Feinde fürs Leben: Die Fehde zwischen einem Medientycoon und einem Ex-Politiker

Thailand. Der Aufstand der Volksallianz für Demokratie stürzt das Land ins Chaos. Dahinter steht die Fehde ­zwischen ­einem Medientycoon und einem Ex-Politiker.

So können Namen täuschen: Volksallianz für Demokratie (People’s Alliance for Democracy, kurz: PAD) nennt sich die Bewegung, deren Aktivisten vergangene Woche Thailand lahmlegten. Aus Respekt vor dem beliebten Königshaus gelb gekleidet, nach eigenem Bekunden angetreten, um das Land aus den Klauen eines korrupten Regimes zu befreien – so besetzten sie die Flughäfen der Hauptstadt Bangkok.

Mit Demokratie hat der Aufstand der Volksallianz, der das Land bereits seit Monaten erschüttert, aber nur sehr bedingt zu tun. Immerhin geht es den Aktivisten darum, eine gewählte Regierung abzusetzen. Begründung: Der amtierende Premierminister Somchai Wongsawat ist der Schwager seines Vorgängers Thaksin Shinawatra. Letzterer wurde im Oktober wegen Korruption zu zwei Jahren Haft verurteilt und ist nach Großbritannien geflohen, hat aber immer noch großen politischen Einfluss.

Thaksin genießt tatsächlich einen zweifelhaften Ruf. Das liegt allerdings nur zum Teil daran, dass seine Familie lukrativen Geschäften nachging, während er in der Regierung war. Dass sich die Öffentlichkeit in Thailand daran stößt, ist letztlich einer Kampagne zu verdanken, die der Gründer der Volksallianz gestartet hat – Sondhi Limthonkhul, ein mächtiger Medientycoon, der unter anderem Zeitungen und TV-Sender besitzt. Noch vor wenigen Jahren waren Thaksin und Sondhi enge Freunde und Geschäftspartner gewesen. 2001 kam Thaksin durch eine allgemein als fair und frei bewertete Wahl an die Macht und rettete Sondhi, der nach der Asienkrise am Rande des Bankrotts stand, über Umwege vor der Pleite: Er schanzte einem Vertrauten des Pressezaren eine staatlich kontrollierte Bank zu, die Sondhis Schulden planierte. 2004 wurde der Bankdirektor allerdings abgelöst, weil er umgerechnet eine Milliarde Euro an faulen Krediten angehäuft hatte. Damit begann nicht nur das Zerwürfnis zwischen Thaksin und Sondhi, sondern auch der Weg Thailands in die Instabilität.

Sondhi attackierte den Regierungschef über seine Zeitungen und TV immer heftiger, dieser revanchierte sich mit Klagen und Sendeverboten. Daraufhin gründete Sondhi die Volksallianz für Demokratie – mit dem erklärten Ziel, die Regierung Thaksin zu stürzen. Vorerst erfolglos, denn Thaksin wurde 2006 trotz eines zunehmend autoritären und von Nepotismus geprägten Regierungsstils wiedergewählt, die Wahl allerdings vom Obersten Gericht für ungültig erklärt.

Wenige Monate später schaffte es die Volksallianz geschickt, einen Militärputsch herbeizuführen. Während Thaksin im Ausland war, rief ihre Führung zu einer Massendemonstration auf. Gleichzeitig wurden Gerüchte gestreut, dass es dabei zu blutigen Ausschreitungen kommen werde. Unter dem Vorwand, das zu verhindern, übernahm die Armee die Macht. ­Wenig später erklärte sich die Volksallianz für auf­gelöst, weil ihre Ziele erreicht seien.

Sondhi hatte allerdings zu früh triumphiert. Bei den ersten Wahlen nach dem Putsch siegte ausgerechnet eine Partei, die im Einflussbereich seines ins Exil gegangenen Erzfeinds steht. Thaksin wird immer noch von der armen Landbevölkerung im Norden Thailands unterstützt, deren Situation er durch Sozialprogramme spürbar verbessert hatte. Die Eliten des Landes lehnen ihn hingegen ab.

Unmittelbar nach der Wahl erlebte die Volksallianz eine wundersame Wiedererweckung, die Spirale der Eskalation begann sich neuerlich zu drehen – mit dem erkennbaren Ziel, die Armee auch diesmal wieder zum Eingreifen zu bewegen. Sondhi Limthonkhul, Gründer der Volksallianz für Demokratie, scheint es ernst zu meinen mit dem Satz, den er 2007 dem US-Magazin „Newsweek“ diktiert hatte: „Eine repräsentative Demokratie ist für Thailand nicht geeignet.“

Von Martin Staudinger