Team Stronach: Nach ersten Erfolgen sieht die Partei schon wieder alt aus

Stronach - Team Stronach: Nach ersten Erfolgen sieht die Partei schon wieder alt aus

Nach ersten Erfolgen sieht die Wahlbewegung von Frank Stronach schon wieder alt aus. Nicht einmal in seinem Heimatbezirk kommen die berüchtigten Wutbürger noch zu den Treffen.

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Den hat Frank Stronachs Wahlbewegung bereits hinter sich. Vergangene Woche waren Stammtische in der Oststeiermark angesagt: in Stronach-Land, wo jedermann von den Segnungen schwadroniert, die der Auswanderer seinen Landsleuten hat angedeihen lassen, wo nur die ärmsten Schlucker und alte Mütterchen im prasselnden Regen auf den Postbus warten.

"Er steht uns zur Verfügung mit seinem Wissen, seiner Erfahrung, seinen Ideen und seinem Geld“, schwärmt Rene Freiberger, neuerdings Assistent der Landesgeschäftsführung der steirischen Stronach-Filiale. Der hohe Ton seiner Stimme verrät Nervosität. "Frank“ weilt wieder einmal in Kanada, und so sitzen Freiberger und seine beiden Mitstreiter, Franz Krenn und Harald Weiss, allein beim "Prenner“ in Pinggau und mustern hoffnungsfroh jeden, der in die Gaststube tritt. Es handelt sich um den Auftakt zu einer ganzen Reihe von Bürgertreffen. Dabei werden die drei so gut wie keine anderen Bürger treffen, sondern immer nur sich selbst: Freiberger, Weiss und Krenn.

Querulant als einzige Ausbeute
Man ist schon weit über der Zeit, und erst einer hat an der Schank nach ihnen gefragt. Dem man geht man nun um den Bart, schenkt ihm ein Ohr, was er lange entbehrt und eigentlich nicht mehr zu hoffen gewagt hatte. Der verzweifelte Mann war schon beim Bürgermeister vorstellig geworden, in Parteizentralen, bei diversen Landesräten und beim Volksanwalt. Auch im Fernsehen ist er einmal aufgetreten. Die Gerichtshändel gehen bereits ins zwölfte Jahr. Es handelt sich um einen Streit zwischen zwei Modellbauvereinen, von denen der eine sich auf Flieger und der andere auf Autos spezialisiert hat, deren Grundstücke nebeneinander liegen und die Funkfrequenzen leider auch. Eine gewisse Rolle spielt auch eine Finanzprüfung.

Die Stronach-Leute sind empört, aber ratlos, was da zu machen wäre. Der Mann ist ja schon überall gewesen. Nach ein, zwei Stunden hängen die Details allen schon zum Hals heraus. Der Querulant ist die einzige Ausbeute des Abends. Und er würde, so sagt er, für sein Leben gern mit Stronach persönlich reden. So einen darf man nicht vergraulen. Außerdem bietet er seine Mitarbeit an. "Wir brauchen ein neues System, wie Stronach schon sagte“, meint er: "Meine Gedanken hätten auf einem DIN-A4-Zettel Platz. Gott sei Dank hat Stronach das Geld. Sonst könnte er das gar nicht aufziehen“, bringt sich der Aspirant in Position und macht ein schlaues Gesicht, als hätte er noch etwas in petto.

Am Ende des Abends taucht ein zweiter Besucher auf, ein Haider-Fan, der sich jetzt - "nachdem Haider von Geheimdiensten liquidiert wurde, da bin ich mir sicher“ - für Stronach erwärmt. Resigniert pflichten sie ihm bei.

Die Bürgertreffen sind ein interessantes Studienobjekt. Man lernt hier die Gesetze des Populismus kennen, die Verführbarkeit des Menschen, dem anderen nach dem Munde zu reden, die Entstehung einer postdemokratischen Partei, die versucht, aus dem allgemeinen Meinungschaos die Botschaft zu destillieren, dass Stronach schon wissen werde, wo es langgehe.

Am Tag darauf beim "Buchtelwirt“ in Wenigzell zeigt sich dasselbe Bild. Die drei Getreuen sitzen pünktlich um neun Uhr morgens am reservierten Tisch. Doch es kommt niemand. Nur die üblichen Stammgäste schauen im Laufe eines Vormittags vorbei. Einer schimpft auf die Jugend von heute, das "Gesindel“, das nichts arbeite und frech sei, besonders die Städter. Nicken rundum. Ein anderer sagt, Politik interessiere ihn nicht, höchstens Stronach. Der würde die Faulenzer "runterdrücken aufs Existenzminimum“. Bald geht es um das Internet als "Geisel der Menschheit“, die Überreglementierung, den Euro und die Griechen.

Der Bürgermeister von Pöllau, Johann König, größter Schnapsbrenner in der Gegend, tritt auf. Er ist von seiner Partei, der SPÖ, wegen der Gemeindezusammenlegungen schwer enttäuscht. Für die Stronach-Leute wäre er ein dicker Fang, doch will er im Grunde nur seinen Ärger ablassen und geht wieder seines Wegs.

Kampagnen und Inserate auf Sparflamme
Die Stammtische sind ein Fanal, doch nicht der Hoffnung. Stronach gilt als geizig. Der Unternehmer war es zeitlebens gewohnt, für sein Investment Ergebnisse zu sehen. Von den vergangenen Landtagswahlen - besonders in Niederösterreich und Salzburg - hat er sich mehr erwartet und, enttäuscht, Kampagnen und Inserate auf Sparflamme gesetzt.

Seine Parteigänger, die auf ein Mandat hoffen, müssen sich nun selbst helfen. Mit der Organisation von Stammtischen können sie Eifer und Einsatz zeigen, Punkte sammeln, vielleicht sogar "Frank“ beeindrucken.

In seinem früheren Leben hat Rene Freiberger für Bachblüten-Aficionados und Heiler aller Art die Infrastruktur und den Werbeauftritt organisiert. Jetzt ist der 33-Jährige hauptsächlich Cheforganisator der Wirtshaustreffen. Er muss damit rechnen, dass der Misserfolg auf ihn zurückfällt. Diese Stammtische seien sehr lehrreich und spannend, sagt er. Man fühle sich in seiner politischen Haltung danach bestätigt.

Freiberger hat noch nie persönlich mit "Frank“ sprechen können, aber das sei gar nicht nötig. Man verstehe sich auch so. Er kenne ja "Franks“ Visionen. Als er "Frank“ das erste Mal reden hörte, war er "komplett aufgewühlt“ - "dieses Brennen, wie er spricht“. In den Wirtshäusern ist Freiberger derjenige, der aufspringt, sobald jemand hereinkommt, Folder verteilt und die Zufallsbekanntschaft höflich fragt, ob er etwas zusenden dürfe.

Franz Krenn, 59 Jahre alt, sein Mitorganisator, durfte Stronach schon einmal selbst die Hand schütteln und war schwer beeindruckt. Zwei Jahre lang hatte Krenn es beim BZÖ ausgehalten. Seine Tiraden gegen die Sozialversicherungen und Kammern zeugen noch davon. Er habe erkannt, er denke wie Stronach, sagt Krenn. Dessen Kolumnen in der "Krone“ könnte er selbst geschrieben haben. Krenn fällt an den Stammtischen die Rolle des ergebenen Zuhörers zu, der aus dem ermutigenden Nicken gar nicht mehr herausfindet.

Der Dritte im Bunde, Harald Weiss, wirkt etwas mitgenommen vom Leben und hat den schwierigsten Stand. Der 48-Jährige war Sachbearbeiter in der Sozialversicherung und befindet sich in Frühpension, was viele Stronach-Wähler wahrscheinlich nicht so gut finden. Weiss sagt, er habe "einen Krieg gegen Ärzte“ geführt und sei mehr als 40 Mal operiert worden. Für sein ehrenamtliches Engagement bei der Begleitung von Schmerzpatienten war Weiss einmal in der Hofburg eingeladen, worauf er sehr stolz ist. Auch Weiss hat eine querulatorische Ader. Vor ein paar Monaten hatte er in einem Obsorgestreit einen Fernsehauftritt.

Weiss widmet sich bei der Suche nach neuen Mitstreitern in den Wirtshäusern mit Hingabe den Schicksalsschlägen der Menschen. Wie das Amen im Gebet kommt auch die Geschichte, dass "Stronach in seinen Fabriken immer zu jedem Mitarbeiter hingegangen und ihm die Hand gegeben und mit ihm geplaudert hat. Der sieht dich als Mensch, der schaut auch den Kleinen an.“ Weiss würde selbst wahnsinnig gern einmal mit Stronach persönlich reden. Bei den Großveranstaltungen ist ihm das bisher nicht gelungen.

Das dritte Stammtischtreffen beim Kirchenwirt in Vorau, kaum 20 Kilometer von Wenigzell entfernt, an einem Samstagnachmittag ist das traurigste. Zwei Schachspieler haben sich eingefunden, die nicht gestört werden wollen.

Die drei Musketiere bleiben allein auf der Terrasse des Wirtshauses sitzen. Bis ein Wiener mit seiner schwerkranken Frau auftaucht. Die Arme zieht ein Beatmungsgerät hinter sich her und hat Schläuche in der Nase. Wieder geht es um Ärzte und Gutachten, Berufungs- und Beschwerdekommissionen; alle nicken schon recht routiniert, und am Ende geht es um eine Erfindung, ein Gerät, das heilt, das wahre Wunder vollbrächte, wenn es nur einen Mäzen gäbe, der daran glaubte.

Die drei Stronach-Leute werden sich noch in viele Wirtshäuser setzen, aber der Funke springt nicht mehr über. Immer schon haben neue politische Bewegungen die notorischen Querulanten einer Gesellschaft angezogen. Sie verschwinden dann nach und nach und machen aktiven intelligenten Mitgliedern Platz. Beim Team Stronach läuft es anders. Die Neuen sind nicht gekommen, und der Bodensatz ist geblieben.