<i><small>eatdrink von Klaus Kamolz</small></i>
Skoko & Co

Maritimes Istrien (II): die besten Fischküchen und ein Testsieger.

Der Angelladenbesitzer, dem ich bereitwillig - und für nix und wieder nix, wie sich später herausstellen sollte - einen guten Teil des Reisebudgets für todsichere Branzinoköder überlasse, klärt mich immerhin über die bevorstehende Saison auf. Jetzt würden sie sich bald wieder den Küsten nähern und bis zum nächsten Frühjahr dortbleiben, all die hervorragenden Speisefische, die im istrischen August in die kühleren Tiefen verschwinden. Dann kommt auch die Zeit der Meerspinnen von Premantura, der Seezungen von Novigrad - und der Netze voller Kvarner Scampi.

Aber wo gibt es den besten Fisch? Wohin liefern die Fischer ihren Fang zuallererst?

Hier wird man auch in der hektischen Hauptsaison nicht enttäuscht, und ab September schon gar nicht:

Erste Station. Restaurant "Blu“, in einer kleinen Bucht gegenüber der Altstadt von Rovinj. Besitzerin Lidja Fabris schafft es auch im Sommer, die kargen Quellen für Kvarner Scampi abzuschöpfen. Und so wie hier gibt es sie kaum wo: roh, nur mit etwas Olivenöl und Orangensaft mariniert und mit bereits geschältem Schwanz als Vordergrundensemble vor einer der schönsten Aussichten Istriens serviert. Ich werde künftige Abendessen mit dem Sonnenkalender akkordieren: Die Scampi bitte genau dann, wenn der rote Ball im Meer versinkt.

Zweite Station. Hotel-Restaurant "Milan“, Pula. Seit Jahrzehnten ist das Lokal eine sichere Bank für maritimen Genuss. Zum Auftakt gönnt man sich hier am besten einen Antipasti-Teller mit frischen Meeresfrüchten und Gemüsen (das Highlight: die kleinen, Canestrelli genannten Jakobsmuscheln). Und so einen urwüchsig fabelhaften, in legere Koteletts geschnittenen Steinbutt vom Grill gibt es auch in Istrien nicht sehr oft.

Dritte Station. Restaurant "Johnson“, am Ortsrand über Moscenicka Draga in der Kvarner Bucht. Auch dieses Lokal gehört zum Kanon; und der Beteuerung des immens kompetenten Kellners, man möge die kleine Speisekarte lieber vernachlässigen, weil jetzt sage er nämlich den Tages-fang auf, ist in jedem Fall Glauben zu schenken: marinierte Scampi, grandiose gemischte Muscheln (Dondole, Miesmuscheln, Kunjke) und eine Zahnbrassenschnitte von T-Bone-Ausmaßen, zu der mein Lieblingsolivenöl von Agromillo gereicht wird. Nächste Weinentdeckung: Malvazija 2010 von Kozlovich.

Vierte Station. Konoba Batelina in Banjole bei Pula. Der absolute Höhepunkt. Danilo Skoko braucht auch keine Karte; er serviert ohnehin nur, was sein Vater vom Meer nach Hause bringt. Und das soll bitte den ganzen Abend nicht mehr aufhören, auch weil hier erfrischend alternative Nischenprodukte auf den Tisch kommen: mit Lorbeer und Weißwein pochierter Thunfisch, Carpaccio von Zahnbrassen und Jakobsmuscheln, weißes Stockfischmus, Sardellen in Salz, kleine Seezungenrollen mit Sesam und Löwenzahncreme, Brodeto mit Polenta - und eine Pastete von der Seeteufelleber mit Zwiebelmarmelade. Keine Frage: Die kleine Konoba ist heuer der uneingeschränkte Testsieger. Schade, dass sie kein Geheimtipp mehr ist. Man wartet ungefähr zehn Tage auf einen freien Tisch.

klaus.kamolz@profil.at