Landflucht

Immer mehr Bienen zieht es in die Stadt, weil ihre Chancen, auf dem Land zu überleben, geringer werden.

Einen so weit gereisten Bienenschwarm hat Imker Felix Munk noch nie versorgt. Das Bienenvolk samt Königin, dem er nach den Strapazen eines 200 Kilometer langen Irrflugs vor Kurzem in Wien ein neues Zuhause gab, war ursprünglich aus der Nähe von Graz gekommen, wie sich später herausstellte. Normalerweise fliegt ein Schwarm auf der Suche nach einer neuen Behausung nicht weiter als 30 Kilometer. „Immer mehr Bienen flüchten in die Stadt, weil sie am Land zu wenig Lebensraum haben“, sagt Munk.

+++ Eine vom Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich in Auftrag gegebene Studie zum Bienensterben wurde von drei führenden Agrochemiekonzernen mitfinanziert. +++

330 Honigbienenstöcke hat der von ihm gegründete Verein „Stadtimker“ in den vergangenen neun Jahren in Wien aufgestellt, 300 weitere in Salzburg, Graz, Klagenfurt, Eisenstadt und Bregenz. Munk und seine Kollegen kümmern sich auch um die zahlreichen heimatlosen Wildbienen, die noch mehr an Schädlingen und Pestiziden leiden, weil sie kleiner sind als die Honigbienen. Sie werden in eigens gebauten Wildbienenhotels untergebracht. Die kleinen Brummer wohnen in der Hauptstadt oft elegant: Im Garten des Belvedere, auf den Dächern der Staatsoper und des Kanzleramtes, in der Kuppel der Secession. Auch auf dem Raffineriegelände der OMV in Schwechat haben eine Million Honig- und Wildbienen ein Zuhause gefunden.

Sie fühlen sich in der Stadt offenbar sehr wohl: Autolärm und Menschenmassen stören sie nicht; Parks, Balkone und Dachterrassen bieten ausreichend Nahrung. Da die Bäume und Wiesen in der Stadt wenig bis gar nicht mit Pestiziden behandelt werden, hat der von den Stadtimkern gewonnene Honig Bioqualität. Der Verein ist laufend auf der Suche nach Quartiergebern, die ihre Dächer, Gärten oder Höfe für Bienenstöcke zur Verfügung stellen. (www.stadtimker.at)