Was tun gegen Mobbing, Sexismus und blinde Wut im Internet?

Was tun gegen Mobbing, Sexismus und blinde Wut im Internet?

Neun Antworten, wie sich Bürger, Website-Betreiber und Politik wehren können.

Wie der Einzelne reagieren kann

Anzeige einbringen

Je aggressiver und persönlicher ein Posting ist, desto eher empfiehlt sich eine Anzeige. Betroffene und Beobachter können sich gegen Tatbestände wie gefährliche Drohung, Verhetzung oder Cybermobbing juristisch zur Wehr setzen. Solche Anzeigen sind sinnvoll. Auch Journalisten wie ORF-Moderatorin Ingrid Thurnher oder profil-Redakteur Michael Nikbakhsh haben sich juristisch gegen bedrohliche oder hetzerische Wortmeldungen gewehrt, um auch im Netz eine klare rote Linie zu ziehen.

Mit Humor kontern

Wer über eine verbale Attacke lacht, zeigt, dass er oder sie sich nicht unterkriegen lässt. Auch kann Humor offenlegen, wie absurd manch ein Vorwurf ist. Der amerikanischen TV-Moderatorin Ginger Zee schrieb ein User einmal: "Du bist das hässlichste Wettermädchen, das ich je gesehen habe.“ Sie antwortete sinngemäß: "Bitte keine Ungenauigkeiten. Es müsste heißen: ‚Du bist die hässlichste Meteorologin, die ich je gesehen habe.‘“ Auf den kecken Kommentar erntete sie Applaus - und der Übeltäter Buhrufe.

Verbündete suchen

Der Hass im Netz kann zermürben. Extreme Mobbingfälle haben Menschen schon in den Suizid getrieben. Als Opfer ist es wichtig, sich von Freunden und Bekannten Hilfe zu holen. Aber auch wer Hass beobachtet, kann sich zu Wort melden und sich hinter die Betroffenen stellen. Auf der Website aufstehn.at kann man sich solidarisch mit Journalistinnen erklären, die online verbal attackiert wurden. Oft hilft es schon, dem Opfer zu sagen: "Ich stehe hinter dir!“ Es braucht auch digitale Zivilcourage.

Was Plattformen und Medien tun können

Stärker moderieren

Website-Betreiber und Plattformen wie Facebook haben eine Verantwortung. Sie sind juristisch verpflichtet, strafrechtlich relevante Äußerungen zu entfernen, wenn sie darüber informiert werden. Doch häufig bleiben verletzende Kommentare viel zu lange stehen - zudem fehlt Transparenz. Facebook gibt nicht an, wie viele Moderatoren es engagiert. Notfalls braucht es eine Politik, die Druck macht (siehe "Gesetze aktualisieren“).

Tools verbessern

Technik ist ein Teil der Lösung. Eine neue Software aus den USA soll Nutzer etwa an Empathie erinnern. Sie heißt "Civil“ und wird in Zeitungsforen eingesetzt. Wer ein Posting verfasst, muss danach drei Kommentare von anderen Usern auf Tonalität und Inhalt bewerten. Dann bekommt der Nutzer erneut den eigenen Kommentar eingeblendet, muss ihn bewerten und kann ihn notfalls auch noch umschreiben. Diese Technik soll Menschen in Erinnerung rufen, dass ihre Worte von anderen gelesen und ebenfalls bewertet werden.

Filterblase platzen lassen

Je mehr Algorithmen, also Computerprogramme, Information filtern, desto größer wird die Gefahr der "Filterblase“. Dabei besteht die Sorge, dass Sites wie Facebook vorrangig Inhalte einblenden, die dem eigenen Weltbild entsprechen - was eine inhaltliche Einengung sein kann. Dagegen ließe sich etwas tun. Facebook könnte die Funktion anbieten, dass man ab und zu gezielt Inhalte eingeblendet bekommt, die einen argumentativ herausfordern.

Wie die Politik antworten kann

Gesetze aktualisieren

Da im Netz neue Schikanierungsmethoden möglich werden, braucht es Updates der Rechtslage. Heuer wurde Cybermobbing als Straftatbestand eingeführt. Wer eine Person online längere Zeit erniedrigt und "in ihrer Lebensführung unzumutbar“ einschränkt, kann sich strafbar machen. Auch bei Delikten wie übler Nachrede gibt es Ideen für juristische Updates (siehe Kasten). Notfalls kann die Regierung auch regulieren und mehr Transparenz von Plattformen wie Facebook fordern.

Meldestellen einführen

Der Staat kann Opfern mehr Hilfe und Information bieten. Frauenministerin Sabine Oberhauser (SPÖ) wünscht sich eine Meldestelle für Frauenhass, an die sich Bürgerinnen wenden können, die herabwürdigende Postings oder gar Vergewaltigungsdrohungen erhalten. Eine solche Meldestelle könnte eine Statistik über Sexismus im Netz führen. Auch Forschung ließe sich finanzieren - für Österreich fehlen sogar Zahlen, wie viele Bürger digitalen Hass erleben.

Anzeigen vereinfachen

In einigen deutschen Bundesländern kann man online Anzeige erstatten. In Österreich gibt es eine solche "Internetwache“, die juristische Meldungen erleichtert, bisher nicht. Weiters könnte das Innenministerium flächendeckend für alle Polizisten eine Schulung anbieten - damit jeder einzelne Beamte weiß, wie Facebook oder Onlineforen funktionieren und wie er Betroffene schützen kann.

profil-Webshop: Ingrid Brodnig hat das Buch "Hass im Netz. Was wir gegen Hetze, Mobbing und Lügen tun können“ (Brandstätter Verlag) verfasst. Das Sachbuch können Sie hier bestellen.

profil und die Tageszeitung „Kurier“ setzen sich für eine faire Debatte im Internet ein. Einen Schwerpunkt zum Thema finden Sie auf profil.at/GegenHassimNetz. Jeder Nutzer kann online an der Aktion teilnehmen – mit dem Hashtag #GegenHassimNetz.