Rote Nutznießer: Die SPÖ profitiert von der Schwäche der ÖVP

Für die Blauen verlief das Jahr 2010 bisher nicht gerade rosig. Seit dem Zusammenschluss mit der Kärntner FPK verliert die FPÖ in den Umfragen, die missglückte Kandidatur von Barbara Rosenkranz bei den Bundespräsidentenwahlen vor rund einem Monat dämpfte die blaue Stimmkraft weiter:

Laut der aktuellen Erhebung von Karmasin Motivforschung im Auftrag von profil würden derzeit nur 18 Prozent der Österreicher die Freiheitlichen wählen. Auch die ÖVP sinkt leicht in der Wählergunst (32 Prozent würden für die Volkspartei votieren), die SPÖ, die stabil bei 33 Prozent bleibt, hat ­dadurch derzeit die Nase vorn. Noch mehr von der schwarzen Schwäche profitieren die Roten allerdings in der Kanzlerfrage, wo ÖVP-Chef Pröll seit Monaten absackt: Erstmals in diesem Jahr liegen er und SPÖ-Vorsitzender Werner Faymann gleichauf.

„Kanzler Faymann hat nicht nur seine Themen gefunden, sondern auch eine klare Linie, diese zu kommunizieren“, meint Motivforscherin Sophie Karmasin. Die ÖVP vergebe ihrer Ansicht nach durch schlechte Kommunikation – etwa bei der Ökosteuer – die Chance, sich noch stärker als Wirtschaftspartei zu positionieren und Stimmen zu gewinnen. Das Interesse wäre jedenfalls gegeben: Die Krise ist für die Mehrheit der Österreicher nach wie vor das wichtigste Thema – mehr als jeder Zweite meint, die Regierung sollte sich derzeit mit Verve der ungünstigen Wirtschaftslage widmen.