Femen, PETA, Greenpeace: Die neue Kultur der Empörung

Brustbilder der Rebellion: Eine französische Femen-Aktivistin stürmte vergangenen Februar die Pariser Notre-Dame, um ihre Freude über Bene dikts Rücktritt zu zeigen.

Eisbärenstimmung verbreiten Greenpeace-Aktivisten im Juli 2012 in Buenos Aires auf einer Shell-Tankstelle, um auf die Lebensraumbedrohung dieser Tierart aufmerksam zu machen.

Nackte Oberkörper, poetische Performances, Blut-Inszenierungen: Auch die Protestkultur entwickelt sich weiter. Ein Streifzug durch jüngste Rebellionen:

Ein Parka, eine Packung Wut und Sprüche wie "Wer zweimal mit demselben pennt, gehört schon zum Establishment“: Diese Utensilien reichen längst nicht mehr, um heute im Protestgeschäft Scheinwerferlicht abzubekommen. Rebellion bedarf heute einer Inszenierungsästhetik, die das Auge füttert und die Botschaft so ansprechend wie eindringlich verpackt. Die "Sextremistinnen” von Femen haben mit der Masche, ihre nackten Oberkörper als Transparente zu benutzen und wilde Performances an den ungewöhnlichsten Orten zu veranstalten, die Protestkultur um eine pittoreske Dimension bereichert. Die ursprünglich 2008 in der Ukraine gegründete feministische Gruppe hat inzwischen Außenstellen des Unmuts auf der ganzen Welt gegründet.

„Heidi Horror Picture Show”
Zuletzt erregten deutsche Vertreterinnen der Formation Aufmerksamkeit, als sie Ende Mai barbusig und mit der Körperaufschrift "Heidi Horror Picture Show“ das Finale des Beauty-Camps „Germany’s Next Topmodel” stürmten und Frau Klum damit ein wenig aus der Reserve zu locken verstanden. Doch auch die radikalen Tierschützer von PETA und die Umweltaktivisten von Greenpeace besitzen Talent für bizarr-poetische Protest-Theatralik. Möglicherweise sind die Großeltern dieses Gedankens die Wiener Aktionisten, die mit ihren radikalen Körper-Happenings gegen Nazis, Engstirnigkeit und moralische Konventionen antraten. Ironie des Schicksals, dass die "Uniferkeln“ längst im Establishment der Kunstgeschichte gelandet sind.

(Red)