„Wie die Lämmer“

Der von profil vergangene Woche in ersten Auszügen veröffentlichte Gerichtsbeschluss zur Verlängerung von Julius Meinls U-Haft – er bleibt gegen das „gelindere“ Mittel der 100-Millionen-Euro-Kaution auf freiem Fuße – hat die Meinl Bank wenig überraschend zu einer scharfen Reaktion verleitet.

So wurde profil unter anderem „tendenziöse“ Berichterstattung beschieden. Was insofern stimmt, als dieses Magazin die Tendenz des Landesgerichts für Strafsachen wiedergegeben hat.

Die Meinl Bank und Julius Meinl beteuern weiterhin, Haftrichterin Bettina Deutenhauser hätte „große Teile der Vorwürfe gegen Meinl entkräftet“. Was insofern nicht stimmt, als der Kernvorwurf der Untreue gegenüber dem Vermögen von Meinl European Land (MEL) massiv erhärtet wurde – die Richterin wähnt bei Herrn Meinl gar einen „hohen Fluchtanreiz“, daher auch die fortgesetzte U-Haft. In dem profil vorliegenden 462 Seiten starken Gerichtsdokument äußert Deutenhauser denn auch massive Zweifel an der Wirtschaftlichkeit der notorischen Wertpapierrückkäufe durch MEL 2007: „Der Erwerb von 88.815.000 Zertifikaten muss … als riskant und mit einem großen unternehmerischen Risiko behaftet bezeichnet werden, was sämtliche Beteiligte, somit auch der Beschuldigte Meinl, … gewusst und die Möglichkeit eines konkreten Schadenseintritts auch ernstlich für möglich gehalten haben müssen.“

Wie bereits berichtet, hegt Deutenhauser in diesem Zusammenhang den Verdacht, Julius Meinl sei „stark in die Wertpapierrückkäufe involviert“ gewesen und hätte die Direktoren von MEL (heute: Atrium European Real Estate) obendrein zu „strafbaren Handlungen angestiftet“ (Nr. 28/09).

Daneben finden sich in dem Dossier auch bemerkenswerte Erkenntnisse zur Behandlung von Anlegern. Etwa in Zusammenhang mit der Planung einer außerordentlichen MEL-Hauptversammlung am 23. August 2007 in Wien: „Dem Gericht erscheint ebenfalls nicht nachvollziehbar, warum der Beschuldigte bei der Auswahl des Tagungsortes … miteinbezogen wird, wobei dem Inhalt dieses E-Mails auch zu entnehmen ist, dass offenbar kein großes Interesse bestanden hat, die Veranstaltung besonders aktionärsfreundlich zu gestalten.“ Dabei handelt es sich um eine Julius Meinl am 25. Juni 2007 zugegangene Nachricht seiner Vertrauten Nadina Gilles, die Deutenhauser nicht ohne Grund zitiert: „Location-Vorschlag wäre z. B. Studio 44 (1030), Schnellbahn zwar in der Nähe, aber doch nicht ganz dabei, kaum Parkplätze … sprich insgesamt nicht sehr aktionärsfreundlich, aber auch nicht so schlecht, dass man uns böse Absicht vorwerfen kann.“ Tatsächlich verirrten sich an dem Tag nur 110 Anleger in das angemietete „Studio 44“ der Österreichischen Lotterien am Wiener Rennweg, nachdem in der Vergangenheit bis zu 700 Personen zu MEL-Hauptversammlungen gekommen waren.

An anderer Stelle heißt es: „Aus einem E-Mail von Nadine Gilles an Peter Weinzierl (ebenfalls beschuldigter Meinl-Bank-Vorstand; Anm.) vom 7.6.2006 … ergibt sich ebenfalls, dass der Beschuldigte Meinl offenbar in den Entscheidungsfindungsprozess der MEL eingegriffen haben soll: … haben sie entschieden, ob wirklich autorisiertes Kapital … erhöht werden soll? JM (Meinl; Anm.) und SV (Stephan Visy, Meinls rechte Hand; Anm.) deuteten das an … ich befürchte Diskussionen, aber vielleicht gehen unsere Aktionäre auch diesmal wie die lammer, ohne zu fragen …“

Gemeint waren wohl „Lämmer“.