Kritik: Licht & Schatten

Ein halbes Jahr nach der Eröffnung: die neue Albertina.

War die Albertina unter ihren früheren Direktoren eine wissenschaftliche Anstalt alten Zuschnitts, so machte Direktor Klaus Albrecht Schröder aus dem ehrwürdigen Institut einen der größten touristischen Anziehungspunkte der Wiener Innenstadt: Nach der erfolgreichen Munch-Ausstellung im Frühjahr rechnet Schröder für 2003 mit insgesamt 500.000 Besuchern. Als Manager bewies der Marketing-Virtuose dagegen weniger Fortüne: Er konnte seine Budgetforderungen gegenüber Ministerin Elisabeth Gehrer nicht durchsetzen und kämpft seither mit massiven Finanzproblemen. Die Ausstellung „Raffael bis Goya“ musste abgesagt werden, ebenso wurde die für Februar 2004 geplante Schau „Paul Klee und seine Zeit“ aus dem Programm genommen. Zudem mussten der Studienbetrieb eingestellt und 13 Albertina-Mitarbeiter gekündigt werden; der für die wissenschaftliche Forschung dringend benötigte Tiefspeicher (Kostenpunkt: 18 Millionen Euro) kann erst 2009 bezogen werden. Zweifelhafte Berühmtheit erlangte letzthin auch der „Soravia-Wing“, von Schröder als „Wahrzeichen“ des neuen Hauses angepriesen – ein 64 Meter langes Flugdach, das nun nicht aus kosten- und prestigeträchtigem Titan, sondern aus Aluminium hergestellt wird. W. P.