Aufstandswauwaus

ORF-Chef Alexander Wrabetz bekommt die Affäre Pelinka nicht in den Griff. Die ORF-Redakteure protestieren weiter – unter anderem mit einer Eigenproduktion im Internet.

In der Sendung gibt es keine Studiogäste, keine zugespielten Beiträge, keine Gespräche mit Korrespondenten und keine bunten Grafiken. Dafür gibt es viele bekannte TV-Gesichter, vom Nachrichtenmoderator über den Wetterredakteur bis zur Innenpolitikjournalistin. Jeder hat nur einen kurzen Auftritt, es reicht gerade für ein paar Worte.

Das klingt nicht unbedingt nach einem neuen TV-Straßenfeger. Doch wenn die Produktion diese Woche auf Sendung geht, wird das Publikumsinteresse wohl dennoch recht groß sein. Schließlich geht es um ein Thema, das die heimische Politik und die Medienkonsumenten nun schon seit drei Wochen umtreibt: die geplante Bestellung von Niko Pelinka zum Büroleiter des ORF-Generaldirektors.

Die ORF-Journalisten wollen nun sozusagen ihre Kritik zum Programm machen. Sie werden jene Resolution vorlesen, die jüngst von 1316 Mitarbeitern unterschrieben wurde und in der gegen parteipolitisch motivierte Postenbesetzungen protestiert wird. Zu sehen ist das Ganze selbstverständlich nicht im ORF, sondern auf der Internetplattform YouTube . Dieter Bornemann, Redakteurssprecher im Aktuellen Dienst, betont, dass für die Produktion des Kurzfilms keine ORF-Technik verwendet werde. „Wir filmen mit privatem Kamera-Equipment und schneiden das Material auf privaten Computern.“ Über soziale Netzwerke wie Twitter und Facebook soll Werbung für die Aktion betrieben werden.

Am vergangenen Freitagnachmittag war die vermutlich letzte Möglichkeit zu einer Beilegung des Aufstands ungenützt verstrichen. In der „ZiB“-Redaktion fand eine Redakteursversammlung statt, an der diesmal auch ORF-Chef Alexander Wrabetz teilnahm. Der Generaldirektor sollte erklären, „warum alle irren und nur er Recht hat“, sagte ein Teilnehmer vor Sitzungsbeginn. Doch Wrabetz plauderte nur ausführlich über die tollen Leistungen der Redakteure, über den Erfolg der Sendungen und die außerordentlich gute Zusammenarbeit. Beim eigentlichen Grund des Treffens blieb er stur: Als Generaldirektor dürfe er sich seinen Büroleiter selbst aussuchen. Dieser habe keine Machtposition im Haus, weshalb man die Personalie doch bitte nicht gar so hoch hängen möge.

Nach eineinhalb Stunden war die Aussprache vorbei, die Fronten blieben verhärtet. Gleich im Anschluss verschickten die Redakteure einen offenen Brief an Niko Pelinka, in dem sie ihn aufforderten, seine Bewerbung im Interesse des ORF zurückzuziehen.

Für Alexander Wrabetz wird es auf dem Küniglberg immer einsamer. Die neue Fernsehchefin ­Kathrin Zechner hatte sich vor ein paar Tagen vorsichtig, aber erkennbar von seiner Vorgangsweise distanziert. „Die Unabhängigkeit ist das wichtigste Gut der ORF-Journalisten, und ich stehe voll hinter ihnen“, erklärte sie in einer Redakteursversammlung. Kurz danach übte auch der neue Direktor des Landesstudios Vorarlberg, Markus Klement, Kritik. „Ich würde Pelinka nicht nehmen“, sagte er. Und nicht nur das journalistische Personal des ORF ist über die Vorgangsweise erbost, auch die Verwaltung macht mobil. Monika Wittmann, Vorsitzende des Betriebsrats der Generaldirektion, beschwerte sich in einem profil vorliegenden Mail an den Chef unter anderem darüber, dass die Büroleitung als redaktioneller Job eingestuft werde. „Festzuhalten ist (…), dass die Büroleitung GD bisher immer als Referent/in in VG 15 besetzt war.“

Mit dem Argument, es handle sich nicht um einen journalistischen Job, verweigerte Wrabetz bisher auch die Weiterleitung der Bewerberliste an die Redakteure. Diese wollen nun bei der KommAustria dagegen Beschwerde einlegen.

Damit ist jedenfalls sichergestellt, dass in der Affäre Pelinka – und somit im ORF – noch sehr lange keine Ruhe einkehren wird.