<i><small>Cyberama von Thomas Vašek</small></i>
Xbox One: Überwachen & spielen

Wer braucht Geheimdienste? Wir überwachen uns selbst!

Kameras sind überall. Rund um die Uhr beobachten sie Parkplätze, Geschäfte, Bankomaten oder U-Bahnsteige. Vermutlich gibt es keinen nennenswerten öffentlichen Ort, an dem nicht irgendwo eine Kamera installiert ist. An die allgegenwärtige Überwachung haben wir uns längst gewöhnt. Die Welt – ein riesiges Panoptikum. Neu ist allerdings die Kamera im Wohnzimmer. Mit einer WLAN-­Videokamera wie Dropcam (150 Euro) kann man die eigenen Räumlichkeiten und eventuell dort aufhältige Personen ganz einfach per Smart­phone von unterwegs beobachten, und zwar sogar in HD-Auflösung.

Und die neue Microsoft-Unterhaltungskonsole Xbox One ist mit einer Kinect-Kamera ausgerüstet, die den Raum inklusive aller Gespräche per Infrarot ständig überwacht – und sogar bis zu sechs anwesende Personen erkennt. Das klingt nun wirklich etwas spooky.

Der Sinn liegt unter anderem darin, die Xbox per Gesten oder Stimme zu steuern. Aber Microsoft verspricht sich von der Rundumüberwachung noch wesentlich mehr. So soll es möglich sein, die Angebote individuell auf den jeweiligen Nutzer abzustimmen. Die Kamera kann etwa erkennen, wer gerade auf den Bildschirm schaut – und misst sogar den Pulsschlag der anwesenden Personen. Die Kamera ist einerseits ganz praktisch. Mit der neuen Xbox (rund 600 Euro) kann man etwa Skype-Telefonate via Fernseher führen. Andererseits werden sich nicht nur Paranoiker fragen, wer einem da sonst noch ins Wohnzimmer glotzt. Die Infrarotkamera liefert übrigens auch im Dunkeln brauchbare Bilder; und die XBox funktioniert nur, wenn die Kamera eingeschaltet ist. Wer die Familie auch unterwegs beim Xbox-Spielen ­beobachten will, greift am besten zusätzlich zu einer Dropcam. Die kann dann auch gleich die XBox selbst überwachen. Man weiß schließlich nie.

thomas.vasek@profil.at