Die FPK denunziert drei Historiker als Geheimdienstagenten

Drei angesehene Historiker werden von den Kärntner Freiheitlichen als frühere Geheimdienstagenten denunziert - nur weil sie sich seit Jahrzehnten mit der slowenischen Minderheit beschäftigen.

Im Kärntner Landtag, der weitgehend lahmgelegt ist, seit FPK-Abgeordnete bei jeder Sitzung aus dem Saal schleichen, um Neuwahlen zu verhindern, liegt ein Antrag, der es in sich hat. Unter dem Titel "Geheimdienstaktivität von Mitarbeitern im öffentlichen Dienst“ unterstellen die Freiheitlichen drei Historikern, in früheren Jahren für den jugoslawischen Geheimdienst gearbeitet zu haben, und empfehlen deren "Suspendierung“. Sie berufen sich auf Evidenzlisten des Geheimdiensts, die allerdings schon jahrelang im Internet kursierten, und rücken die Verdächtigen in besonderer Niedertracht in die Nähe eines Mordkomplotts gegen einen Exil-Kroaten.

Der Direktor des Kärntner Landesarchivs und Leiter einer von Landeshauptmann Gerhard Dörfler selbst eingesetzten Historikerkommission, Wilhelm Wadl, war entsetzt, als ihm diese "blödsinnige und juristisch leichtsinnige Anfrage“ zu Ohren kam. Abertausende Namen seien auf diesen Listen zu finden: politische Funktionäre, Journalisten, Künstler; Kärntner, die selbst vom Geheimdienst bespitzelt und ausgehorcht wurden, ohne es zu wissen, darunter vielleicht auch aktive und bezahlte Zuträger. Aufgrund solcher Einträge irgendjemanden zu bezichtigen sei "absolut unseriös“, sagt Wadl.

Bei den namentlich genannten Historikern handelt es sich um Valentin Sima, Augustin Malle und Dusan Necak. Alle drei gehören zu jener Generation, die durch den Umgang mit der slowenischen Minderheit in Kärnten politisiert wurde.

Valentin Sima von der Universität Klagenfurt werfen die Freiheitlichen in ihrer Anfrage außerdem vor, "Hauptträger mehrerer Desinformierungs- und Antifa-Kampagnen“ gewesen zu sein. In Wahrheit gehen der FPK wohl dessen wissenschaftliche Arbeiten gegen den Strich. Vor zwei Jahren veröffentlichte Sima eine Studie über das Ulrichsberg-Treffen und seine Verbindungen zu nationalsozialistischen Veteranen und Neurechten. Sima wertet die Angriffe als "Versuch, die Zivilgesellschaft, die in den siebziger Jahren existiert hat, zu kriminalisieren“.

Sima hatte sich, wie auch Malle, schon in der Schulzeit für die slowenische Minderheit engagiert. Es waren die Jahre, in denen Deutschkärntner Heimatverbände zweisprachige Ortstafeln aus ihren Fundamenten rissen und die revoltierende Jugend aus der slowenischen Minderheit nicht länger um ihre Rechte betteln wollte. In Nacht- und Nebelaktionen beschmierten die Jugendlichen Ortstafeln mit den fehlenden slowenischen Bezeichnungen, kritisierten die ihrer Ansicht nach viel zu braven Slowenenverbände, protestierten gegen die von Kreisky verordnete Minderheitenfeststellung mit einer Urnenverbrennung und begehrten gegen die vorherrschend katholisch-konservative Wertehaltung in ihrer Volksgruppe auf. Sie waren links und antiautoritär, eine Mischung, die Ostblockkommunisten nicht gerade freute. Dennoch: Sie unterhielten gute Kontakte nach Jugoslawien, Seminare, Flugblätter, Publikationen wurden von dort gesponsert.

"Jugoslawien erschien uns als Unterstützer, und das war es objektiv auch. Es war uns ziemlich wurscht, dass es kommunistisch war. Sich unter die Fittiche des Staats, gar eines Geheimdiensts zu begeben, das wäre uns niemals in den Sinn gekommen in unserem Freiheitsdrang und der Ablehnung jeder Autorität“, erinnert sich Sima. Erst später sei ihm klar geworden, dass auch Agenten des jugoslawischen Geheimdiensts in diesem Milieu unterwegs waren.

Ein Dutzend Sprengstoffattentate in den 1970er-Jahren, die sich sowohl gegen Partisanendenkmäler als auch gegen deutschnationale Stätten richteten, wurden damals extremistischen Kreisen beider Seiten zugeschrieben. Dass der jugoslawische Geheimdienst in einzelnen Fällen selbst seine Finger im Spiel hatte, ahnte niemand, mit Ausnahme vielleicht der österreichischen Staatspolizei.

Vor zwei Jahren tauchten jugoslawische Geheimdienstdokumente aus dieser Zeit auf, wonach eine radikale Zelle unter den Kärntner Slowenen in die Anschläge verwickelt war. Nach Ansicht des Historikers Igor Omerza könnte es sich schon damals "um politisch motivierte“ Desinformation gehandelt haben.

Der Leiter des Slowenischen Wissenschaftlichen Instituts in Klagenfurt, Augustin Malle, hatte 1967 den Vorsitz des Klubs der Slowenischen Studenten übernommen und sich später, wie Sima, im linken Zentralverband der Kärntner Slowenen engagiert. In den Akten der österreichischen Staatspolizei existierten umfangreiche Dossiers über diese Jahre, sagt Malle. Ein Stapo-Beamter sei bei jeder Versammlung dabei gewesen und habe mitgeschrieben. Mit dem jugoslawischen Geheimdienst habe er in jenen Jahren nur einmal zu tun gehabt. Es war ihm zugetragen worden, dass er und seine Freunde auch von dieser Seite bespitzelt wurden, und Malle hatte offiziellen Protest bei dem damals für Minderheitenfragen zuständigen Staatssekretär eingelegt, der - wie man heute weiß - auch mit dem Geheimdienst zu tun hatte. Das war 1976.

Malle kann nicht ausschließen, dass er damals "abgeschöpft“ wurde. Immerhin hatte er intensive Kontakte mit slowenischen Kollegen. Den Hass der Freiheitlichen hat er sich wohl zugezogen, als er im Auftrag des Volksgruppenbüros des Landes Kärnten im Jahr 2000 eine Broschüre über die Lage der slowenischen Minderheit verfasste, verharmlosende Eingriffe in den Text nicht akzeptierte und die Originalversion ins Netz stellte.

Dem slowenischen Zeithistoriker und Universitätsrat der Universität Klagenfurt, Dusan Necak, kreiden die Freiheitlichen an, dass er "die Problematik der Kärntner Slowenen im Sinne der jugoslawischen Geschichtsauffassung propagierte und in der kommunistischen Ära Karriere machte“. Vielleicht hat sie auch Necaks Studie über die Kärntner Nazi-Putschisten 1934 geärgert.

Necak sagt, er überlege Maßnahmen gegen die rufschädigende Behauptung, er sei Mitarbeiter des Geheimdiensts gewesen. In Slowenien, wo die Aufarbeitung der Tito-Jahre auch nicht immer rein sachlich vor sich gehe, sei so etwas Ungeheuerliches niemals behauptet worden. Er habe jedenfalls "ein reines Gewissen“.

Bevor die FPK-Abgeordneten vor zwei Wochen den Landtag mit ihrer Denunziation beschäftigten, hatten sie bereits eine gleichlautende parlamentarische Anfrage mit entsprechenden Links an den Nationalrat gerichtet. Wer den angegebenen Links, die zu den geheimnisvollen Konfidentenlisten des jugoslawischen Geheimdiensts führen sollen, folgt, findet stattdessen jedoch Angebote freizügiger ukrainischer Damen.