Die Verschworenen

Ex-Telekom-Vorstand Rudolf Fischer hat gegenüber der Justiz zugegeben, dass er von den Kursmanipulationen 2004 wusste. Für die früheren Manager wird es eng.

Die Schicksalsgemeinschaft sollte immerhin siebeneinhalb Jahre halten. Schließlich hatte keiner der Betroffenen gesteigertes Interesse daran, die Geschichte jemals öffentlich zu machen. Es ging – und geht – ja nicht nur um eine Stange Geld, sondern vor allem auch um mögliche strafrechtliche Verwicklungen.

Doch jetzt fallen die Herren der Reihe nach um.

Wien, Dienstag vergangener Woche: Der frühere Telekom-Vorstand Rudolf Fischer erhält unangekündigten Besuch von Beamten des Bundesamts zur Korruptionsprävention und Korruptionsbekämpfung, kurz BAK. Sie halten ihm eine von Staatsanwalt Hannes Wandl unterfertigte Anordnung unter die Nase: „Vorführung zur sofortigen Vernehmung“. Fischer bleibt gerade noch die Zeit, die Schuhe zu schnüren, ehe er zur Einvernahme ins Wiener Straflandesgericht befördert wird.

Wie ausführlich berichtet, steht eine Gruppe früherer Telekom-Führungskräfte im Verdacht, den Wiener Broker Johann Wanovits, Gründer des Wertpapierhandelshauses Euro Invest, im Februar 2004 dazu angestiftet zu haben, den Kurs der Telekom-Aktie zu manipulieren – um so ein 8,7 Millionen Euro schweres Aktienoptionsprogramm für rund 100 leitende Angestellte zu sichern. Im Gegenzug soll Wanovits eine „Risikoprämie“ von einer Million Euro versprochen worden sein, wovon er tatsächlich knapp weniger als 600.000 Euro erhalten haben dürfte, und zwar aus der Kasse des Unternehmens selbst. Damit hätten die Involvierten sich auf Kosten der Telekom und ihrer Aktionäre bereichert, was den Tatbestand der Untreue erfüllen könnte.

Wanovits hatte über Jahre beteuert, seinerzeit aus eigenem Antrieb heraus gehandelt zu haben, ehe er bei einer Hausdurchsuchung Ende Juli einknickte und den ­ehemaligen Telekom-Manager Gernot Schieszler als Kontaktmann nannte (profil 31/2011) .

Inzwischen scheint klar: Schieszler (einst Vorstandsassistent, später stellvertretender Finanzvorstand und schließlich Vorstandsdirektor) agierte mit Billigung der Chefetage, wenn nicht überhaupt auf deren Weisung.
Nach Informationen aus Justizkreisen gab Ex-Vorstand Rudolf Fischer im Zuge seiner vorwöchigen Einvernahme an, er habe mit der Beauftragung der Euro Invest „nichts zu tun gehabt“. Sehr wohl aber habe er „im Nachhinein“ davon erfahren.

Nach Broker Johann Wanovits hat damit erstmals auch ein früherer Spitzenrepräsentant der Telekom Austria einbekannt, dass es rund um den so genannten Aktien­optionsplan 2004 nicht mit rechten Dingen zuging. Und von Rudolf Fischer ist es nur mehr ein kurzer Weg zu dessen da­maligen Vorstandskollegen Heinz Sundt, Boris Nemsic und Stefano Colombo. Sie ­waren zusammen mit Fischer die Hauptprofiteure des Prämienprogramms – und haben jedwede Unregelmäßigkeit stets energisch bestritten.

Nach profil vorliegenden Informationen werden Sundt, Nemsic und Colombo in den kommenden Wochen vor der Staatsanwaltschaft Wien dazu aussagen müssen – als Verdächtige. Heinz Sundt (Generaldirektor von April 2000 bis Mai 2006) genießt – noch – den Ruhestand; Boris Nemsic (Generaldirektor von Mai 2006 bis März 2009) hat nach einem kurzen Gastspiel beim russischen Vimpelcom-Konzern kürzlich beim international tätigen Beratungsunternehmen Delta Partners mit Sitz in Dubai angeheuert; Finanzvorstand Stefano Colombo landete nach seinem Ausscheiden 2007 ­vorübergehend bei der RHI-Gruppe, ehe er 2009 in der Versenkung verschwand.

Dass Rudolf Fischer nun zugegeben hat, zumindest „im Nachhinein“ von der Rolle der Euro Invest erfahren zu haben, bringt auch den amtierenden Vorstandschef Hannes Ametsreiter in Verlegenheit. Dieser war 2004 Vorstandsdirektor der damaligen Telekom-Tochter Mobilkom, ehe er Nemsic im April 2009 an der Konzernspitze beerbte. Auch Ametsreiter profitierte vom Aktien­optionsplan, sagt jedoch nicht, in welchem Ausmaß (rech­nerisch wäre ihm eine Prämie von maximal 130.800 Euro zuge­standen). Ametsreiter war zwar nach eigenem Bekunden „weder in die Gestaltung noch in die Umsetzung des damaligen Aktienoptionsprogramms involviert“.

Dennoch muss es intern Hinweise auf Ungereimtheiten gegeben haben. Und doch blieb Ametsreiter in dieser Angelegenheit auffallend lange auffallend passiv – möglicherweise aus falsch verstandener Loyalität gegenüber seinem einstigen Förderer Nemsic. Genau genommen reagierte das Unternehmen erst nach der vorwöchigen profil-Enthüllung. In einer eilig verschickten Presseaussendung erklärte Ametsreiter Montag vergangener Woche, die Telekom werde die ausgezahlten Prämien zurückfordern, sollten sich die Hinweise auf Manipulationen erhärten: „Wer sich hier fehlverhalten hat, wird zur Verantwortung gezogen.“ Zugleich verwahrte er sich aber dagegen, „dass das gesamte Management pauschal verurteilt wird“. Tags darauf sagte Rudolf Fischer bei der Staatsanwaltschaft Wien aus.