WM-Halbfinale: Belgien und Frankreich im profil-Vergleich

WM-Halbfinale: Belgien und Frankreich im profil-Vergleich

Die beiden heutigen WM-Halbfinalisten in der direkten Gegenüberstellung.

Torhüter

UNENTSCHIEDEN: Hugo Lloris (Frankreich) und Thibaut Courtois (Belgien) gehören zu den allerbesten Vertretern ihrer Zunft. Im Viertelfinale glänzten beide mit spektakulären Paraden. Ein signifikanter Unterschied ist nur bei den Persönlichkeiten der beiden Torhüter zu erkennen: Während Courtois immer mit einem Hang zur Überheblichkeit auftritt, ist Lloris eher ruhig und introvertiert.

Abwehr

VORTEIL FRANKREICH: Die französische Defensiv-Reihe mit Pavard, Varane, Umtiti und Hernandez stand bislang zumeist sehr sicher, Vertonghen, Kompany und Alderweireld leisteten sich schon den einen oder anderen Fehler im Turnierverlauf. Speziell im Achtelfinale gegen Japan und in der Schlussphase gegen Brasilien machte die belgische Abwehr nicht immer einen sattelfesten Eindruck. Ob man gegen Frankreichs pfeilschnellen Jungstar Mbappé immer das richtige Timing bei Tacklings finden wird, ist fraglich. Es drohen zumindest gefährliche Standard-Situationen als Folgeerscheinung.

Mittelfeld

UNENTSCHIEDEN: Auf französischer Seite darf man Kanté, Pogba und Matuidi im Mittelfeld erwarten, auf belgischer Seite Chadli, Fellaini und Witsel - Carrasco könnte den gesperrten Meunier ersetzen. Rein von den Namen her könnte man vielleicht den Franzosen einen kleinen Vorteil zusprechen - speziell Pogba und Matuidi agieren jedoch (noch) nicht in absoluter Topform. Fellaini & Co. machen ihr kleines spielerisches Defizit gegenüber ihren französischen Gegenparts durch Robustheit und taktische Disziplin wett.

Angriff

UNENTSCHIEDEN: Auch in diesem Bereich schenken sich die beiden Teams nichts. Sowohl die französische Angriffs-Achse Griezmann, Mbappé und Giroud als auch die belgische um Hazard, De Bruyne und Lukaku ist absolute Weltklasse. Alle sechs Spieler können Spiele im Alleingang entscheiden. Kleinigkeiten wie die Tagesform werden wohl entscheidend sein.

Trainer

VORTEIL BELGIEN: Im Viertelfinale gegen Brasilien hat Belgien-Coach Roberto Martinez bewiesen, dass er Spiele mit seinen taktischen Vorgaben entscheidend prägen kann. Seine Umstellung vom üblichen 3-4-3-System auf ein 4-3-3-System erwies sich als genialer Coup. Es gelang ihm damit, die Wege von Neymar & Co. einzugrenzen und gleichzeitig die Stärken seiner Star-Spieler wie De Bruyne, Hazard oder Lukaku zu forcieren. Zusatzplus für die Belgier: Mit Thierry Henry, französischer Welt- und Europameister, verfügen sie über einen Co-Trainer, der die Stärken und Schwächen "Équipe Tricolore" bis ins kleinste Detail kennen sollte. Frankreich-Coach Didier Deschamps wäre gut beraten, sich auf jede Eventualität einzustellen.

Turnier-Erfahrung

VORTEIL FRANKREICH: Belgien steht erst zum zweiten Mal (nach 1986) in einem WM-Halbfinale, für Frankreich ist es bereits das sechste Mal in der Vorschlussrunde. Dementsprechend spricht die Erfahrung in ganz großen Spielen eher für die Franzosen. Bis zum Viertelfinal-Triumph gegen Brasilien sprach man der "Goldenen Generation" der Belgier überhaupt ab, in wirklich wichtigen Partien reüssieren zu können - bei der WM 2014 und der EM 2016 war man trotz Mitfavoriten-Rolle noch jeweils im Viertelfinale gescheitert. Ob der Sieg gegen Brasilien jetzt nur ein "postiver Ausrutscher" war oder, ob Belgien wirklich bereit für den ganz großen Coup ist, wird sich erst zeigen. Frankreich weiß spätestens seit dem WM-Triumph 1998 und dem Europameistertitel 2000, dass man für ganz große Aufgaben gerüstet ist. Das sollte ein kleines Plus an Souveränität ausmachen.

Fan-Unterstützung

VORTEIL BELGIEN:

French fans in Kazan / World Cup Russia 2018

Russia 2018 - Belgium Fans Cheer On at World Cup. RedTogether.

Erwartungshaltung/Druck

VORTEIL FRANKREICH: Während man in Frankreich vergleichsweise gelassen an das Semifinale herangeht, wird das Spiel in Belgien als "einmalige Chance" gesehen. "Wenn wir es jetzt nicht werden, werden wir es nie", ließ etwa die belgische Torwart-Legende Jean-Marie Pfaff verlautbaren. Das wird den ohnehin schon immensen Druck auf die "Goldene Generation" nicht unbedingt vermindern. Die Erwartungshaltung an die französische Mannschaft ist zwar ebenso hoch - man kann jedoch im Gegensatz zu Belgien getrost davon ausgehen, dass auch die kommenden Fußballgenerationen das Potential haben werden, den Titel ins eigene Land zu holen. Das sollte zumindest ein bisschen Druck von der derzeitigen Mannschaft nehmen.

profil-Tipp

Ganz knapper Vorteil für Frankreich. Im Duell der beiden spielstärksten Mannschaften der WM wird möglicherweise die etwas stabilere Abwehr den Ausschlag für "Les Bleus" geben.