'Knapp dabeben' bei Meinl European Land

Der geplante Verkauf von Meinl European Land rückt in immer weitere Ferne. Warum sich alle Investoren zieren.

Wieder so eine Woche in der jüngeren Geschichte der börsennotierten Immobiliengesellschaft Meinl European Land (MEL): Am Dienstag wird zwanglos ein Gerücht über den „unmittelbar bevorstehenden“ Einstieg eines „Investors“ im Markt gestreut, am Mittwoch schnalzt der Kurs um gleich zwölf Prozent in die Höhe, bis Freitag fällt er wieder in den Keller. Schlecht ist’s gegangen, nichts ist geschehen. Seit nunmehr fünf Monaten harren die Anleger der vermeintlich erlösenden Nachricht. Ende September hatte Meinl European Land die Investmentbank Merrill Lynch damit beauftragt, die komplexe Struktur der Immobiliengruppe zu straffen und nach zahlungskräftigen Interessenten Ausschau zu halten. Allein: MEL ist bis heute weder restrukturiert, noch konnte ein Partner gefunden werden.
Die Gesellschaft selbst hat bisher denkbar wenig zur Aufklärung beigetragen. Das Management ist seit Auffliegen des Skandals um verheimlichte Wertpapier-Rückkäufe abgetaucht, Bankier Julius Meinl V. will mit all dem ohnehin nichts zu tun haben, dessen Sprecher Herbert Langsner schließlich bemüht fortgesetzt Stehsätze. So auch am Dienstag vergangener Woche. Gegenüber der Austria Presse Agentur hielt Langsner wörtlich fest: „Es wird geredet, verhandelt, evaluiert. Wir peilen für die nächsten Wochen ein Ergebnis an.“

profil-Recherchen ergaben indes: Die zuletzt kolportierten Investoren, unter ihnen große Namen wie Goldman Sachs, HSBC, Apollo oder Blackstone, waren entweder nie wirklich interessiert – oder sind längst wieder abgesprungen. „Wir sind einigermaßen verblüfft, dass unser Haus immer wieder genannt wird“, sagt jetzt erstmals ein Vertreter der international tätigen Investmentbank Goldman Sachs, der allerdings Wert auf Anonymität legt. „Das Thema Meinl European Land beschäftigt uns nicht.“ Die derzeit mit Abstand größten Hindernisse: die schwer bezifferbaren Risiken dräuender Schadenersatzforderungen verprellter Anleger – und der eigentliche Wert der Gruppe. Dem Vernehmen nach war bisher kein potenzieller Investor bereit, im Lichte der Unwägbarkeiten mehr als zehn Euro je MEL-Aktie – genau genommen handelt es sich um Zertifikate auf Aktien – auf den Tisch zu legen. Das ist zwar ein Hauch über der aktuellen Börsennotiz von knapp unter acht Euro. Aber Lichtjahre von jenem Kurs entfernt, zu welchem MEL die Zertifikate 2007 vom Markt geholt hat. Zwischen April und August hatte Meinl European Land insgesamt 1,8 Milliarden Euro Anlegergeld eingesetzt, um 88,8 Millionen Titel zu durchschnittlich 20 Euro aufzukaufen. Das Paket, immerhin fast ein Drittel des börsennotierten Grundkapitals, wurde anschließend beim Investmentvehikel Somal der Familie Meinl auf den niederländischen Antillen geparkt (profil berichtete ausführlich). Die Staatsanwaltschaft Wien ermittelt in diesem Zusammenhang gegen Julius Meinl V. und andere Personen wegen des Verdachts der Untreue und des Betrugs. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Verkaufte MEL die eigenen Titel tatsächlich zu zehn Euro, müsste die Gesellschaft die Differenz auf den Einstandspreis abschreiben. Das wären im konkreten Fall letale 900 Millionen Euro. Hinzu kommt, dass die Meinl Bank vitales Interesse an einem Fortbestand der Geschäftsbeziehungen zu Meinl European Land hat. Im Wege eines umstrittenen „Managementvertrages“ hat MEL bisher Jahr für Jahr 20 Millionen Euro aufwärts an die Banktochter Meinl European Real Estate abgeführt. Julius Meinl V. scheint einer Auflösung des Vertrags zwar nicht abgeneigt, will dafür aber bis zu 200 Millionen Euro sehen. Auch das wollte bisher niemand bezahlen.

Von Michael Nikbakhsh