unter Hausarrest gestellt, mit einem 20-jährigen Berufs- und Reiseverbot wegen „Propaganda gegen das System“ versehen und dennoch bereit, sich nicht unterkriegen zu lassen. Das in einer Torte aus dem Iran geschmuggeltes Filmtagebuch „In Film Nist/This is not a Film“ sorgte 2011 für internationales Aufsehen. Mit „Pardé“ führt er diesen feinen Widerstand fort, zeigt einen unter Depressionen leidenden Autor, der in einem geschlossenen Raum an einem Drehbuch schreibt – bis er ungebetenen Besuch erhält. Die Realität als existenzielle Notwendigkeit des Überlebens.

31.10., 13:30 Uhr, Urania
3.11. 18:00 Uhr, Gartenbaukino

Oktober November (Regie: Götz Spielmann; mit Ursula Strauss, Nora von Waldstätten, Peter Simonischek)

Wieder zwei ungleiche Schwestern: die eine Gastwirtin im elterlichen Betrieb, die andere bewunderte Schauspielerin in der großen Stadt. Dazwischen der alte Vater (Simonischek), der einfach nicht alt werden will. Götz Spielmann sieht sich nach seinem Meisterstück „Revanche“ (2008) wieder als stiller Beobachter des Alltäglichen. Ein Netz aus Familiengeheimnis, Erinnerungen und Verletzungen.

31.10. 18:00 Uhr, Gartenbaukino
3.11. 13:30 Uhr, Urania

Le passé/The Past (Regie: Asghar Farhadi; mit Bérénice Bejo, Tahar Rahim)

Nach dem vielleicht wichtigsten Film des Jahres 2011, „Nader und Simin – Eine Trennung“, verlegt der iranische Regisseur und Drehbuchautor Asghar Farhadi sein neuestes Familiendrama von Teheran nach Paris. Das schwierige Patchwork-Familienleben wird in „Le passé“ zum spannungsgeladenen Kammerspiel um Schuld und Verantwortung.

1.11. 18:00 Uhr, Gartenbaukino
3.11. 13:30 Uhr, Stadtkino im Künstlerhaus

Dabba/Lunchbox (Regie: Ritesh Batra; mit Nimrat Kaur, Irrfahn Khan)

Die indische Metropole Mumbai gilt als Heimat der Dabbawalas – die Fahrradkuriere, die täglich dafür sorgen, dass Büroangestellte ihr warmes Mittagessen von zuhause zugestellt bekommen. Dass es bei den bis zu 200.000 Lunchpaketen mitunter zu Verwechslungen kommen kann, liegt auf der Hand. Die Zutaten dieses indischen Lustspiels: eine vernachlässigte Hausfrau, ein verwitweter Büroangestellter und eine verirrte Dabba.

31.10., 21:00 Uhr, Urania
1.11., 13: 00 Uhr, Kino am Schwarzenbergplatz

Tonnerre (Regie: Guillaume Brac; mit Vincent Macaigne, Solène Rigot)

Nach dem wunderbaren, bei der letztjährigen Viennale präsentierten Lolita-Drama „Un monde sans femmes/Eine Welt ohne Frauen“, verführt der junge französische Regisseur Guillaume Brac mit seinem Stammschauspieler (der begnadet komische Vincent Macaigne) in eine erneute Amour fou , Leidenschaft und Chaos, Provinz und Exzess.

31.10., 15:30 Uhr, Kino am Schwarzenbergplatz
1.11., 21:00 Uhr, Stadtkino im Künstlerhaus

Will Ferrell: You’re Welcome America. A Final Night with George W. Bush (Regie: Marty Gallner; mit Will Ferrell, Michael Delaney)

Bei der wöchentlichen Comedy-Show „Saturday Night Live“ wurde der diesjährige Stargast der Viennale, Will Ferrell, zum Star. Vor allem für seine Parodie des amerikanischen Ex-Präsidenten George W. Bush wurde der Brachialentertainer gefeiert. 2009, nachdem der Ferrell-Bush bereits zu Grabe getragen wurde, feierte die Sketcheinlage eine Wiedergeburt als Broadway-Ein-Mann-Show.

25.10., 16:00 Uhr, Stadtkino im Künstlerhaus (Eintritt frei)

Das merkwürdige Kätzchen (Regie: Ramon Zürcher; mit Jenny Schily, Anjorka Strechel, Mia Kasalo)

Ein Familienleben im Alltäglichen: Kochen, Schulaufgaben, Oma besuchen, einkaufen gehen. Doch irgendwas ist anders, geheimnisvoll und verwirrend. Das Spielfilmdebüt des Schweizers Ramon Zürcher erzählt mit eigensinnigem, lakonischem Witz von einer Familie, die das tut, was sie immer tut. Aber was macht das merkwürdige Kätzchen, das gar nicht merkwürdig ist? Bereits bei der Berlinale als Überraschungshit gefeiert.

29.10. 21:00 Uhr, Urania
30.10. 15:30 Uhr, Gartenbaukino

das merkwürdige kätzchen from Armin Marewski on Vimeo .

Empfehlungen zu den Dokumentarfilmen der Viennale finden Sie ab Mittwoch auf profil online.

Infos: Viennale: 24.10. – 6.11.