Erich Rebasso vertrat russisch-georgischen Oligarchen

Der entführte Wirtschaftsanwalt Erich Rebasso hatte einen dubiosen russisch-­georgischen Oligarchen zum Klienten – mit Querverbindungen zur FPÖ.

Von Andreas Knapp

Wien, erster Bezirk, Stubenbastei 12/12. Von dieser Innenstadtadresse aus dirigierte der auf Wirtschaftsangelegenheiten spezialisierte Wiener Rechtsanwalt Erich Rebasso seine florierende Kanzlei. Primäre Klientel des fließend Russisch sprechenden Advokaten bis zu seiner Entführung aus einer Parkgarage in der Nähe seines Büros am 27. Juli: Geschäftsleute aus den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion, vorwiegend Russen. Die Familie des Anwalts lobte zwischenzeitlich eine Privatbelohnung über 100.000 Euro für Hinweise auf den Verbleib von Erich Rebasso aus.

Bruder Michael, ebenfalls Rechtsanwalt und seit dem Verschwinden Erich Rebassos Bevollmächtigter von dessen Kanzlei, kommentiert die kolportierten Gerüchte über Verbindungen seines Bruders zur russischen Unterwelt gegenüber profil so: „Absoluter Schwachsinn. Mein Bruder ist kein Mafiaanwalt.“

Die Faktenlage legt allerdings nahe, dass sich Erich Rebasso mit zwielichtigen Figuren eingelassen hat. Laut Vereinsregister der Bundespolizeidirektion Wien bezog im März 2009 an Rebassos Kanzleiadresse Stubenbastei 12/12 auch ein „World Congress of the Nations of Georgia – Verein zur Förderung der weltweiten Vernetzung von georgischen Gemeinschaften“ (WCNG) sein Main Office, wie dessen Website zu entnehmen ist. Unter der dort ebenfalls angegebenen Mobiltelefonnummer meldet sich lediglich eine junge Frau, die noch nie etwas von einer derartigen Organisation gehört haben will. Präsidiert wird der „Weltkongress der Völker Georgiens“ von einem gewissen Alexander Josifowitsch Ebralidze, einem Georgier mit russischem Pass, der in den 1990er-Jahren in St. Petersburg mit Nachtklubs, Hotels und Spielcasinos zum reichsten Kaukasier an der Newa avancierte und von der georgischen Tageszeitung „Georgian Times“ 2007 auf 300 Millionen US-Dollar taxiert wurde. Ebralidzes geschäftliche Aktivitäten ­firmieren unter dem Dach der St. Petersburger Aktiengesellschaft Talion OJSC, bei der Anrufer sehr schnell aus der Leitung fliegen.

Da sich Ebralidzes Interessen nicht nur aufs Big Business beschränkten, geriet er auch auf den Radarschirm westlicher Dienste. Auf dem Gründungskonvent seines WCNG im Mai 2009 im russischen Sotschi setzte er sich als Herausforderer des georgischen Präsidenten Michail Saakaschwili in Szene und wurde von der russischen Tageszeitung „Kommersant“ prompt als Kreml-Wunschkandidat für Saakaschwilis Nachfolge ins Spiel gebracht. Der US-Botschafter in Moskau kabelte daraufhin eine von der Enthüllungsplattform WikiLeaks veröffentliche Depesche an das State ­Department in Washington. Aus dieser geht hervor, dass Ebralidze zu Sowjetzeiten unter anderem wegen Raubs und illegalen Waffenbesitzes verurteilt worden war und viele Jahre im Gefängnis zugebracht hatte.

Zudem werden ihm beste Kontakte zu hochrangigen russischen Politikern nachgesagt, wie der ehemaligen Gouverneurin von St. Petersburg, der Putin-Vertrauten und heutigen Vorsitzenden des russischen Föderationsrats, Walentina Matwijenko. Nach Informationen der russischen Internetzeitung Gazeta.ru sitzt etwa auch Wladimir Putins Jugendfreund und ehemaliger Judotrainer Arkadi Rotenberg im Direktorium von Ebralidzes Talion OJSC.

Über die Verbindungen seines Bruders zu einem dubiosen russisch-georgischen Oligarchen mit Kremlkontakten wollte Michael Rebasso gegenüber profil mit Hinweis auf seine anwaltliche Schweigepflicht keine Angaben machen.

Zur georgischen Diaspora in Wien pflegte Ebralidze trotz seines Wohnsitzes in St. Petersburg enge Kontakte. Die Eintragung seines World Congress of the Nations of Georgia ins Vereinsregister wurde von Levan Pirveli, einem in Wien ansässigen georgischen Geschäftsmann und selbst ernannten prorussischen Oppositionspolitiker mit besten FPÖ-Kontakten (profil 34/2010), beauftragt und von der Kanzlei Johannes Hübner vorgenommen.

Hübner, Rechtsanwalt und außenpolitischer Sprecher der FPÖ im Nationalrat, bestätigt dies gegenüber profil. Pirveli gab 2010 an, die FPÖ wegen der blauen pro-russischen Haltung im Georgien-Konflikt kontaktiert zu haben. Zwischen Pirveli und Ebralidze entbrannte schließlich ein Streit um die Leitung des World Congress of the Nations of Georgia, der mit dem Rauswurf Pirvelis endete. Ausgetragen wurde der Konflikt über die Advokaten der beiden, wobei Alexander Ebralidze von Erich Rebasso vertreten wurde. Pirvelis Anwalt Hübner dazu: „Es gab eine Korres­pondenz zwischen unserer Kanzlei und Kollegen Rebasso.“