Walter Pichler: Eremit, Kosmopolit

Zum Tod des Bildhauers, Architektur-Utopisten und Kunstmarktskeptikers Walter Pichler.

Walter Pichlers frühe Kunstwerke aus den 1960er-Jahren besitzen Kultstatus: Sein "TV-Helm“, der "Große Raum“ und sein "Galaxy Chair“, utopische Objekte zwischen Kunst und Architektur, erlangten auch jenseits des Kunstbetriebs Bekanntheit. Die Prominenz von Pichlers Schaffen reichte weit über die Landesgrenzen hinaus: Seine Ausstellungsliste umfasst New York (MoMA), Kassel (documenta 4) und Amsterdam (Stedelijk Museum). Hierzulande waren die architektonischen Skulpturen Pichlers, häufig Hybriden zwischen Mensch und Maschine, zuletzt im Herbst 2011 in einer eher überschaubaren Ausstellung im Museum für angewandte Kunst (MAK) zu sehen - eine der raren Gelegenheiten, seine Kunst im Original zu studieren. Denn dem 1936 in Südtirol geborenen Künstler bereitete es stets Kopfzerbrechen, wenn seine Werke reisten; lieber hatte er sie bei sich, in seinem Refugium im südburgenländischen St. Martin, wo er einen alten Bauernhof zur Kunstwelt umbaute.

Schuf Pichler in seiner Frühzeit noch leichte, pneumatische Skulpturen, so gewann seine Bildhauerei zunehmend an Schwere - metallene Torsi und Schädeldecken sowie archaische Fantasie- oder Pseudoarchitekturen begannen zu dominieren; dem 1989 entstandenen "Tor zum Garten“ im MAK, gefertigt aus Eisen, Beton und Granit, ist eine selten gesehene Massivität eigen. Pichler selbst erschien dabei stets vornehm und distinguiert; im Herbst konnte man anlässlich der Ausstellungseröffnung im Haus am Stubenring eine Beobachtung der deutschen Wochenzeitung "Die Zeit“ teilen, die Pichler einst einen "Herrn von weltläufiger Eleganz“ genannt hatte. Und obwohl er das Österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst erhielt, waren Pichlers spätere Arbeiten in seiner Wahlheimat nicht sehr berühmt - was vor allem an ihm selbst lag: Er verlieh seine Werke nicht nur ungern, sondern verkaufte sie auch, abgesehen von Skizzen und Zeichnungen, aus Prinzip nicht. Kaum jemand verweigerte sich konsequenter dem Kunstmarkt als er. Am Montag vergangener Woche starb Walter Pichler im Alter von 75 Jahren nach schwerer Krankheit.