Neue Produkte: Lifestyle digital

Auf der Macworld Expo in San Francisco stellte Apple-Chef Steve Jobs neue Produkte vor. Wer allzu große Erwartungen hegte, wurde enttäuscht.

In den einschlägigen Apple-Foren im Internet brodelte seit Wochen die Gerüchteküche, feiert doch Apples legendärer Macintosh 2004 sein 20-jähriges Jubiläum. Was würde sich Apple-Chef Steve Jobs aus diesem Anlass wohl für seine eingeschworene Fangemeinde einfallen lassen? Manche spekulierten über ein Wundergerät fürs Wohnzimmer; iBox wurde es in den einschlägigen Foren genannt und als Multimedia-Zentrale für Video, Foto, Musik und Fernsehen in glühenden Farben geschildert. Andere wiederum meinten, Apple werde vielleicht ein neues Notebook mit Apples derzeitigen High-End-G5-Prozessoren vorstellen oder Steve Jobs wolle den historischen Computer aus dem Jahre 1984 in einer limitierten „Special Edition“ für Liebhaber reaktivieren.

Keine dieser Hardware-Visionen erwies sich allerdings als zutreffend. Lediglich diejenigen, die mit einer abgespeckten Neuauflage des sensationell erfolgreichen MP3-Players iPod gerechnet hatten, sollten Recht behalten. Neu im Apple-Sortiment für den Consumer-Markt ist der iPod Mini, ein MP3-Player im Visitkartenformat, der in den USA ab Februar für 249 Dollar, in Europa ab April um 299 Euro erhältlich sein wird. Im Gegensatz zum weiß-silber designten großen Bruder wird es die iPod-Mini-Version in fünf Farben (Silber, Gold, Blau, Pink und Grün) geben; mit insgesamt vier GB bietet er Speicherplatz für rund 1000 Songs und wird über ein Scrollrad mit vier integrierten Knöpfen zu bedienen sein. „iPod Mini ist ideal zum Joggen, weil er mit einem Band ganz einfach am Oberarm befestigt werden kann“, meinte Jobs euphorisch.

Diese Produktinnovation hat wirtschaftliche Gründe. Seit Apple 2001 mit dem iPod den Einzug in die Unterhaltungsindustrie wagte, wurden zwei Millionen Exemplare verkauft. Nicht zuletzt durch eine Version für Windows-PCs und Apples Music Store konnte Apple im Bereich der MP3-Player laut Jobs einen Marktanteil von 31 Prozent erringen, allein im letzten Quartal 2003 gingen 730.000 Stück über den Ladentisch. „Endlich kommen wir mal über den 5-Prozent-Marktanteil hinaus“, meinte Jobs bei der Macworld Expo selbstironisch. Mit seinem iPod Mini will er nun auch den vielen weniger speicherstarken MP3-Playern am Markt die Stirn bieten. Einziger Wermutstropfen bleibt der Preis. Für rund 50 Dollar mehr gibt es bereits die 15-GB-iPod-Version mit Platz für 3000 Songs.

Im Moscone Center in San Francisco nahm sich Steve Jobs diesmal dafür sehr ausführlich Zeit, um „Digital Lifestyle“ zu zelebrieren. Persönlich führte er die Unterhaltungssoftware vor, die im Zeitalter der digitalen Musik und Fotografie jeden Menschen zum krativen Produzenten seiner eigenen Fotos und Musik machen soll. In Apples Fotoverwaltungsprogramm iPhoto haben zukünftig 25.000 Fotos Platz, die mit verbesserten Tools in Sekundenschnelle durchforstet und zu hübschen Alben – mit ein paar simplen Klicks auch als Diashow mit jeder Musik – sortiert werden können. Neu ab März auch in Europa: Via iPhoto erstellte Fotosammlungen können in Papierform bestellt werden.

Wahre Jubelstürme beim Publikum lösten die Innovationen im Bereich der Musik-Software aus. Jeder Apple-User kann zukünftig mit der neuen Applikation GarageBand sein eigenes Tonstudio betreiben. Gemeinsam mit einem Gitarristen demonstrierte Jobs, wie man unzählige virtuelle Instrumente spielen und auch aufnehmen kann. Er schwärmte von den Möglichkeiten, die Sounds zu mischen und mit Audioeffekten aufzupeppen. GarageBand wird als Teil des Packages iLife ’04 – es enthält unter anderem Videoschnitt-Programme (iMovie) und Software zum Erstellen von DVDs (iDVD) – für 49 Euro in den Handel kommen. Ein Keyboard zum Aufnehmen von Musik hat Apple gleich mitproduzieren lassen.