Gott und Vaterland: Wirbel in der Militärdiözese

Der Bischof setzte einfluss­reiche Mitarbeiter ab. Droht dem Bistum nun das Aus?

Glaubensfragen und Dogmen sind Christian Werners tägliches Brot, ein öffentliches Bekenntnis vor der Volksbefragung zur Wehrpflicht wollte der österreichische Militärbischof – Wahlspruch: „Christus pax nostra“ (Christus ist unser Friede) – aber nicht ablegen. Nur so viel: Er wünsche sich „eine sachlich ausgewogene Debatte“. Freilich sei es bedauerlich, dass es zu einem „Unsicherheitsstatus“ gekommen sei. Werner, dem eher ein Hang zur Wehrpflicht nachgesagt wird: „Viele Familien von Miliz- und Berufssoldaten sind sehr besorgt, weil man nicht planen kann.“
Seit Sonntag, 20. Jänner, ist Planungssicherheit gegeben. Die Wehrpflicht bleibt. Dafür ist die Zukunft des Militärbistums umso unsicherer. Laut profil-Informationen könnte Exzellenz Christian Werner der letzte seiner Art gewesen sein.

Amtsdirektor abberufen
Im Herbst hatte eine Personalaffäre das Militärbistum erschüttert. Ende Oktober hatte Bischof Werner seinen Generalvikar Franz Fahrner abgesetzt. Der Generalvikar ist die Nummer zwei der Diözese, eine Art Stabschef des oberkommandierenden Bischofs. Als oberste geistliche Behörde setzt das Generalvikariat die bischöflichen Befehle um. Fahrners Absetzung dürfte nicht die einzige personelle Maßnahme gewesen sein. Laut profil-Informationen wurde auch der Amtsdirektor der Militärdiözese abberufen.
Laut einer Stellungnahme des Militärbischofs gegenüber profil hätte es zwischen ihm und dem Generalvikar „unüberbrückbare Differenzen bezüglich ­meines Weges der Erneuerung der Militär­seelsorge, auch in Hinblick auf Personal­entscheidungen“ gegeben.

Insider berichten über einen veritablen Machtkampf. Militärbischof Werner war über längere Zeit krankheitsbedingt nicht voll einsatzfähig. Die operative Befehlsgewalt ging damit auf den Generalvikar über. Daraus entstand ein Kompetenzgerangel zwischen Fahrner einerseits und hochrangigen Leitern von Militärpfarren in den Bundesländern andererseits. Bischof Werner: „Wie in jeder Diözese und überall dort, wo Menschen zusammenarbeiten, gibt es auch in der Militärseelsorge Meinungsverschiedenheiten über die Struktur und Zukunft der Diözese.“ Bei einer Diözesansynode im September soll „über Zukunftsfragen“ und „ein neues Pastoralkonzept“ beraten werden.

In der österreichischen Bischofskonferenz – Werner ist eines von 16 Mitgliedern – wird das Geschehen offiziell neutral, aber doch aufmerksam beobachtet. Die Absetzung eines Generalvikars – des Alter Ego eines Bischofs – ist keine Alltäglichkeit und stets mit Wirbel verbunden.
Wie in österreichischen Kirchenkreisen gemunkelt wird, könnte die Militärdiözese nach der Pensionierung des 69-jährigen Werner mit wesentlich dramatischeren Einschnitten konfrontiert sein als der Entlassung eines Generalvikars: Es könnte das eigenständige Militärbistum abgewertet und in Zukunft wie in Deutschland als Ordinariat von einem anderen Diözesanbischof zusätzlich geleitet werden. Kardinal König war einst als Wiener Erzbischof auch mit der Militärseelsorge betraut.
Im Vergleich zum etwa 1200 Jahre alten Erzbistum Salzburg ist die so genannte „10. Diözese Österreichs“ eine junge Schöpfung. Grundlage ist der Erlass „Spirituali militum curae“ von Papst Johannes Paul II. vom April 1986, der die Militärseelsorge neu organisierte. Im selben Jahr entschied die österreichische Bischofskonferenz, eine eigene Militärdiözese zu installieren. Im November 1986 ernannte Papst Johannes Paul II. den Sekretär der Bischofskonferenz, Alfred Kostelecky, zum ersten Militärbischof Österreichs.

Schwerer Verweis
Kostelecky starb 1994. Sein Nachfolger Christian Werner ist laut Statuten für alle Bundesheerbediensteten, deren Familienangehörige und für Präsenzdiener während ihres Wehrdienstes verantwortlich, derzeit rund 100.000 Katholiken. Als Bischofskirche dient die St.-Georgs-Kathedrale in der Wiener Neustädter Burg, Sitz der Militärakademie.
Der Militärpfarrer von St. Georg, Dekan Siegfried Lochner, hatte seinen Bischof Werner 2007 in die Bredouille gebracht, als er anlässlich der Seligsprechung des von der NS-Militärjustiz hingerichteten Franz Jägerstätter den „Kult“ um den Kriegsdienstverweigerer kritisierte. In einem Interview mit der vom FPÖ-Ideologen Andreas Mölzer herausgegebenen Zeitschrift „Zur Zeit“ sagte Lochner, Jägerstätter sei ein „bedauernswertes Opfer seines irrenden Gewissens“ geworden. Vom Bischof setzte es einen schweren Verweis. Das angekündigte Disziplinarverfahren durch das Verteidigungsministerium ­versandete. Im Jahr 2009 firmte Lochner in der St.-Georgs-Kirche FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache.

Zur Zukunft seiner Diözese äußert sich Militärbischof Christian Werner bedächtig: „Entwicklungen in einer ferneren ­Zukunft sind natürlich schwer abzuschätzen, aber eine Auflösung der Militär­diözese ist für die nächste Zeit sicher nicht absehbar.“